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Am 12. Mai wurde das Maifest durch Ausflüge sämtlicher Klassen in die Um- gegend unter Führung der Ordinarien begangen.
Zur Erinnerung an den Tod der Kaiser Friedrich I. und Wilhelm I. fand am 15. Juni und am 9. März eine feierliche gemeinsame Andacht statt. Am 18. Oktober wurde der Geburtstag Kaiser Friedrichs entsprechend gefeiert.
Die Sommerferien dauerten vom 5 Juli bis zum 2. August.
Am 2. September wurde zur Feier des zwanzigsten Gedenktages der Schlacht von Sedan morgens ein Schulakt abgehalten, in welchem der Direktor eine ausführliche Darstellung der Schlacht von Worth gab. Am Schlusse der Feier überreichte der Direktor nach einer Ansprache den Schülern eine von der Bonner Fahnenfabrik ge- lieferte, reich und kunstvoll gestickte, schwere seidene Fahne, deren Kosten aus dem Ertrage der musikalischen Schüleraufführungen in den beiden letzten Wintern bestritten wurden. Nachmittags feierte die Schule den Tag unter zahlreicher Beteiligung der An- gehörigen ihrer Schüler durch gemeinsamen Ausflug nach dem Walde bei Isenburg, wo das Fest durch Gesânge, Turnspiele, Wettkämpfe und anderweite Vorführungen mannig- fache Abwechselung erhielt. Bei dem Festzuge nach dem Bahnhofe trat zum ersten Male das aus Schülern gebildete Trommler- und Pfeifercorps in Wirksamkeit.
Das Wintersemester wurde am 13. Oktober nach 14tägigen Ferien eröffnet.
Zur Vorfeier des 91. Geburtstages des Grafen von Moltke wurde am 25. Oktober ein Schulakt veranstaltet, bei welchem der Primus des Gymnasiums in einem Vortrage das Leben des Gefeierten behandelte.
Im Dezember nahm der Direktor infolge Berufung durch den Herrn Kultusminister an der Konferenz zur Beratung von Fragen das höhere Schulwesen betreffend in Berlin als Mitglied teil. Es war ihm hierfür der Hauptbericht über die Frage bez. Abschaffung oder Vereinfachung der Reifeprüfung übertragen worden. Seine Vertretung in den Direk- torialgeschäften übernahm für diese Zeit Prof. Wolff, in dem Unterricht die Lehrer der Prima, welche durch die Hülfslehrer Blümlein und Dr. Bilger teilweise vertreten wurden.
Die zweiwöchigen Weihnachtsferien begannen am 23. Dezember.
Am 27. Januar wurde der Geburtstag Sr. Majestät durch einen Schulakt gefeiert. In der Festrede behandelte Prof. Wolff die historische Entwicklung der Kaiseridee.
Vom 3.— 6. Februar wurde die erste schriftliche Reifeprüfung in dem Königlichen Gymnasium abgehalten, die mündliche fand am 13. Februar unter dem Vorsitz des König- lichen Kommissars statt. Sämtliche Schüler unserer ersten Oberprima, acht an der Zahl, bestanden dieselbe; vier wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Das Examen gewann dadurch noch besonderes Interesse, daſs ein seit seiner Geburt blinder Schüler daran teil- nahm. Während sonst nach dem Herkommen in einem solchen Falle die schriftliche Prü- fung erlassen wird, lehnte der Examinand diese ihm gleichfalls angebotene Vergünstigung ab und hatte die Genugthuung, allen Anforderungen nach den Vorschriften der Prüfungsord- nung in beiden Teilen der Prüfung in vollem Umfang zu genügen.
Der Gesundheitszustand der Schüler war ein normaler, der der Lehrer ein erfreu- licher, da, abgesehen von einer längeren Erkrankung des unbesoldeten Hülfslehrers Dr. Arendt, durch Krankheit nur Prof. Wolff zu einer sechstägigen und E.-L. Mauk zu einer viertägigen Unterbrechung ihrer Lehrthäâtigkeit genötigt wurden.


