IV
v. 1225— 1232 sind im Lateinischen nur ganz kurz angedeutet; die Verse 1232— 1254, welche in O fehlen, hat vielleicht der Schreiber von P hinzugefügt.— Ich lasse jetzt einige Stellen der lateinischen Legende folgen, welche zunächst zeigen sollen, wie der unbekannte Dichter seinen Stoff zu gestalten suchte; gleichzeitg werde ich aber auch Veranlassung haben, auf die Handschriften P und O0 näher einzugehen. Die Worte:
Vespere autem facto dixit Euphemianus filio suo:„Intra, fili, in cubiculum et visita
sponsam tuam.“ Ut autem intravit, coepit nobilissimus iuvenis et in Christo sapientissi-
mus instruere sponsam suam et plura ei sacramenta discere; deinde tradidit ei annu-
lum suum aureum et rendam i. e. caput baltei quo cingebatur, involuta in brandeo
et purpureo sudario dixitque ei:„Suscipe haec et conserva usque dum domino placu-
erit, et dominus sit inter nos.“ bilden die Grundlage zu den Versen 165— 312. In 0 stehen für 223— 256, resp. für 223— 312 nur 5 Verse. Liegt hier in P eine Interpolation vor? Was die Verse 223— 256 betrifft, welche etwa die zweite Hälfte von Laisse VIII bilden, so werden dieselben theilweise für echt zu halten sein; denn dass an dieser Stelle O, dessen 5 Zeilen gehörigen Orts angeführt sind, ganz verderbt sei, liegt auf der Hand. Anders verhält es sich aber mit Laisse IX und X (V. 256— 312), die ganz in 0 fehlen. Wie sind die Verse 293— 297 mit Rücksicht auf das schon in den Versen 219— 225 Gesagte zu erklären? Eine solche Wiederholung einer bereits genau erörterten Thatsache ist doch gar zu anstössig. Schon eher wären die Verse 287— 292 für echt zu erklären; sie stimmen dem Sinne nach zwar ganz mit 206— 213 überein, bilden aber in Laisse X einen Theil der Anrede des Alexius an seine Gattin, während sie in Laisse VIII nur dazu dienen, die Seelenunruhe des Alexius zu schildern. Dass hinsichtlich der Verse 293— 297 nicht von epischen Wiederholungen in dem Sinne die Rede sein kann, wie sie schon in dem alten strophischen Alexiusliede vorkommen, scheint mir klar zu sein. So vermag ich denn nicht, Laisse IX und X unbedingt für echt zu halten; missbilligen wird man es aber hoffentlich nicht, dass die betreffenden Verse in den Text aufgenommen worden sind. Man kann nun in zwiefacher Weise eine Auscheidung des Unechten vornehmen: Entweder erklärt man ausser v. 255 alle Verse von 250— 312 für interpolirt und ersetzt dieselben durch die beiden, Seite 4 am Fusse des Textes angegebenen Zeilen, oder es werden nur die in Klam- mern gesetzten Verse 293— 303 ausgeschieden.
Die folgenden Worte:
„Cum autem completum sibi tempus vitae suae cognovisset, postulavit a deputato sibi
ministro tomum chartae et calamarem et scripsit per ordinem omnem vitam suam,
qualiter respuerit nuptias et qualiter conversatus fuerit in peregrinatione qualiterque
contra voluntatem suam redierit Romam et in domo patris sui opprobria multa sustinuerit.“ enthalten die Grundgedanken zu den 18 Zeilen der Laisse XXXIII(v. 712— 730). In P liegt hier eine kürzere Fassung vor; der Schreiber hat vielleicht aus Irrthum den zweiten Halbvers von 725, der ebenso anfängt wie der zweite Halbvers von 722, gleich dem ersten Halbverse von 722 folgen lassen, zu dem er ja auch metrisch genau stimmt. In den Versen 712— 730 bleiben die Worte„contra voluntatem suam“ und„(qualiter) in domo patris sui oppro- bria multa sustinuerit“ ganz unberücksichtigt.
Die Verse 957— 1113, welche der Eltern und Gattin Klagen über den Tod des Alexius
enthalten, entsprechen etwa 28 Zeilen der lateinischen Legende(nach dem Abdrucke bei Massmann, vgl. das. S. 170, Z. 30 bis S. 171, Z. 12).
fast 6 Zeilen(S. 168, Z. 39 bis S. 169, Z. 3).— Laisse XXVII—XXXIII(v. 592— 712) entsprechen 21 Zeilen der Vita(S. 169, Z. 3, letztes Wort, bis Zeile 24) Laisse XXXIII(v. 712— 730), das sind 18 Verse, haben zu ihrer Grundlage 6 Zeilen der Quelle(S. 169, Z. 24— 30).— Laisse XXXIV- XXXVIII(v. 730— 780) um- fassen fast 11 Zeilen der lat. Legende(S. 169, Z. 30— 40).— Laisse XXXVIII— XLIV(v. 780— 919) ent- sprechen 31 Zeilen der Vita(S. 169 Z. 40 bis S. 170 Z. 24).— Laisse XLIV— XLIX(v. 619— 992) umfassen 12 Zeilen(S. 170, Z. 24— 37).— Laisse XLIX— LII(v. 992— 1078) haben 17 Zeilen zu ihrer Grundlage (S. 170, Z. 37 bis S. 171, Z. 7).— Laisse LII—LV(v. 1078— 1116) umfassen beinahe 6 Zeilen(S. 171, Z. 7— 12(„Tunc“).— Laisse LV— LIX(v. 1116— 1205) entsprechen 18 Zeilen der Vita(S. 171, Z. 12„Tunc“- — 30).— Laisse LIX und ein Theil von LX(v. 1205— 1232) haben die letzten é Zeilen der Vita zu ihrer Grund- lage(S. 171, Z. 30— 36).—


