1/ / 4
2 O; 22
Ueber einige geologische Fragen. Von
Collaborator F. Henrich.
Dass die Erde einen ihr eigenthümlichen, von der Sonne nicht herrührenden Wärmevorrath besitze, war eine fypothese, die lange Zeit unangetastet bplieb. Gewisse That- sachen liessen diese Vorstellung auch sehr naturgemäss erscheinen. Die thermometrischen Beobachtungen in Gesteinslöchern vieler Bergwerke, die mit grosser Sorgfalt in verschiedenen Tiefen angestellt wurden, führten zu dem Resultate, dass die Temperatur mit der Tiefe entschieden zunimmt, und dass die Tiefenstufe in welcher man 10 Temperaturzunahme erwarten darf an verschiedenen Orten verschieden ist, im Mittel etwa 100 Fuss beträgt. Diese, in den gemässigten Zonen gewonnenen Thatsachen wurden bestätigt durch die Temperaturbeobachtungen in einem Brunnen zu Jakutsk in Sibirien(620 n. B.). Dort fand man in einer Tiefe von 7 engl. Fussen eine Temperatur von— 170 C. in einer Tiefe von 100 Fuss,— 6,80 C. und in einer Tiefe von 350 Fuss,— 3,30 C.
Die Beobachtungen in artesischen Brunnen ergaben dieselben Resultate. In dem Bohrbrunnen von Neusalzwerk in Westphalen fand man z. B.
in der Tiefe von die Temperatur ¹) 580“ 19,7 C. 1285 27,5„ 1935“ 31,4„ 2144 33,6„
Dass diese Erscheinung der Wärmezunahme eine allgemeine, nicht auf bestimmte Localitäten beschränkte sei, das zeigte auf das Bestimmteste die mittlere Temperatur aller aus grosser Tiefe kommenden Quellen. Diese mittlere Temperatur ist überall grösser als die mittlere Temperatur des Ortes an dem die Quelle zum Vorschein kommt. Gedenkt man noch der vielen heissen Quellen und der aus den Vulkanen hervorbrechenden ge-
¹) Naumann, Geognosie Bd. 1.


