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mich Ihr Brief veranlaßt der in einer ſehr traurigen Gemüthsſtimmung geſchrieben iſt. Zwar pflegen Sie auch ſonſt die Welt eben nicht durch ein Prisma anzuſehen; ſo trübe aber wie am 18. März iſt ſie Ihnen wohl noch niemals vorgekommen. Ich verweiſe Sie auf Ihr Herz, das zwar einen Verluſt, wie denjenigen den es erlitten, eben ſo wenig als manchen andern verſchmerzen wird, das ſich aber deswegen der Freude nicht verſchließen darf, deren es ſich ſo viele geſchaffen hat.
Wenn Carl bei Ihnen keine Ausſichten hat, ſo wird ſich wohl anderswo für ihn Gelegenheit finden. Hätte ich es früher gewußt, ſo hätte ich vielleicht Gelegenheit gehabt bei der neuen Organiſation ihm zu einer Stelle im Forſtweſen zu verhelfen. Jetzt aber ſind die Vorſchläge abgeſchickt, und das Ganze iſt ſeiner Ausführung nahe. Demungeachtet habe ich mit dem proviſoriſchen Oberforſtmeiſter der mein Verwandter iſt, ſeinetwegen geſprochen. Sagen Sie mir liebe Freundin, wie weit er es in dieſem Fach gebracht hat. Wenn er ſich die gehörigen Kenntniſſe in dem Inſtitut wo er war, erworben hat, ſo würde er wohl thun eine Zeitlang zu reiſen, um verſchiedene Waldungen Anlagen und Pflanzungen zu ſehen, und den Umgang mit tüchtigen Forſtmännern zu ſuchen, auch bei einem vorzüglichen Manne ſich einige Zeit aufzuhalten. Denn nur dadurch wird die unmittelbare Einſicht und der praktiſche Blick gewonnen, ohne welche am allerwenigſten der Forſtmann etwas vermag ꝛc.— Noch habe ich Ihnen nicht geſagt liebe Freundin, daß ich meinen Onkel verloren habe. Er ſtarb in ſeinem achtzigſten Jahr. Je länger er lebte, deſto theurer mir ſein Daſein wurde. Wie freute ich mich, wie freute er ſich, wenn ich ihn beſuchte, und einige Zeit bei ihm blieb. Auch dieſe Freude iſt dahin. Ich erhielt die Todesnachricht, als ich eben einige Zeilen von der Rede niedergeſchrieben hatte, die ich bei der Huldigung im Namen der Landesdeputirten gehalten.— Leben Sie wohl theure Freundin, und ſeien Sie heiteren Sinnes.
Aachen, 29. März 1816. Ihr Fiſchenich.
Gegen das Ende des Jahrs 1816 kam Fiſchenich nach Köln, als Mitglied der dort eingeſetzten Im⸗ mediat⸗Juſtizcommiſſion für die Rheinprovinz. Er blieb da bis zur Auflöſung derſelben(1819). Darauf wurde er nach Berlin berufen, als Geheimer Oberjuſtizrath im Juſtizminiſterium für die Rheiniſchen und Geſetzgebungs⸗Angelegenheiten; bald nachher ward er zugleich zum Mitglied des am 15. Juli 1849 inſtallirten Rheiniſchen Reviſions⸗ und Caſſationshofes ernannt. Auf der Reiſe von Köln nach Berlin verweilte er in Weimar, lernte Schiller's Töchter kennen.—
Charlofte an Fiſchenich. Rudolſtadt, den 4. Julius 1819.
Ich muß Ihnen theurer Freund, ſchreiben und Ihnen für Ihre lieben Zeilen von Leipzig aus danken. Für Ihren Beſuch, für die Freude die Sie mir, die Sie meinen Kindern machten, kann ich Ihnen nicht danken, wie ich es möchte; das fühlen Sie. Wie rührend und wohlthuend mir unſer Wiederſehen war! Sie kamen mir in einem Moment wieder wo mein Herz eine ſolche Freude nöthig hatte; denn der Schmerz der Trennung von meinem Ernſt lag mir wie ein trüber Traum in der Seele. Jetzt iſt dies auch vorüber und mir iſt leichter, denn ich ſehe ſeiner nenen Beſtimmung mit Vertrauen und Hoffnung entgegen. Daß Sie nicht dort ſind, Ihren Rath Ihre freundſchaftliche Vorſorge in der ihm neuen Welt nicht mittheilen können, das ſchmerzt mich. Doch ſind Sie uns näher, und können Ihre Freundſchaft auch aus der Ferne walten laſſen für Ernſt. Sie haben eben das Vertrauen gefunden bei meinen Kindern das Sie den Eltern erweckten. Warum konnten Sie nicht länger bleiben! Ihr Aufenthalt war ſo kurz unter uns. Jetzt leugne ich nicht, daß ich ſehr wünſche von Ihnen zu hören wie Sie angekommen ſind. Denken Sie daß ich jetzt zwiſchen Ihrem Vaterlande ſtehe dem ich näher als Sie, daß ich die ältere Freundin bin und daß ich treuen Antheil nehme. Ueber Ihre Geſundheit möchte ich Sie bitten recht ſorgfältig zu wachen; denn die neue Lebensweiſe die andre Gegend und Luft das Gefühl weiter nach Norden zu kommen, kann bei einer zarten Conſtitution Einfluß haben. Ich habe mir ausgedacht, wenn Sie einen Arzt bedürfen, den Hofrath Hufeland Bruder des Staatsraths zu wählen; er wohnt in der.... ſtraße Nr. 15. Dieſe Sorgfalt dieſen Blick und Feinheit des Gefühls verbinden wenige Aerzte in ſich. Es iſt auch mein und meiner Kinder Arzt geweſen als er in


