Aufsatz 
Ueber einige geologische Fragen / von Ferd. Henrich
Entstehung
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welche der sinkenden Masse entspricht. Nun wissen wir, dass der Rhein so viele feste Bestandtheile, hauptsächlich kohlensauren Kalk, seit 5000 Jahren dem Erdinnern entführt hat, dass dieser das ganze Flussgebiet desselben um einen Fuss erhöhen könnte.

Aus welcher Tiefe die Bestandtheile kommen, das wissen wir nicht; zu Gunsten der Mohrschen Hypothese wollen wir indessen annehmen, das die Flüsse speisende Regen- wasser dringe eine Meile tief ein. Ein Theil der Kohlensäure des eindringenden Wassers stammt aus der Luft, der andere Theil hauptsächlich von den faulenden Substanzen der Erdoberfläche. ¹) Mit Kohlensäure beladen vermag das Wasser kohlensauren Kalk aufzu- lösen und es ist gewiss der Wahrheit ebenso nahe, anzunehmen, das Wasser löse gleich- mässig von der Oberfläche an bis zu der Tiefe von einer Meile kohlensauren Kalk, als vorauszusetzen, es dringe eine Meile tief ein und treffe hier erst kohlensauren Kalk an. Im ersteren Falle könnte in 5000 Jahren eine Senkung nicht wohl eintreten; denn denken wir uns die ganze Tiefe von einer Meile von Meter zu Meter getheilt, so würde eine jede, ein Meter tiefe Abtheilung eine Schichte von 0,05 Millimeter Dicke verlieren. Durch eine so geringe Einbusse würde aber der Zasammenhang nicht gelockert werden. Dringt das Wasser dagegen eine Meile tief ein und löst nun erst kohlensauren Kalk, so muss ein leerer Raum längs des Rheines entstehen, dessen Querschnitt sicherlich viel grösser sein wird, als der des Rhein's. Seit 5000 Jahren sind aber nur so wenig feste Bestandtheile von dem Rheinwasser aus der Tiefe fortgeführt worden, dass durch dieselben das Fluss- gebiet um einen Fuss erhöht werden könnte, mithin kann der leere Raum längs des Rheines bei weitem nicht die Höhe eines Fusses haben, alles unter der Vorausetzung, dass das Wasser längs des Rhein's gleichmässig kohlensauren Kalk in der angenommenen Tiefe auswasche. Was für den Rhein gilt, gilt natürlich auch für jeden anderen Pluss, nur dass der eine mehr, der andere weniger feste Bestandtheile der Erde entführt. Wollte man annehmen, dass das gesammte, zwischen den Flüssen gelegene Land in der Tiefe einer Meile ausgewaschen würde, so käme wieder ein allzu niedriger Hohlraum zum Vorschein. Zu Gunsten der Mohr'schen Hypothese nehmen wir daher an zu irgend einer Zeit war in der Tiefe von einer Meile ein Hohlraum von ein Meter Höhe, in welchen die darüber stehende Erdmasse stürzte.

Um die dadurch erzeugte Wirkungsgrösse zu berechnen, denken wir uns zunächst eine senkrechte, 7500 Meter hohe(7500 Meter gleich einer Meile) Säule, deren Quer- schnitt gleich einem Quadratmeter ist. Nehmen wir das specifische Gewicht der silicat- gesteine, denn aus solchen besteht der grösste Theil der Erdoberfläche, zu 2,5, so wiegt ein Cubikmeter 2500 Kilogramm. Pällt diese Säule 1 Meter tief, so ist die Wir- kungsgrösse gleich 18750000 Kilogramm-Meter. Dieser Wirkungsgrösse entsprechen 18750000

424 Wärme erzeugt, dass man 44222 Kilogramm Wasser von 00 auf 1⁰ C. erwärmen kann,

= 44222 Wärmeeinheiten. Durch das Fallen der Säule wird mithin soviel

. ¹1) Von der Kohlensäure, die hier und da aus der Erde strömt, können wir absehen, weil sie nicht überall hervorströmt.