11
beharrte dennoch bei ſeinen Neuerungen. Da veranlaßte Neſer eine Pfarrconferenz in Hochſtadt, wo eine Supplication an Philipp III. mit Berufung auf die Autorität Melanchthons aufgeſetzt wurde, die aber auch ohne Wirkung blieb. Neſer griff zum Wanderſtabe.*) Melmann und Neſers Nachfolger Göbel(ſ. S. 7 oben) fugten ſich. Neſer fand in Heidelberg eine Pfarrſtelle ²) aber auch nur auf kurze Zeit, denn als 1560 der Kurfürſt den noch„übrigen lutheriſchen Predigern, darunter dem Neſer, befahl, ſie ſollten ſich der particulae in et sub im Articul vom h. Abendmal gänzlich enthalten, antworteten ſie mit aller Reverenz, weil dieſe Redensarten gut und Gottes Wort gemäß wären, könnten ſie ſolches salva veritate nicht thun vid. Loeschers relig. motuum I. p. 163.“
Gleich nach Philipps III. Tod(1561) veranſtalteten die Vormünder, Johann von Naſſau⸗Dillenburg und Philipp IV. von Hanau⸗Lichtenberg eine Kirchen⸗Viſitation 1562 durch die auswärtigen Theologen M. Bernhard Bernhardi von Dillenburg und M. Johann Laubner von Babenhauſen, ³) welcher ſich auch Superintendent Krug, der unter dem von ihm angerichteten Unheil bereits ſelbſt zu leiden hatte, unter⸗ werfen mußte, und auf welcher ſeine Neuerungen, wo ſie Eingang gefunden hatten, abgeſchafft wurden.
Auf dieſen Streit zwiſchen einigen lutheriſchen Geiſtlichen innerhalb ihrer Confeſſion reduciert ſich ledig⸗ lich die vermeintliche gewaltſame Confeſſionsveränderung.
Hanau wer und blieb vom Anfang der Reformation bis zum Jahr 1593 lutheriſch.
Dies zur Widerlegung der neuerdings wieder aufgeſtellten Behauptungen.
Als im Jahr 1642 durch das Ausſterben der Hanau⸗Münzenbergiſchen Linie die Erbfolge an die Hanau⸗Lichtenbergiſche Linie kam, bemühte ſich der neue Regent, Graf Friedrich Caſimir, ſeinen luthe⸗ riſchen Unterthanen, die in beträchtlicher Anzal ſowol in der Stadt Hanau, als auch auf dem Lande unter hartem Gewiſſenszwang ihrem Bekenntnis treu geblieben waren, einigermaßen freie Religionsübung zu erwirken.
Er fand hierbei, während er doch ſelbſt demſelben lutheriſchen Bekenntnis angehörte, von Seiten ſeiner reformierten Unterthanen hartnäckigen und leidenſchaftlichen Widerſtand und mußte die empfindlichſten Kränkungen erfahren. ³)
Den Lutheriſchen ſollte nicht einmal die Vergünſtigung zu Theil werden, eine eigene Schule zu haben und doch mußten ihre Kinder mit anhören, wie die religiöſen Ueberzeugungen der Väter vom Katheder
stirpe ortus.“ Ostendit autem Leonartus animi pietatem vera Invocatione Dei in agnitione et fiducia Domini nostri Jesu Christi, et honesta morum gubernatione. Cum autem et possit et velit docere, vel in templis, vel in scholis, oro honestos viros, ut alicubi docendi locum ei tribuant; quia grata Deo pietas est, piis recte eruditis, et concordiae publicae studiosis locum docendi tribuere.
Datae in Pascate Anno 1559, a primo paschate Anno 3068 quod Israölitae exituri ex aegypto celebrarunt.
Philippus Melanthon manu propria.
¹) Wie er denn ſchon an Beyer geſchrieben hatte: Ego puto potius esse deserendum officium ecclesiasticum quam
ut offendiculo sim etiam minimo in ecclesia.
¹) Struven's Pfälziſche Kirchenhiſtorie p. 81. 83.
¹) vergl. Brammerell S. 42 ff.
*) Piderit Feſtſchrift S. 57. Hanauiſches Magazin Bd. VII.
2*


