Aufsatz 
Ueber einige geologische Fragen / von Ferd. Henrich
Entstehung
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die Drehung der Erde um die Sonne, der zweite Stoss ging nicht durch den Schwerpunkt und brachte die Drehung der Erde um eine Axe hervor. PFreilich ist schwer einzusehen, warum man der Erde zwei Stösse geben lassen soll, wenn durch einen einzigen dasselbe erreicht wird. Jeder Körper aber, der eine so grosse lebendige Kraft hat wie die Erde und diese lebendige Kraft durch einen Anstoss erhalten hat, muss durch den Stoss be- deutend erwärmt worden sein. Um einen Begriff von der Wärmemenge zu bekommen, die durch den centralen Stoss erzeugt wurde, machen wir folgende Annahmen. Der stos- sende Körper blieb nach dem Stosse mit der Erde verbunden, seine Masse war der Masse der Erde, wie sie jetzt ist. Die Geschwindigkeit des stossenden Körpers muss nach den Gesetzen des Stosses 4 mal so gross gewesen sein, als die Geschwindigkeit der Erde in ihrem Laufe um die Sonne. Die letztere Geschwindigkeit ist in runder Zahl 29000 Meter. Der Verlust an lebendiger Kraft, der durch den Stoss bedingt wurde, ist= 3 wenn G das Gewicht der Erde, v gleich 29000 Meter und g die Acceleration der 45

Schwere bedeutet. Dieser sogenannte Verlust ist zum Theil auf Formänderung des stos- senden und gestossenen Körpers verwendet, zum Theil in Wärme umgesetzt worden. Nehmen wir an, dass nur der hundertste Theil in Wärme umgesetzt worden ist, so müsste unsere Erde durch ihre ganze Masse hindurch um 12000°C. erwärmt worden sein.

Wenn die Erde ursprünglich starr war und sich selbst von Anfang an drehte, so ist nicht einzusehen, warum ihre Dichtigkeit nach dem Mittelpunkte hin so entschieden zunimmt. Die mittlere Dichtigkeit der Erde ist 5, 5, die Dichtigkeit der Gesteine an der Oberfläche nur 2, 6. War die Erde flüssig, so ist diese Thatsache leicht verständlich; denn in der flüssigen Masse mussten die schwereren Körper sich dem Mittelpunkte, die leichteren sich der Oberfläche nähern. Das mittlere specifische Gewicht der ganzen Erde musste desswegen grösser als das mittlere specifische Gewicht der Oberflächengesteine werden.

Wäre die Erde, wie Mohr andeutet, durch das unausgesetzte Zufliegen von Meteor- steinen und Meteoreisen gebildet worden, so ist der Anfang ihrer Bildung nicht zu be- greifen, ausserdem aber müssten die schweren Bestandtheile derselben an gewissen Orten concentrirt sein, eben weil das spec. Gewicht der Erde 5 ‧6 ist und die Oberfläche nur Gesteine vom spec. Gewichte 2 6 aufweist. In diesem Falle würde das Pendel solche Orte durch eine grössere Anzahl von Schwingungen sogleich verrathen. ¹) Da das Zufliegen von Meteorsteinen mit einer bedeutenden Wärmeentwickelung verbunden ist. so ist wieder nicht abzusehen wohin diese gekommen sein soll.

Abgesehen von all diesem ist es auch unrichtig, dass die Gletscherwirkungen um so gewaltiger und tiefer hinabgehend sind, je näher die Gebirge den Polen liegen. Richtig nur ist, dass die Mächtigkeit und Verbreitung der Gletscher wächst mit der Héhe und Ausdehnung der Gebirge und mit ihrer Entfernung vom Aequator. Am Pole müssen dem-

Ausführlich spricht hierüber R. Falb in seinen Grundzügen zu einer Theorie der Erdbeben und Vulkanausbrüche. Ebendaselbst wird auch mit triftigen Gründen die Ansicht vertheidigt, dass die Erde, sowie alle Planeten von der Sonne abgeschleudert worden ist.