6
Natur der Dinge in weit grösserem Widerspruch stehende Ansichten ¹) als ganz begreif- lich hinzustellen, wie die Lehre von dem schmelaflüssigen Inbalte der Erde, welche ein bewiesener Irrthum ist, die Hebungskraft der Dämpfe, ²) die widerlegt ist, das Krystalli- siren des Feldspaths aus Laven das nicht stattfinden kann.“ 3) Mohr berechnet nun die Wirkungsgrösse einer 3 Meilen hohen, einen Fuss sinkenden Säule von dem Querschnitte 1“ und findet dass die dadurch erzeugte Wärmemenge 31 Pfund Basalt zu schmelzen vermögte, die Schmelzhitze des Basaltes zu 10000 C. gerechnet. Ist der Querschnitt der sinkenden Säule dagegen ¼ Quadratmeile, so können 4320 Millionen Pfund oder über 28 Millionen Cubikfuss Basalt geschmolzen werden. Dies ist nun freilich gar nichts gegen die Lavamenge, die durch eine einzige Eruption an verschiedenen Orten zu Tage gefördert wurde. Auf der Insel Bourbon z. B. lieferte ein einziger Lavastrom im Jahre 1787 hun- dertmal so viel, auf Java mehr als tausendmal so viel Cubikfuss und diese Ströme sind noch lange nicht die grössten; dies widerspricht indessen der Mohr'schen Theorie durch- aus nicht, denn lassen wir eine 3 Meilen hohe Säule von 250 Quadratmeilen Querschnitt einen Fuss sinken, so wird eine Wärmemenge erzeugt, die beinahe soviel Lava schmelzen könute, als auf der Insel Java während einer Eruption zu Tage gefördert wurde. Nur sollte man freilich meinen, dass alsdann auf dem festen Lande die meisten Vulkane sein müssten, weil hier durch das fliessende oder tröpfelnde Wasser die meisten und grössten Höhlen ausgewaschen werden. Dies ist aber bekanntlich nicht der Fall. Daher sagt Mohr:„die eigentliche vulkanische Wirkung im gewöhnlichen Sinne tritt erst ein, wenn ein Durchbruch nach oben stattfindet. Ein solcher kann immer nur durch Wasser ver- mittelt werden, weil durch die Beweglichkeit dieses Körpers und die in ihm stattfindende gleiche Vertheilung des Druckes in allen Richtungen die Summe eines gewaltigen Druckes auf die schwächste Stelle einwirken und hier einen Durchbruch bewirken kann. Man denke sich einen Meeresboden, unter welchem eine Aushöhlung auf eine weite Strecke stattgefunden habe. Die ganze Summe der Last übt auf die darunter liegende flüssige Schicht einen Druck aus, der in allen Richtungen sowohl nach oben, als nach unten gleich ist. Nun muss aber nothwendig nach oben der geringste Widerstand sein, und wenn sich nun hier eine schwächere Stelle befindet, oder im Laufe der Zeit ausbildete, so muss der Gesammtdruck auf den ganzen, auf flüssiger Schichte ruhenden Meeresboden an dieser schwachen Stelle zum Durchbruch kommen, und während sich der schwere Meeres- boden senkt, die unter ihm befindliche Flüssigkeit mit grosser Gewalt nach oben aufge- trieben werden.
¹) Gibt Mohr darin nicht zu, dass seine Ansicht mit der Natur der Dinge im Widerspruch steht?
2²) Mohr meint, Gebirge und vulkanische Produkte könnten aus grosser Tiefe durch Dämpfe nicht gehloben werden.
3) Man sollte meinen, wenn sich in Hohöfen, wie im Mannsfeldischen, oder auf der Josephshütte bei Stolberg am IHarz, Krystalle von Feldspath ausbilden können, so wäre die Möglichkeit der Feldspath- bildung in Laven auch nicht zu bezweifeln. In Dünnschliffen von manchen Laven erkennt man denn auch mit Hilfe des Mikroscops, Feldspath- und andere Krystalle auf das Deutlichste.


