Aufsatz 
Zur Erklärung des Propertius / Hetzel
Entstehung
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oder I, 1, 25:

Aut vos, qui sero lapsum revocatis, amici, mit IV, 24, 9: Quod mihi non patrii poterant avertere amici.

Dass dem Dichter aber nicht Frist zur Veröffentlichung der Sammlung gefehlt hat, geht daraus hervor, dass diesem Schlussgedicht noch das Lied V, 7, um von den übrigen Liedern des fünften Buches hierbei abzusehen, gefolgt ist, das eine beträchtliche Zeit später gedichtet sein muss; denn Jahre mussten darüber hingehen, ehe an die Stelle so bitterer Empfindungen, wie sie IV, 24 und 25 ausgesprochen sind, eine so objective Charakteristik der gestorbenen Geliebten treten konnte. Für die drei ersten Bücher aber beweist der Vers II(III), 13, 9: Sat mihi sat magna est, si tres sint pompa libelli, doch wol, dass diese Bücher, als der Dichter so schrieb, dem Abschluss nahe waren. Und doch steht zugleich fest, dass Propertius, als er das letzte Lied des dritten Buches dichtete, noch weit entfernt war von der Ernüchterung, die in IV, 24 und 25 sich ausspricht, vielmehr von derselben Cynthia unsterblichen Ruhm hofft, der er später zuruft: Versibus insignem te pudet esse meis.

Sonach kann ich dem Urtheil Hertzbergs und L. Müllers nicht beistimmen, dass die jetzige Anordnung von den ersten Herausgebern der Bücher II bis V, Freunden des Pro- pertius, die nicht mit der nöthigen Sorgfalt verfahren, herrühre.

Steht es nun aber fest, dass der Architypus aller erhaltenen Handschriften und frühesten Ausgaben die Sammlung in der jetzigen Anordnung und mit den jetzigen Lücken enthalten hat, so bleibt nur die Annahme übrig, dass die Verstümmelung des Buches II und III und die zweckwidrige Reihenfolge der Elegien Folgen des gleichen Missgeschickes sind. Die Gedichte des Propertius sind hiernach der gänzlichen Vernichtung nur in einem Exemplar entgangen, das stark beschädigt war, so dass ein Theil des zweiten und dritten Buches verloren ging, dessen Blätter ferner gelöst und in Unordnung gerathen waren. Es fand dann eine nothdürftige Wiederherstellung der Ordnung statt, wobei in den Rahmen der vorgefundenen Bücher meist nicht einzelne Elegien, sondern ganze Gruppen eingereiht wurden. So konnten zufolge der bekannten Lücke Buch II und III vereinigt werden, es konnten Lieder der spätesten Periode neben die der frühesten gerathen, es konnten selbst in einigen Fällen Stücke verschiedener Elegien zu einem Liede verbunden werden; auch mag die Erschwerung des Verständnisses zu einigen Interpolationen Anlass gegeben haben, besonders solchen, die den Gedankengang her- stellen oder abschliessen sollten.

Sonach wird die Erklärung des Propertius stets unvollständig sein, wenn sie nicht jedem Gedicht seine ursprüngliche Stelle angewiesen hat. Aber es wird dies nur die Frucht sorg- fältiger und besonnener Bemühung sein können, zunächst auf Grund der handschriftlichen Ueberlieferung überall den Sinn jeder Stelle, den Zusammenhang jedes Liedes, die Situation, die ihm zu Grunde liegt, und gegenseitige Beziehungen nachzuweisen.

Hierzu sollen die folgenden Zeilen einen Beitrag liefern. Dass Kritik und Emendation des Textes dabei nicht ausgeschlossen sind, ist selbstverständlich.

I, 1. Diesem Lied hat Lachmann in den Untersuchungen der Vorrede seiner ersten Ausgabe p. XXIV eine Beziehung auf die Elegie II(III), 24 gegeben. Ist es an sich unwahr- scheinlich, dass das Gedicht, welches sichtlich bestimmt ist, das erste Buch einzuleiten, das die Liebe des Dichters zu Cynthia besingt, den Dichter selbst des Abfalls von dieser Liebe beschul-

dige, so liegt auch in den Worten kein Grund dies anzunehmen. Denn nullo vivere consilio 1*