Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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Heer kämpfende Irländiſche Regimenter entſchieden den Tag. Ihre Kaſerne war nicht weit vom Po⸗Thor. Sier trieben Mercy's Küraſſiere zurück, die Anfangs dies Thor genommen, aber nicht ſchnell genug von Infanterie unterſtützt wurden, beſetzten das Thor, zerſtörten durch Feuer, ſo gut ſich's in der Eile thun ließ, die Po⸗Brücke. Eugen ſandte einen Theil der Infanterie gegen dieſe Irländer. Vergebens. Dann kamen Taff's Küraſſiere unter Obſtlt. Freiberg. Mit wohlgezieltem Gewehrfeuer wurden dieſe empfangen; ſprengten dennoch vor, durchbrachen ihre erſten Reihen. Freiberg ſelbſt, zu weit vorgedrungen, wird eingeſchloſſen. Bewundernd ſeinen Muth, bieten ſie ihm Quartier an. Er will Sieg oder Tod.Iſt heute, ruft er,ein Tag, Quartier anzunehmen? Thut eure Schuldigkeit! Und rechts und links einhauend, ſinkt er, von Bajonetten durchbohrt. Zwei ſeiner Rittmeiſter folgen ihm in den Tod. Die Küraſſiere weichen. Die Iren behäupten das Thor. Vaudemont, durch die ſchlechten Wege aufgehalten, kommt endlich an; mit der Reiterei eilt er voraus zum Po. Zu ſpät; die Brücke iſt verbrannt. Eugen ſendet Befehl, auf Kähnen ſchleunig überzuſetzen. Aber die Infanterie iſt noch nicht da; erſt gegen Abend fahren Grenadiere herüber. Eugen ſieht die Unmöglichkeit, vor dem an Zahl überlegenen Feind die Stadt zu behaupten. Nach elfſtündigem Kampf wird der Rückzug angetreten, langſam, in beſter Ordnung; die Kavallerie voran, dann, von Starhemberg geführt, die Infanterie, Schritt vor Schritt vom großen Platz nach dem Mar⸗ garethenthor. Außer Villeroi wurden über 80 Offiziere und 400 Soldaten als Gefangene mitweggeführt. Von den Kaiſerlichen ſiel außer Baron Freiberg auch der Oberſt Graf Leiningen. Graf Mercy, ſehr ſchwer verwundet, mußte in Cremona zurückbleiben. Dem Gen.⸗Wacht. Graf Dietrichſtein ward durch einen Kanonenſchuß ein Bein weggeriſſen. Eine Miglie von der Stadt machte Eugen Halt und ſammelte ſeine Truppen. Sie vermißten an Todten und Gefangenen 801 M. Auf 1000 M. gaben die Franzoſen ihren Verluſt an; zu gering, wie es ſcheint. Die Blokade von Mantua dauerte fort. Aber ſchon im März wurden die Franzoſen durch 20,000 M. verſtärkt. Und ein neuer Heerführer derſelben erſchien alsbald in Italien, der Herzog von Vendome; ein Gegner, der an Fähigkeit Eugen ebenbürtig, auch mit ihm blutsverwandt war; ihre Mütter waren Schweſtern. Beide waren ganz uneigennützig, beide von ihren Soldaten angebetet, die ihr Leben für ſie hingegeben hätten. Auch die edle körper⸗ liche Haltung hatten beide. Allen Prunk verachtete Eugen eben ſo wie Vendome; aber bei letzterm ging dies bis zu Unordnung und Schmutz; faſt unglaublich klingt es, was hiervon erzählt wird. In ihren Sitten waren ſie einander ganz unähnlich. Außerdem, wie der eine in Studien und Nachdenken ſeine Tage verlebte, brachte der andre ſeine ganze Zeit im Bett und bei Tafel zu. Um 4 Uhr Nachmittags ſtand er auf. Aber was er vernach⸗ läſſigte, machte er auf dem Schlachtfeld wieder gut, wo er umherſchaute mit dem Blick des Adlers. Bald nach ſeiner Ankunft warf Vendome friſche Truppen nach Mantua. Aber Eugen behauptete ſeine Stellung in der Nähe dieſer Feſtung. Monate vergingen, ehe ſie auf dem Schlachtfeld ſich trafen. Unterdeß erreichte die Vernachläſſigung des kaiſ. Heeres Seitens des Hofkriegsraths den höchſten Grad. Rüdiger Starhemberg war geſtorben(1701) und an ſeine Stelle kam Graf Mansfeld⸗Fondi. Erſt jetzt ſahen die Generäle der Armee, was ſie an ihm verloren hatten. Es kam ſo weit, daß Eugen überzeugt war, ſeine Berichte würden dem Kaiſer gar nicht mehr vorgelegt. Unumwunden ſprach er(in einem Schreiben nach Wien vom 29. Mai 1702) ſeine Meinung aus, daß ein andrer Hofkriegsrathspräſidentalle Stund nöthiger werde; dann ſolchergeſtalten könnte ich nicht mehr fortkommen, ſon⸗ dern würde gezwungen ſein, mit End des Feldzugs meine Dienſt niederzulegen, indem mir nicht länger möglich wäre, ſo großen Sorgen und Kummer zu unterliegen, bei welchen ich Tag und Nacht mich erxponirt ſehen müßte, dem Kaiſer nebſt der Reputation ſeiner Waffen Kron und Scepter, Armee, Land und Leut zu verlieren. Ich melde nichts von meiner eignen Ehr; dann auch dieſe ſammt meinen letzten Blutstropfen gar gerne mit größten Freuden aufopfern will, wann nur dem kaiſerlichen Dienſt das geringſte fruchten könnte. Allein auf dieſe Weiſ, und wann nicht einer kommt, der bei Hof das Militare eifrig traktirt, iſt unfehlbar, daß der ganze Status über Haufen fallen müſſe; allermaßen dann allhier ohnedem ſchon dasjenige leider erfolgt iſt, was ich vor ſo vielen Monaten bis auf dieſe Stund durch ganze Rieß Papier vorhinein geſchrieben, geſchrien und proteſtirt habe. Dann fährt er fort, der Feind habealle Plätz, Magazins und all andre Vortheil im Rucken; Vendomes Armee zähle an Franzoſen allein 60,000 und mit den Alliirten beinah 80,000 M.;ich hingegen, wann Alles zuſammen rechne, habe kaum 40,000 M. Schon früher hatte er gefragt, ob er längermit einer Armee, welche Sommer⸗ und Winter⸗Campagna gemacht, großes Elend und Strapazen ausgeſtanden, keine Ruhe noch Quartier genoſſen, ab⸗ gemattet, übel bezahlt, darum malkontent, weiters auch nicht rekrutirt, weniger augmentirt worden, der immerfort 3*