Aufsatz 
Zur Erklärung des Propertius / Hetzel
Entstehung
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I, 11, 21. Ah mihi non maior carae custodia matris Aut sine te vitae cura sit ulla meae. So schreibt diese Stelle Lachmann(in der ersten Ausgabe), Haupt und, mit der orthographischen Emendation von ah in a, auch L. Müller. Die Lesart der Handschriften: An mihi non ist unhaltbar; die von den Genannten angenommene ergibt den Sinn, den die Stelle fordert. Aber hart ist es, dass im Hexameter die Negation direct, im Pentameter in der Form der Frage ausgedrückt ist. Dies ist vermieden in der von Hertzberg vorgeschlagenen Emendation: An mihi nunc etc., die ausserdem den Vorzug hat, dass, da die Sätze mehr geschieden sind, in dem ersten das hier allein passende est(nicht sit!) sich ergänzen lässt.

I, 12, 1. Quid mihi desidiae non cessas fingere crimen,

Quod faciat nobis conscia Roma moram? Tam multa illa etc.

L. Müller schreibt in v. 2: Qnod faciat nobis Cynthia amore moram, Hertzberg: conscio amore moram.

Eine Aenderung ist nicht nöthig, Die Sachlage ist folgende: Ein in der Provinz weilender Freund, ohne Zweifel Tullus(vgl. I, 6 und IV, 22), hat den Dichter aufgefordert, in seiner Nähe würdigere Beschäftigung zu suchen, etwa sich Studien hinzugeben, wie sie später(V, 21) Propertius selbst sucht.Aber freilich, hatte er ihn beschuldigt,fessele ihn die Hauptstadt, sie sei schuld an seinem müssigen Leben. Dies bedeutet conscia Roma, und diese Hindeutung auf Cynthia genügt sowohl unter den Freunden, als auch für die Leser. Wem es anstössig ist, dass Cynthia zunächst nur mit illa bezeichnet ist, der vergleiche IV, 17, wo gerade das von besonderer Wirkung ist, dass auf Marcellus in dieser Feier seines frühen Todes nur durch ein ille(v. 10) hingewiesen ist.

I, 14. Diese Elegie zeigt, wie wenig auch im ersten Buch eine das Verständniss unterstützende chronologische Ordnung eingehalten ist. Tullus, den wir in I, 4 nach Asien abgehen sehen, wird hier im ruhigen Genuss seines Reichthums in Rom weiland geschildert. Dazu kommt, dass der Dichter hier sein Verhältniss zu Cynthia als höchstes Glück preist, während dasselbe sowohl in den vorhergehenden Liedern, als auch in dem nächstfolgenden schwer getrübt erscheint. Völlig verständlich wird die Elegie daher nur, wenn sie vor I, 6 gesetzt wird. Ich erwähne dies indessen nur vorläufig, ohne damit zugeben zu wollen, dass hierdurch die ursprüngliche Reihenfolge der Lieder des ersten Buches hergestellt wäre.

I, 16. Dies Gedicht, welches mehr den Charakter einer Satire, als einer Elegie trägt, tritt so störend wie möglich zwischen die in gegenseitiger Beziehung stehenden Lieder 15 und 17. Sollte es sich auf Cynthia beziehen, so könnte es sicherlich nicht in eines der drei ersten Bücher eingereiht werden. Die Bewohnerin eines genau bezeichneten Hauses, die hier so schonungs- los der Schmach preisgegeben wird, kann nicht Cynthia sein; ausserdem ist es nicht wahr- scheinlich, dass die Freigelassene aus Tibur den Palast eines alten Adelsgeschlechtes in Rom bewohnt habe. Die Satire gilt also wohl einer Freigeborenen, einer zweiten Vistilia.(Tac. Ann. II, 85).

Haupt hat die Verse 11 und 12 an das Ende des Gedichtes verwiesen; ich glaube mit Unrecht. Dies Distichon:

Nec tamen illa suae revocatur parcere famae,

Turpior et saecli vivere luxuria,

knüpft an v. 10 passend an.Vor dieser Thüre, heisst es,die einst Zeuge des Ruhmes