Aufsatz 
Eine altfranzösische Alexiuslegende aus dem 13. Jahrhundert / hrsg. von Joseph Herz
Entstehung
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VI

1.) Die Reime auf ain enthalten ein Wort mit etymologischem e: v. 920 plain(plenus). Man findet dasselbe Wort in Reimen auf ain in einem allerdings dem 14. Jahrhundert ange- hörigen Denkmale, im Bastart de Buillon v. 3860 und v. 4143, sodann das Femininum plaine im Reime auf aine, Berte(ed. Scheler) v. 1784.

2.) An und en werden in den Reimen auf ant und ent bis auf eine Ausnahme getrennt gehalten; in Laisse VIII finden wir nämlich unter den Reimen auf ent v. 216 das Wort garant. Paul Meyer hat in seiner, 1870 im ersten Bande der Mém. de la Soc. linguistique de Paris veröffentlichten Abhandlung überAn et en toniques S. 273,§ VI dieses Wort nicht be- sprochen. Obwohl nun 0 die Schreibung garent gibt, so glaubte ich doch mit P das a in garant beibebalten zu müssen, da ich es in verschiedenen Denkmälern*) nur im Reime mit Wörtern auf ant gefunden habe. Das in Laisse L, v. 1038, von P gegebene plorente konnte durch das adjectivische dolente aus O ersetzt werden(vgl. über dolent Paul Meyer a. a. O0.).

3.) Besonders wichtig für unser Denkmal sind die Reime auf é(et). In Laisse III ist das End-t des Reimworts der ersten Zeile, v. 26, in der Hs. erhalten. Laisse XIII, v. 343 steht in der Hs.en penses. Ein solcher Plural im Casus obliquus ist hier als Reim- wort unmöglich; in einem am Ende der Zeilen dieser Laisse stehenden Worte kann nur die Endung é oder et vorkommen. Die hier im Reime unmöglichen Worteen pensés weisen also wohl auf ein ursprünglichesen penset hin. Dass der Dichter v. 343 einen Singular gebraucht hatte, bestätigt auch dasen penseit in 0, wo die ganze Laisse auf eit aus- geht. Das handschriftlicheames am Ende von v. 409 kann grammatisch richtig auch nur amé oder amet lauten. Anders verhält es sich mit v. 428, wo die Worte der Hs.caitis, dolans et maleures beim Verbum se claime, wie bei anderen reflexiven und passiven Verben, einem häufig vorkommenden Sprachgebrauche ganz gemäss sind.(O gibt in dieser Zeile zu demselben Verbum verschiedene CasusMut soi claimet chaitis dolant mal eureit). Ausführlich ist dieser Punkt von Tobler zu v. 147 des Aniel besprochen worden; man vergleiche auch G. Paris zu Alex. 25 e und Romania II, S. 106, Z. 13 14. In unserem Gedichte kommt dieselbe Construction v. 374 und 940 vor, an zwei Stellen, wo der Nom. caitis auch vom Reime gefordert wird. Nichtsdestoweniger glaubte ich aber sowohl wegen des Reimes der Laisse XVI, als auch unter Berüksichtigung von Aiol(ed. Förster), v. 5083: Si se claime dolant, maleure, caitif(ebend. 5590 dieselbe Redeweise mit weiblichen Adjec- tiven) die Accusative in den Text setzen zu müssen.

In Laisse XLII gibt die Hs. v. 872 contet, 873 demoret und 876 sonet; der Infinitiv in v. 881 war durch Einsetzung der Lesart von O zu beseitigen; ebenso war das handschrift- liche enuolepes in 885, wie die ganze Zeile, welche vom Verbum rechoivre in 886 abhängt, durch O zu bessern. In Laisse LV hat der Schreiber von P v. 1135 miti ot richtig den Acc. pl.aueules ralumes verbunden; liest man aber mit 0i sont, so erhalten wir die auch für den Reim richtige Form in 1135, können die Nominative in 1136 beibehalten und das handschriftliche redrechies in redrechiet ändern. Innerhalb der Zeile ist das t nach e in der Hs. in folgenden Wörtern erhalten: congiet(v. 283), moitiet(220 und 569), laisiet(= laissiet v. 495).

4.) Dass der Dichter in den Reimen auf i nur ein it im Auge hatte, ist leicht zu be- weisen. In Laisse XIX steht in der Hs. am Schlusse von v. 459 richtig lit(lectum), ebenso 460 delit(delictum). Der v. 462 im Reime stehende Eigennahme David kommt auch sonst in Reimen auf it vor; cf. Vollmüller, Münchener Brut XXIII, zu v. 3779(escrit: David). Das am Schlusse von 454 in der Hs. stehende respi(nfr. répit) kommt nie ohne End-t vor (EW.**) 668); ebenso ist das letzte Wort von 455 in der handschriftlichen Schreibung tapi nicht

*) In der Chanson de Roland, in Toblers Mittheilungen, im Pierabras(ed. Kroeber u. Servois), in den Enfances Ogier, im Gerhard von Viane und im Agolant(bei Bekker), im Renaut de Montauban, im KAiol und Elie de saint Gille.

**) EW.= Etymologisches Wörterbuch von Diez. Vierte Ausgabe, 1878(in einem Bande).