Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des ehemalign lutherischen Gymnasiums zu Hanau / C. Herwig
Entstehung
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9 Darauß ich zum Lob dieſes Arbogasti ſo viel ſchließen kann, daß weil dieſer Herr(der Graf) auf gute ſitten der Prieſter gar viel ſahe, dieſer ihm vor andern wegen ſeinem guten Lebenswandel ange⸗ ſtanden, ihn zu einem Pfarrherr anzunehmen.

Philippus Enneobolus(deutſch: Neunheller) nicht von Ladenburg, nicht aus der Pfalz, ſondern aus Lauterburg in dem Hanau⸗Lichtenberg'ſchen Landchen im Unter⸗Elſaß, war ganz der lutheriſchen Lehre zu⸗ gethan und ſtand fortwährend in lebhaftem Verkehr mit Melanchthon und mit dem ebenfalls ganz lutheriſch geſinnten Abt Lottich in Schlüchtern.*) Neunheller heißt es in einem Brief an Lottich gut, daß der Abt ſeine Schüͤler an den Mathias Limperg evangel. Prediger nach Frankfurt ſchicke, ſie in der Theologie unter⸗ weiſen zu laßen. Er hatte großen Einfluß auf die Predigee in der Untergrafſchaft, ſtand in dem inter⸗ imiſtiſchen Handel an der Spitze derſelben und verfaßte ihre Proteſtation 1548. Fabricius und Scultetus er⸗ wähnen eines Catechismus den er 1543 geſchrieben ²),und der ganz und gar dem des Lutheri gleich⸗ förmig war.*)Im erſten Hauptſtück hat er unter andern dieſe Frage: Darf man nicht ſonſt Bilder haben, die man nicht anbetet, noch verehret? und gibt dieſe Antwort darauf: Der Bilder, die wahre und beßerliche Dinge oder Geſchichte und nichts Ueppiges, ſchändliches, falſches oder abergläubiſches fürbilden, kann ſich ein Chriſt wol gebrauchen; ſo er dieſelben allein zu beßerlicher Erinnerung der Werke und Gaben Gottes und frommer Leuthe gebraucht, doch daß alle gefahr des Aberglaubens und Misbrauchs, der dadurch möchte angerichtet und gefördert werden indeßen vermieden bleibe.

Von dem h. Abendmal ſetzet er dieſe Frage: Was iſt dies Sacrament? und beantwortet ſie folgender Geſtalt: Es iſt wie der h. Paulus ſagt, die Gemeinſchaft des wahren Leibs und Bluts unſeres Herrn Jeſu Chriſti, welcher uns in dieſem Sacrament mit Brod und Wein warlich und weſentlich übergeben und von denen, die dies Sacrament brauchen, nach des Herrn Einſetzung empfangen und genoßen wird, nicht, zu einer zeitlichen Speiße des Bauchs und alten Menſchen, ſondern der Seelen und des neuen Menſchen und zur Verſicherung der Auferſtandniß zum ewigen Leben.

Das lautet doch gewis nicht reformiert.

Wenn alſo die Angaben des Fabricius*) und Scultetus⁰) und Brammerells) richtig ſind, woran wol nicht zu zweifeln iſt, daß nemlichPfarrer Neunheller auf Arbogaſts begehren vom Grafen Philipp im J. 1528 nach Hanau berufen, zu ſeinem Gehilfen beſtellet worden iſt, mit ihm gemeinſchaftlich an der Verbeßerung des Kirchenweſens gearbeitet und einerlei Art zu lehren gehabt hat; ſo wird es nicht ſchwer ſein, den wahren Sachverhalt herauszufinden. In Hanau erſt gieng dem würdigen, ſittlich ernſten Meß⸗ prieſter Arbogaſt das Licht des Evangeliums auf, das ſchon rings umher gepredigt wurde; aber in den mit dem übrigen Clerus nun entſtehenden Kämpfen wurde ihm allein die Aufgabe zu ſchwer und er lenkte die Wahl eines Gehilfen auf Neunheller, deſſen lutheriſcher Richtung er ganz beitrat, und der nachher noch 24 Jahre lang bis 1552 die kirchlichen Angelegenheiten in der Graſfſchaft leitete.

II. Die von dem Superintendenten Nicol Krug nach Neunhellers Tod veranlaßten Mishelligkeiten betrafen durchaus keinen Confeſſionswechſel. Die lutheriſchen Pfarrer in Hanau,(es gab damals hier keine andere)

¹) Piderit Feſtſchrift S. 22. Anm. 6, 7, 9.

²) vergl. Brammerell S. 20.

²¹) Bernhard Manuſc. S. 50.

*) historiola ecclesiae Hano-Munzenbergicae.

*) Annal. evang.: cui paulo post laborum socius adiunctus est Philippus Enneobolus Laudenbnrgo ab IIlustr Comite Philippo Hanoviam vocatus: qui Magistro Adolpho fidum sane in evangelii propagatione collegam... se praebuit, in eoque maxime elaboravit, ut pastores huiusce comitatus... ad evangelii agnitionem ac professionem pertraheret. Die Hauptarbeit wird hier doch dem Pfarrer Neunheller zugeſchrieben, von Arbogaſt iſt überhaupt nicht weiter die Rede.

) Brammerell S. 19. f.