Aufsatz 
Eine altfranzösische Alexiuslegende aus dem 13. Jahrhundert / hrsg. von Joseph Herz
Entstehung
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EINLEITUNG.

Vor fast zehn Jahren copirte ich in Paris auf Anregung meines hochverehrten Lehrers, des Herrn Professors Gaston Paxis, eine altfranzösische Alexiuslegende. Mit Benutzung einer Oxforder Handschrift, welche mein Freund Herr Arsène Darmesteter für mich abazuschrei- ben die Güte gehabt hatte, wurde unter Leitung des Herrn Professors Paris der Pariser Text so bearbeitet, dass jede sprachliche und orthographische Form desselben unangetastet blieb; eine einheitliche Schreibung durchzuführen, hatte ich somit nicht versucht. Die Arbeit ward im October 1869 vollendet und sollte in der Bibliothèque de l'Ecole des Hautes Etudes veröffentlicht werden; vgl. G. Paris, la Vie de saint Alexis, S. VI. Ein zweiter Band über die altfranzösischen Alexiuslegenden ist jedoch nicht erschienen; ich habe daher im verflossenen Jahre die ganze Arbeit auf Grund der beiden Handschriften neu ausgeführt. Zur Richtschnur dienten mir jetzt vorzugsweise: Toblers Ausgabe des DIS DOU VRAI ANIEIL(Leipzig, 1871) und die bereits genannte, von Gaston Paris und Léopold Pannier(Paris, 1872) heraus- gegebene VIE DE SAINT ALEXIS.

Den Pariser Codex 2162(früher 7986), welcher unser Denkmal enthält, hat Conrad Hofmann in seiner Ausgabe des Alexis(München, 1868), S. 6, Anm. 2, kurz beschrieben. Ueber die Oxforder Handschrift, Canonici Misc. 74, erstattet einen ausführlichen Bericht Paul. Meyer, 3e rapport sur une mission en Angleterre(Archives des Missions, 2e partie, Ve année). Ich bezeichne den Pariser Text mit P, den Oxforder mit O.

Das Wichtigste über die grosse YVerbreitung der Legende vom heiligen Alexius im Mittel- alter findet man in der geschichtlichen Einleitung Massmanns zu seiner Ausgabe vonSanct Alexius Leben in acht gereimten mittelhochdeutschen Behandlungen(Quedlinburg und Leipzig, 1843). Eine Ergänzung der Abhandlung Massmanns bilden die Vorberichte zu den ver- schiedenen altfranzösischen Redactionen in der Ausgabe des Alexiusliedes von Gaston Paris; sodann vergleiche man noch die Einleitung Schippers zu den von ihm(Strassburg, 1877) edirten englischen Alexiuslegenden aus dem XIV. und XV. Jahrhundert. Die Quelle unseres Denkmals, eine lateinische Prosalegende(die Vita S. Alexii in den Actis Sanctorum Bolland. Jul. IV, 251 253), ist in MassmannsSanct Alexius Leben S. 167 171 abgedruckt.

Wie verhält sich nun unser altfranzösisches Gedicht zu seiner lateinischen Quelle? Laisse I und II sind dem Dichter zuzusprechen. Die Vorbilder zu einem solchen Eingange lieferten ihm die Chansons de Geste in Hülle und Fülle: Er wendet sich an seine Zuhörer und schildert ihnen in wenigen Zeilen das nur auf Gott gerichtete Leben seines Helden. Der folgende Theil des Gedichtes schliesst sich ganz enge an die Legende an;*) die Schlusszeilen,

*) Laisse III(v. 26 90) ist eine Ausführung der ersten 19 Zeilen der Vitanach dem Abdruck bei Massmann(auf den ich der Kürze wegen unter Angabe der Seite und der betreffenden Zeilen verweise). Laisse IV, V und VI(v. 90 165) entsprechen fast 9 Zeilen der Vita(S. 167, Z. 19 27). Laisse VII, VIII, IX und X(v. 165 312) haben zu ihrer Grundlage 7 Zeilen(S. 167, Z. 27 bis S. 168, Z. 4). Laisse XI XIV(v. 312 367) entsprechen 9 Zeilen der Vita(S. 168, Z. 4 13). Laisse XIV- XXI(V. 367 489) umfassen kaum 17 Zeilen der Quelle(S. 168, Z. 13 30). Laisse XXIXXIV(v. 489 541) entsprechen 9 Zeilen(S. 168, Z. 30 39). Laisse XXIV- XXVII(v. 541 592) sind die Ausführung von