Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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Der Feind verlor 2000, nach Andern 3000 M., darunter über 200 Offiziere. Erſt am Morgen nach der Schlacht kam der auf einen Streifzug ausgeſandte Gen. Marquis Vaubonne mit ſeiner Kavallerie und den Tag darauf auch die Infanterieregimenter Geſchwind und Lothringen im kaiſ. Lager an. Aber doch war Eugen nicht ſtark genug, gegen den Feind vorzurücken. Am 6. Sept. trat dieſer den Rückmarſch gegen den Oglio an, kam ganz nahe beim kaiſ. rechten Flügel vorbei, bezog ein ſtark verſchanztes Lager bei Orago. Eugen veränderte ſeine Stel⸗ lung; der linke Flügel blieb an Chiari gelehnt, der rechte war gegen Palazzuolo gerichtet. Die beiden Lager waren ſich ſo nahe, daß die äußerſten Vedetten kaum 300 Schritte von einander ſtanden. In der Nacht vom 12. zum 13. Nov. zog ſich der Feind auf 2 Brücken über den Oglio zurück, ſo eilig, daß er die eine derſelben ſtehen ließ. Eugen ließ eine Abtheilung Grenadiere und einige 100 Reiter nachrücken und über den Fluß hinüber, an deſſen rechtem Ufer ſie abwärts marſchirten, ein lebhaftes Geſchütz⸗ und Kleingewehrfeuer unterhalten. Catinat, der die Nachhut führte, erhielt einen Schuß in den rechten Arm. Beide Heere bezogen nun die Winterquartiere. Catinat ging nach Verſailles, ſich über ſeinen Rückzug zu rechtfertigen. Villeroi behielt ds Kommando. Beinah 6 Monate hatte Eugen dem noch einmal ſo ſtarken Feinde die Stirn geboten, immer das Uebergewicht behauptet, tapfer und beſonnen 2 Siege erfochten. Von Wien aus wenig unterſtützt, ohne Magazine, ohne Geld, ohne Rekruten, hatte er beſonders in der letzten Zeit des Feldzugs vor Allem darauf zu denken gehabt, ſein Heer zu erhalten, Feld⸗ ſchlachten eher zu vermeiden als zu ſuchen. Am 19. Nov. verließ er ſein Lager bei Chiari, zog unverweilt nach dem Herzogthum Mantua, bemächtigte ſich hier aller feſten Punkte mit Ausnahme von Mantua und Goito. Der Herzog von Modena, die Fürſtin von Mirandola ſtellten ſich unter des Kaiſers Schutz. Einer kurzen Ruhe genoß die Armee. Aber in ſeinem Hauptquartier zu Luzzara ſann Eugen auf neue Unternehmungen. Mantua und Cremona, faſt inmitten ſeiner Winterquartiere gelegen, hatte er fortwährend im Auge. In den Händen des Feides waren ihm dieſe Feſtungen ein ſtetes Hinderniß. Aber eben deshalb legten die Franzoſen großen Werth darauf, ſie zu behaupten. Beide hatten eine Beſatzung von etwa 8000 M. Mantua ließ er durch ein Corps von 12,000 M. enge einſchließen. In Cremona, wo Villeroi ſelbſt ſich befand, hatte Commercy ſchon ſeit 3 Mo⸗ naten geheime Einverſtändniſſe. Durch einen dem alten Regentenhauſe treu ergebenen Geiſtlichen, den Pfarrer Coſoli von Santa Maria la Nova, wußte er, daß aus des Pfarrhauſes Keller ein von den Franzoſen unbeachtet gebliebener Abzugskanal die Fundamente der Feſtungsmauer durchſchneide, an einer mit Schilf bewachſenen und darum Caneto genannten Stelle des Stadtgrabens ausmünde. Eugen beſchloß, auf dieſem Weg kaiſ. Truppen in die Feſtung zu bringen. Auf einem Plan der Stadt, den er ſich verſchafft, waren alle Wachen, Thore, Caſernen, die Wohnungen der Generäle bezeichnet. In der Nacht vor dem 1. Febr. ward das Unternehmen ausgeführt. Marſchall Villeroi ward durch Schüſſe aufgeweckt, eilte hinaus, der Hauptwache zu, ward von Soldaten umringt und vom Pferde geriſſen. Die Kaiſerlichen waren in der Stadt. Einige 100 M,, auf Leitern in den Feſtungs⸗ graben gelangt, dann vom Caneto aus durch den langen, kaum 2 Schuh breiten Kanal eingedrungen, hatten ſich in der Stille dem Margarethenthor genähert, die Wachen überfallen und niedergehauen. Durch Zimmerleute und Schloſſer, die ſie mitgebracht, ward das Thor geöffnet, die anrückenden Truppen eingelaſſen. 3000 M. unter Vaudemont waren jenſeits des Po, um ſich auf Umwegen der Stadt zu nähern und zur bezeichneten Stunde über die Brücke gegen das Po⸗Thor zu ziehen. 6000 M. unter Commercy und Starhemberg waren gegen 4 Uhr am Margarethenthor. Ganz in der Stille, pünktlich, genau den Befehlen gemäß ward Alles ausgeführt. In die Stadt eingelaſſen, ſprengte die Kavallerie mit verhängtem Zügel nach den ihnen angewieſenen Punkten; Obſtlt. Mercy mit 225 M. nach dem Po⸗Thor, Obſtlt. Freiberg mit 325 nach der Piazza St. Agatha, Obſtw. Dühaux mit 325 M. nach der Piazza grande und der Piazza piccola ꝛc. Die Infanterie verſtärkte dieſe Poſten, bemächtigte ſich des Rathhauſes, der Hauptkirche ꝛc. Außer Villeroi wurde auch GL. Crenan, der ſchwer verletzt vom Pferde ſank, und andre höhere Offiziere gefangen genommen, der Spaniſche Gouverneur der Feſtung, Don Diego de Conchia, tödlich verwundet. Hätte man ſich des Po⸗Thores bemächtigen, es öffnen, Vaudemont hereinlaſſen können, ſo war Alles gelungen, die Stadt genommen, die Garniſon kriegsgefangen. Aber von allen Seiten eilt der Feind herbei, ſammelt ſich an 4 Punkten, ordnet ſich zum Kampf. Den erſten Widerſtand leiſtete Oberſt d'Entragues, der zufällig ſchon vor Tagesanbruch ſein Regiment zum Exerciren hatte aufſtellen laſſen. Haupt⸗ ſächlich beim Schloßthor ſammelten ſich die Franzoſen, verbarrikadirten ſich auch in den meiſten großen Häuſern und Klöſtern. Von Straße zu Straße, von Platz zu Platz kämpften ſie, verſchanzten ſie ſich. Zwei im Franzöſiſchen