Aufsatz 
Eine altfranzösische Alexiuslegende aus dem 13. Jahrhundert / hrsg. von Joseph Herz
Entstehung
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VIII

Gedichtes hinsichtlich der Reime der sonst im afr. beobachtete Unterschied zwischen o aus lat. 6 und o aus lat. u in Position nicht berücksichtigt wird(cf. G. Paris, Alex. S. 58 60 u. S. 276). Die Aussprache dieses o entspricht dem ou, d. h. dem deutschen u(vgl. auch die Schreibung der Hs. von docour und signour, Var. 1253 u. 1254). Ich habe die Schreibung mit o beibehalten und mich auch in gleichen Fällen innerhalb der Zeile nach der Hs. gerichtet.

Eine durchgehende Gleichmässigkeit der Lautgestaltung herzustellen, habe ich nicht versucht. Im allgemeinen ist nur in Bezug auf dieselbe Form desselben Wortes eine einheitliche Schrei- bung eingeführt worden. Von einer durchgreifenden Uniformirung der Laute hielten mich auch einige vereinzelt vorkommende Erscheinungen ab: ie aus lat. Positions-e haben wir in biel v. 137(und v. 455, Lesart), sowie in tiesmoign, 892. Diese picardisch-wallonische Eigen- thümlichkeit wegzuschaffen, war unerlaubt; das Vorkommen eines solchen ie in zwei Wörtern konnte mich aber auch nicht veranlassen, in allen andern sehr zahlreichen Fällen das Positions-e in ie umzusetzen. An einigen Beispielen will ich nun zu zeigen versuchen, welchen Weg ich eingeschlagen habe. Der Schreiber von P sprach ue bereits wie ö; man vergleiche die Formen des Praesens: 207(Nar.) treuve, 508 trueve, 877(Var.) treve, 771 truevent: ich habe in diesem Falle die gute Schreibung mit ue gewählt. Den Infnitiy desselben Verbums schreibe ich an allen Stellen(546, 799, 844) nach der Hs. trover, ebenso das Participium (29, 339, 417, 896, 901, 1126) trovet(= trové) und endlich das Perfectum(331 u. 333) trova und(387) troverent. Der Wechsel des Stammvocals nach der Lage des Accentes kommt also zur Anschauung, wenn man die beiden Personen des Praesens mit den übrigen angeführten Formen dieses Verbums zusammenstellt. In ähnlicher Weise glaubte ich in folgendem PFalle verfahren zu müssen: Die Hs. gibt: espouser(151 u. 157), esposee(1095 Var.), espousement (226), espouse(446), aber auch in dieser Wortgruppe oft die Schreibung eu: espeus(244 Var.), espeuse(23 Var., 39 Var. u. s. w.), enspeuse(324 Lesart, über diese Form s. weiter unten): alle diese Wörter sind im Texte mit ou geschrieben. Nach der bei den Adjectiven auf ösus in unserem Denkmale herrschenden Lautgestaltung hätte ich auch espeus, espeuse schreiben können; da aber die gute alte Form vorhanden war, so habe ich hier des Schreibers Aussprache (in sposus für sponsus wird bei ihm das durch Consonantenausfall lang gewordene osus zu eus) nicht berücksichtigt. Die Adjectiva auf lat. ösus endigen in unserem Denkmale mit einer Ausnahme alle auf eus, nämlich: anguosseus(203), dolereuse(1005), esperiteus(254), enuieus (693; cf. enuios im Besant de Dieu 1117 nebst Toblers Note und 2048), perileus (234) und prechieuses(1198); hiernach habe ich auch statt des handschriftlichen mervillous (1177 Var.)mervilleus in den Text gesetzt. Das Adjectiv gentius(gentilis) der Hs. ist v. 28 in gentieus geändert, da beide Formen in picardischen Texten vorkommen(cf. Tobler, Aniel XXV). Mit Rücksicht auf das sonst von mir beobachtete Verfahren hinsichtlich der Lautgestaltung kann man hier die Hs. in Schutz nehmen. Der Triphthong ieu erscheint übrigens in unserem Denkmale nicht nur vorzugsweise in Dieus(und so steht überall im Texte), sondern auch 467 in vieus(vetulus) und stets in dem elfmal vorkommenden ieus(ocu- los); andererseits bietet die Hs. zehnmal nur die von mir beibehaltene Schreibung fius und ebenso immer(457, 604, 671) für löcusliu, jedoch für föcusfeu(cf. Lesart zu 575). Was das Adverb dementres, das ich nur in dieser Form kenne, anbetrifft, so habe ich 992 das handschriftliche dementrues bestehen lassen und hiermit 843(dementrueus; s. die Var.) in Uebereinstimmung gebracht.

Beachtenswerth in unserer Hs. ist eine Eigenthümlichkeit, die auch andere afr. Texte zeigen, und welche(cf. Suchier, Auc. u. Nic., S. 63, n. 17) darin besteht, dass im ganzen Osten des altfranzösischen Sprachgebietes gedektes l hinter Vocalen zu schwinden pflegt, wo es sonst vocalisirt wird, z. B.: abe aus alba(Var. 763 u. 865), amosnes(Var. 63, 506, 684 und Lesart 722), amosne(Var. 397, 412, 627), am. u. asmosnier(Var. 174 u. 397), amosniers(Var. 408 u. 679); ferner aquant(Var. 1009), atorite(Var. 333), atre(Var. 1112; sonst stets in der Hs. autre, autres, autrui, autretel), biate(Var. 117 u. 436), bias[Var. 253, während sonst überall(430, 438, 473 etc.) biax= biaus steht], loiates u loiate(Var. 20 u. 41), loiament(Var. 157 u. 242), pamier(Var. 617, 624, 1046) und pamiers(Var.