Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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neu andringenden franzöſiſchen Macht reſiſtiren könne. Er ſandte FMv. Palffy nach Wien, um dem Kaiſer ſelbſt die Lage der Dinge vorzuſtellen. Aber Verſprechungen war Alles, was erreicht wurde. Palffy ſchrieb u. A.: J. M. die Kaiſerin und der König haben mich befragt, ob es denn wahr ſei, daß Ew. Durchl. ſo grau werden und ſo übel ausſähen. Worauf ich geantwortet, wie es anders ſein könne, indem man Ihnen weder mit Antwort auf dero Schreiben noch mit Geld und andern Nothwendigkeiten zuhalte. In der That hatten die Sorgen des Feldzugs ihm das dunkle Haar gebleicht; und ſein Haupt erſchien ſeitdem mit der großen Perücke bekleidet, womit wir ihn gewöhnlich abgebildet ſehen. Raſtlos, Tag und Nacht, ſann er auf Unternehmungen. Nur durch eine Un⸗ vorſichtigkeit mißlang der Verſuch, Vendome in einem am See von Mantua gelegenen Landhauſe aufzuheben; ein Soldat erſchoß eine Schildwache und der Feind ward allarmirt. Aber einzelne Abtheilungen der kaiſ. Armee erlitten Unfälle. Zu Santa Vittoria wurden 3 Kavallerieregimenter überfallen und geſchlagen. Die Blokade von Mantua mußte aufgegeben werden. Eugen ſah, daß ſeine jetzige Stellung nicht länger zu halten, daß er dem Feind trotz ſeiner Ueberlegenheit in offener Feldſchlacht begegnen müſſe. Die Armee ging über den Po. Am 15. Aug. kam es bei Luzzara zur Schlacht. Erſt Nachmittags trafen die Kaiſerlichen hier ein. Der Feind ſtand ihren 34 Bataillonen und 75 Schwadronen mit 53 Bataillonen und 101 Schwadronen gegenüber. An den Po, dicht unterhalb Luzzara, lehnte ſich der Franzöſiſche linke Flügel. Auf einem Damm, der durch die Schlachtlinien ſich hinzog, hatte man von beiden Seiten Batterien aufgeführt. Es ſchlug in Luzzara 17(5 Uhr Nachmittags), als 2 Kanonenſchüſſe das Signal zur Schlacht gaben. Sofort folgte Geſchützfeuer aus 56 Stücken, das der Feind eben ſo lebhaft erwiederte. Eine Stunde lang dauerte dies donnernde Vorſpiel. Die Franzoſen, trotz ihrer Ueberlegenheit, kamen nicht aus ihren Verſchanzungen hervor. Eugen ſah, daß er den Kampf eröffnen müſſe. Der rechte Flügel, von Commercy geführt, griff an. Der Feind ließ ihn auf halbe Flintenſchußweite heran⸗ kommen. Commercy fiel, von 2 Kugeln getroffen. Eugen fliegt herbei. Nur einen Augenblick ſteht er in ſtummer Trauer bei des theuern Freundes Leiche. Beſtürzung verbreitet der Fall des unſäglich geliebten Führers unter den Truppen. Zweimal zurückgeſchlagen, führt er ſie zum dritten Mal zum Angriff. Da entſchied ſich der Sieg auf dieſem Flügel. Die Irländer und die bei ihnen ſtehenden franzöſiſchen Regimenter weichen. Hin und her ſchwankt unterdeß auch auf dem linken Flügel die Schlacht. Hier ſtand Starhemberg Vendome ſelbſt gegenüber. Ungeſtüm war ſein Angriff. Aber durch das von Gräben durchſchnittene Terrain war der Feind im Vortheil. Mit dem Säbel, wie es in Eugen's Schlachtbericht heißt, war ihm nicht beizukommen, ſo lange man ihn nicht durch Ge⸗ wehrfeuer aus ſeiner Stellung getrieben. Vendome wußte das dem Gegner ungünſtige Terrain zu benutzen; und auf der Soldaten Anhänglichkeit vertrauend, warf er ſich in jede Gefahr, ſie zu heldenmüthiger Tapferkeit zu entflammen. Die Kaiſerlichen werden zurückgedrängt, ihre Linie durchbrochen, FML. Fürſt Lichtenſtein, aus 5 Wunden blutend, der Gen. d. Kav. Graf Trautmansdorf, am rechten Fuß ſchwer verletzt, aus dem Kampfgedräng getragen. Da ſtürmt Vaudemont mit den Reſerve⸗Schwadronen hervor. Hartnäckig, blutig iſt der Kampf. Aber der Feind weicht zurück, den Kaiſerlichen das Schlachtfeld nebſt ſeinen Todten und Verwundeten überlaſſend. Die Nacht trennte die Kämpfenden. Am andern Tage, ſtatt die Schlacht zu erneuern, begannen beide Heere, ihr Lager zu befeſtigen, ſtarke Verſchanzungen anzulegen. So ſtanden ſie beinah 3 Monate einander gegenüber, von Zeit zu Zeit ſich mit Geſchützfeuer begrüßend und den Angriff erwartend. Aber nur der kleine Krieg ward lebhaft fort⸗ geſetzt, mancher kühne Streifzug unternommen. In der Nacht vor dem 5. Nov., bei dichtem Nebel, verließ Vendome ſein Lager bei Luzzara. Zwei Tage ſpäter ließ auch Eugen ſeine Truppen aufbrechen und die Winterquartiere beziehen.

§. 6. Sieg bei Höchſtädt. 1704. Im Dec. 1702 ging Eugen nach Wien, ward im Frühjahr 1703 Hofkriegsrathspräſident. Starhemberg erhielt das Kommando in Italien. Im Herbſt 1703 trat der Herzog von Savoyen von dem Bunde mit Frankreich und Spanien zurück, und Ludwig XIV. erklärte ihm den Krieg. Kurf. Mar Emanuel von Baiern, nebſt ſeinem Bruder Kurf. Joſeph Clemens von Köln im Geheimen ſchon lange mit Frankreich verbündet, hatte im Sept. 1702 Ulm überfallen, aber erſt im J. 1703 vollends die Maske abgenommen und ſich mit Marſchall Villars Truppen vereinigt. FM. Graf Styrum ſtand im Begriff, ſich mit dem Prinzen von Baden zu vereinigen, der Augsburg beſetzt und zwiſchen Lech und Wertach eine Stellung genommen hatte. Man muß ihnen zuvorkommen, ſagte der Marſchall,und keinen Augenblick zögern, Styrum anzugreifen. Der Kurfürſt konnte ſich nicht entſchließen; war erzürnt, als Villars auf dem Angriff beſtand und ihm erklärte, er werde denn allein mit ſeinen Truppen kämpfen. Wider Willen, unmuthig ließ er auch die Baiern ſich in