Aufsatz 
Eine altfranzösische Alexiuslegende aus dem 13. Jahrhundert / hrsg. von Joseph Herz
Entstehung
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V

In Laisse XVIII und XIX sind die Worte der Vorlage:sSimilabo me turturi, quae omnino alteri non copulatur, dum eius socius captus fuerit zwar nicht berücksichtigt worden, aber in den Versen 1104 1107 der Laisse LIV wird dieses Gleichniss verwerthet.

Die angeführten Stellen dürften beweisen, dass der franz. Dichter dem schlichten Faden, an dem die lat. Legende die Ereignisse abspinnt, nicht wie ein ängstlicher Uebersetzer folgt; wir werden ihm das Zeugniss geben müssen, dass er mit Geist und Genauigkeit verfahren ist, und dass er an vielen Stellen, besonders in den Zwiegesprächen der Gatten, in den Klagereden nach dem Tode des Alexius, seinen Stoff in freier Weise zu gestalten wusste.

Bei der Textconstitution liess sich in einigen Fällen auf Grund der lat. Legende fest- stellen, welcher Hs. zu folgen sei. So wurde der Vers 683 aufgenommen, weil die Worte aqua qua discos lavabant den Dichter veranlassten, von denhanas zu sprechen. In beiden Handschriften fehlen zuweilen Verse, welche für den Zusammenhang unentbehrlich sind; in solchen Fällen lieferte immer die eine Hs. eine Ergänzung der anderen. In P stehen z. B. nicht die Verse 54, 367, 692, 734, 766, 782, 841; in O fehlen u. a. 59, 110, 111, 148 344, 351, 814. Laisse II ist an einer Stelle in beiden Handschriften verderbt; ich habe es deshalb nicht gewagt, auf Grund desesnolie in O. eine Form von ennolier(inoleare) in v. 17 in den Text zu setzen. Hin und wieder scheint es, als ob der Schreiber von 0 sich gern Kürzungen erlaubt habe. Die ganze Laisse XIV, v. 368 377, ist in 0 nicht enthalten. Nun liegen aber die Worte der lat. Legende:Post eius discessionem facta est Romae inqui- sitio magna dem Verse 370 in Laisse XIV zu Grunde; sie werden jedoch in O gar nicht berücksichtigt, da Laisse XV nur schildert, wie die Diener des Eufemianus den Alexius ver- geblich in der Fremde suchen. Verse, die zur Ausschmückung dienen, werden in O entweder, wie v. 949, ganz unterdrückt oder in kürzerer Fassung gegeben; so hat 0 für 952 956 nur eine Zeile.

*) Auf die Zusammenstellung eines ausreichenden kritischen Apparates bin ich bedacht ge- wesen; die Lesarten von 0 sind durchweg auch dann notirt worden, wenn sie eine andere Wortstellung als P enthalten, z. B. zu den Versen 153, 189, 202, 210, 893, 1203. Die Seite 20 22 verzeichneten Varianten ermöglichen eine Nachprüfung der von mir vorge- nommenen Aenderungen der handschriftlichen Lesarten.

Durchgreifender Natur waren die auf Grund der Reime unseres Denkmals erlaubten Ab- weichungen von der Hs.; ich gebe daher zunächst ein Verzeichniss der Reime und bespreche die wichtigsten derselben. Das Gedicht besteht aus 60 Laissen mit 17 verschiedenen männ- lichen und 6 verschiedenen weiblichen Reimen.

A. Männliche Reime: in XXII, XXXIII. ir IV, LI. ain XIIV. ait XXV. 15, XIV, XXVI, XLV. ant II. 0f V, XXXVI, XXXIX, LIV, LX. 6(et) III, XIII, XVI, XVII, XLII, LV, LIX. ort XLVII. ent VIII, XL, XLIII, LVII. us XII. er VI, X, XI, XXIV, XXVII, XXIX, B. Weibliche Reime: XXXVIII, XLI, LVI. anche XLVIII. 6s IX, XXX. i XIX, XXI. ee XVIII, XXIII, XXXIV, XLIX, LIII. ier VII, XV, XX, XXVIII, XXXVII, LVIII. ente L. este I. iers XXXI. iés XXXV. ie II, XLVI. ure XXXII.

*) Zu meinem Bedauern kann ich im Folgenden nur einen Theil des für diese Einleitung bestimmt gewesenen Materials verwerthen. Der Text hat weit mehr Raum in Anspruch genommen, als ich beim Be- ginne des Druckes vermuthete.

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