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schmolzenen Massen, so ist die Aufgabe, alle diese Erscheinungen, ohne die Annahme eines eigenen Wärmevorrathes im Erdinnern befriedigend zu erklären, eine recht schwierige. Friedrich Mohr hat sich in seiner Geschichte der Erde dieser Aufgabe unterzogen. ¹) Er sagt, die Ursache der Wärme des Erdinneren ist„die in Wärme umgesetzte Arbeit der Sonne“.„Dieses Gestirn,“ heisst es weiter,„sendet ununterbrochen Wärmestrahlen auf die Erde, welche davon zwar äusserlich erwärmt wird, allein diese Wärme immer wieder durch Ausstrahlung verliert. Dagegen wird durch die Sonne Wasser in Gaszustand ver- flüchtigt und in Gestalt von Wolken über die ganze Erde geführt. Hier fällt es als destillirtes Wasser herab, dringt in die Erde ein und kommt mit Bestandtheilen der Erde beladen wiederum aus derselben hervor. Wenn wir von dem Gehalte der Mineralquellen und Salzsoolen als zu unbedeutend absehen, so sind es nur die Flüsse, welche mit ge- lösten Bestandtheilen des Festlandes dem Meere zueilen. Volger nennt dieselben un- sichtbare Berge, welche unbemerkt an uns vorüberfliessen. Die als Schlamm sichtbaren Berge, welche vom Fluss hinabgeführt werden, sind nur kurze Zeit, während der Schnee- schmelze oder von Gewittern veranlasst, bedeutend. Im Durchschnitt verhalten sich die trübmachenden Stoffe zu den aufgelösten wie 1 zu 9.
Wenn das Rheinwasser bei Basel in 100000 Theilen nach der Analyse nahezu 20 Theile feste, aufgelöste Bestandtheile grösstentheils kohlensauren Kalk enthält, so führt es nach dem Querschnitt des Rheines und seiner Geschwindigkeit jäurlich eine Masse von 44 Millionen Cubikfuss Kalkfels, im Ganzen 59 Millionen Cubikfuss fester Bestandtheile weg und bei Emmerich gehen jährlich 138 Millionen Cubikfuss vorbei. Diese Masse kommt grösstentheils aus dem Inneren der Erde, theils von festen Kalkgesteinen, theils von der Zersetzung kalkhaltiger Silicate Man berechnet, dass die seit 5000 Jahren ausgeführte Steinmasse das ganze Flussgebiet des Rheines von 3500 Ouadratmeilen mit einer fusshohen Schichte Fels bedecken könnte, oder dass auf dem ganzen Gebiete diese Masse in den Gebirgen fehlt. Wo diese Gesteine als Ganzes weggenommen werden, entsteht eine Höhlung und leerer Raum, wo sie aber aus einzelnen Bestandtheilen der Gesteine abstam- men, werden diese ausgezehrt und in ihrem Zusammenbange geschwächt und können dann auf die Dauer dem Drucke der auflagernden Schichten nicht widerstehen, sondern müssen durch Einsacken zusammensinken.“ Bald darauf heisst es weiter: ²)„Es ist also vollkommen undenkbar, dass die durch Auswaschen der Erde nothwendig herbeigeführten Senkungsbe- wegungen ohne Wärmeentwicklung sollten vor sich gehen können, und jede Theorie der Erdwärme ist unvollständig oder falsch, welche dieser Wärmequelle keine Rechnung trägt. Wenn nun auch die Senkungen äusserst langsam vor sich gehen und Jahrhunderte lang oft ganz unbemerkt sind, So ist ihre Wirkung dennoch gross durch die ungeheure Masse der sich senkenden Schichten. Die geringe Leitungsfähigkeit der Erde für Wärme macht, dass sich die Wirkungen addiren, selbst wenn die Zeiten sehr weit auseinander liegen. Dass aber täglich grosse Massen fester Stoffe ans dem Erdinnern durch Quellen und unterirdischen Wasserlauf zu Tage kommen, lehrt die Analyse der Plusswasser und die
¹) Geschichte der Erde, eine Geologie auf neuer Grundlage von Fr. Mohr, Prof. u. Medicinalrath, Bonn 2, 2) S. 298.


