Aufsatz 
Fischenich und Charlotte von Schiller. Aus ihren Briefen und andern Aufzeichnungen
Entstehung
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Fiſchenich und Charlotte von Schiller.

Aus ihren Hrieſen und andern Außzeichnungen.

Von Dr. 3/59 Hennes.

Den Mittheilungen über Fiſchenich und Charlotte von Schiller laſſen wir zur Einleitung und beſſerm Verſtändniß einige Blätter über ſein Verhältniß zu Schiller ſelbſt vorausgehen. Anfangs 1791 ward Bartholomäus Ludwig Fiſchenich, geboren zu Bonn und damals zweiundzwanzig Jahre alt, zum Profeſſor der Rechte an der wenige Jahre vorher in ſeiner Vaterſtadt geſtifteten Univerſität ernannt, und ſollte nament⸗ lich Vorleſungen über Natur⸗ und Staatsrecht halten. Der Kurfürſt, Max Franz Erzherzog von Oeſterreich, der unabläſſig bemüht war, die neue Stiftung zu fördern, den Studien in ſeinem Erzſtift neue Bahnen zu öffnen, ertheilte ihm Urlaub zu ſeiner weitern ſpeziellen Ausbildung und die Erlaubniß, nach ſeiner Wahl auswärtige Univerſitäten zu beſuchen. Er wählte Jena. Schiller's Ruf war es, der ihn dahin zog. Bald ward er, obwohl neun Jahre jünger, mit ihm auf's innigſte vertraut, war jeden Tag mit ihm in lebhaftem geſellſchaftlichem und wiſſenſchaftlichem Verkehr. Seit dem Ende des Jahres war er auch ſein Tiſchgenoſſe Mittags und Abends.

Für Schiller ward das Jahr 1791 durch wiederholte Krankheitsanfälle getrübt. In den erſten Tagen des Januar erkältete er ſich während eines Beſuchs bei Dalberg in Erfurt, bekam heftiges Fieber, mußte mehrere Tage das Bett hüten. Kaum war er nach Jena zurückgekehrt, ſo ergriff ihn eine heftige Bruſtkrank⸗ heit, die, wie Körner ſich ausdrückt,ſeinen körperlichen Zuſtand für ſeine ganze Lebenszeit zerrüttete. Seine Frau war auf der Rückkehr von Erfurt mit ihrer Schweſter bei Frau von Stein in Weimar zurückgeblieben. Am 12. Januar ſchrieb ſie ihm:Guten Morgen Theurer, Lieber! Es iſt ſchön daß Dich Dein Huſten verläßt. Mir iſt ſo bang, und ich ſehne mich nach Dir. Wie ich das Leben ohne Dich hätte tragen können, wenn uns das Schickſal nicht vereinigt hätte, könnte ich mir nicht denken, denn die kurze Entfernung thut mir ſchon ſo weh ꝛc. Morgen laſſe ich Dir ſagen, ob wir Freitag oder Sonnabend kommen. Samſtags den 15. antwortete er Folgendes:Es wäre mir gar lieb, mein Herz, wenn Du gleich nach Empfang dieſes Briefs einen Wagen nähmeſt und hieher führeſt. Meine Krankheit iſt wieder gekommen; weil ich darauf zählte Dich heute zu ſehen, ſo ſchrieb ich nichts. Aber Dich länger zu vermiſſen wäre mir ſchmerzhaft. Gefahr hat es keine mehr. Starke ließ mir eine tüchtige Aderläſſe thun, und auf das hat das Fieber ſich in etwas gebrochen. Grüße die Stein, lebe recht wohl und laß mich Dich ja heute noch bei mir ſehen. ¹)

¹)Die Züge dieſes Briefes ſind ganz entſtellt, zeigen welche Anſtrengung er den Kranken gekoſtet hat, bemerkt

Urlichs in der SchriftCharlotte von Schiller und ihre Freunde Th. 1. S. 229. In einem ſpätern Briefe von Char⸗ lotte, vom 4. Juni 1805, leſen wir, daß Fiſchenich ihn damalsſo treu pflegte. Dasſelbe wiſſen wir von Novalis.