Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des ehemalign lutherischen Gymnasiums zu Hanau / C. Herwig
Entstehung
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Sein Sohn Philipp Ludwig II. wurde aber nun, wie in der genannten Schrift weiter ausgeführt iſt, noch nicht 4 Jahre alt, von ſeinen Vormündern und von ſeiner Mutter, die ihrem zweiten Gemahl zu Gefallen 1581 zum reformierten Bekenntnis übergetreten war, durch geſchickte Machinationen zuerſt in reformierte Umgebung verſetzt und dann, trotzdem, daß er demnächſt die Regierung in einem Lande luthe⸗ riſchen Bekenntniſſes antreten ſollte, allmählich ganz zu der reformierten Lehre hinübergezogen.

Bald nach ſeiner Ankunft in Hanau 1593, beſonders aber nach ſeinem Regierungsantritt 1596 und ſeiner in demſelben Jahr erfolgten Vermählung mit Catharina Belgica, der energiſchen Tochter des bekannten Statthalters der Niederlande, Wilhelm I. von Naſſau⸗Oranien, wurde mit gewaltſamer Unter⸗ drückung der bisher herrſchenden) lutheriſchen Lehre, die ſchon vorher unter der Vormundſchaft, namentlich ſeit 1581 begünſtigte reformierte Lehre nach der Kurpfälziſchen Confeſſion eingeführt, unter dem Vorgeben, die aus dem Pabſttum noch übrig gebliebenen abergläubiſchen und abgöttiſchen Gebräuche abzuſchaffen und die Reformation durchzuführen ²) ³).

Wenn in einem erſt neuerdings erſchienenen Werke*) behauptet wird, die reformierte Kirche ſei von Anfang in der Grafſchaft Hanau⸗Münzenberg die herrſchende geweſen, ſei 1523 durch Arbogaſt von Straßburg, und 1528 durch Enneobolus aus der Pfalz, die beide der Schweizeriſchen und Straßburgiſchen Confeſſion zugethan geweſen ſeien, dahin verpflanzt worden, ſei aber nicht immer in ihrem Alleinbeſitz geblieben, ſondern durch die gegen Mitte des 16. Jahrhunderts von dem Superintendenten Krug eingeführte lutheriſche Konfeſſion verjagt und erſt von Philipp Ludwig II. in ſeine Staaten wieder zurückge bracht worden, ſo beruht dies I. in Bezug auf Arbogaſt und Enneobolus und II. in Bezug auf Krug auf einem Irrtum, der das Verhältnis beider Confeſſionen zu einander geradezu umkehrt.

I. Zunächſt iſt zu bemerken, daß von einer Schweizeriſchen und Straßburgiſchen Confeſſion im Jahr 1523 noch nicht die Rede ſein kann, da die Trennung durch die Abendmahlslehre erſt 1524 und 1525

¹) Vgl. Dr. W. Münſcher's Magazin für das Kirchen⸗ und Schulweſen in Heſſen, Bd. I, Nr. IV, S. 2.

²) Vndt weil in der Kirchen alhie(in Steinaw) noch drey altar ſambtt einem groſen vndt faſt mitten in der Kirchen vfgehenckten crucifix, vndt andtern götzen vndt Bildwerck ſindt vorhanden geweſen,.... habe Ich ahm nechiſten mon⸗ tag daruff dieſelbige vber einen hauffen werffen undt abreiſſen laſſen ꝛc. ꝛc. undt ihnen darbey die text aus der Bibell, darin das Götzen vndt Bildtwerck, wie auch die altaria von Gott verbotten ſein, offentlich verleſen laſſen.... vndt weill Niemandts dagegen Ichtes geredt, oder demſelben contradicirt hatt, bin Ich damit in Gottes Nahm en fort⸗ gefahren, vndt an ſtadt des altars einen tiſch mit einem ſchwartzen tuch bedeckt, ſetzen laſſen, das alſo nunmehr Gott lob vndt danck, die Kirch alhie ziemlich gereyniget vndt geſäubert iſt ꝛc.

Die 14 Prädicanten in der vntern Graffſchaft habe ich gegen Hanaw beſchrieben vndt erfordert ꝛc. ſich zu bevleißigen das ſie hinfüro das Abendmahl mit dem gemeinen Brott, vndt dem Brotbrechen halten, Item ein gemein Trinckgeſchirr darbey gebrauchen möchten.

Philips Ludwig Graue zue Hanaw. an Johan den eltern Grauen zu Naſſaw. Steinaw den 24 xbris zu endt des 95ten Jahrs. Siehe Brammerell Beylagen, S. 80, 81, 82.

Und dieſe grauſame Verletzung der religiöſen Gefühle des Volkes nannte man den status reformatior.

(Brammerell S. 71).

²¹) Omnis generis errores et idolatria, quaedam impurarum ceremoniarum reliquiae, quae quemadmodum origine sua papatum sapiunt et redolent; ita variarum adhuc superstitionum figmenta et fomenta sunt in quibus haeret adhue Geννονσαsς et praesentiae corporis atque sanguinis Christi corporalis sub et in panis et vini symbolis commentum, unde invisibilis cujusdam corporis Christi et ubique cum divini- tate praesentis monstrosum figmentum in ecclesiis tuis naper prodiit. Zepper, Dedicatio ad politiam eccles. an den Grafen v. Hanau, p. 12.

*) L'église réformée, quoique ler occupant dans le comté Hanau-Munzenberg et arrivée dans ce pays en 1523 avec Arbogast de Strasbourg et en 1528 avec Enneobolus du Palatinat, attachés l'un et J' autre aux con-