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ſächlich aber um des Feindes Kundſchafter über den Weg zu täuſchen, den er einzuſchlagen beabſichtigte. Die vielen Rekognoſcirungen hatten die Franzoſen allarmirt; immer ausgedehnter wurden ihre Verſchanzungen. Aber den Plan, den Eugen gefaßt, ahnten ſie nicht. Am 26. Mai brachen ſeine Truppen auf. Links von der Etſch zogen ſie in's Gebirge. Verona war ihr Ziel. Am Abend vorher war die Marſchdispoſition ausgegeben worden. Ohne Raſt, 5 Tage und 5 Nächte hindurch, arbeiteten Tauſende daran, die engen Stellen, auf denen man vorrücken wollte, zu erweitern. Die Kanonen ſollten im Gebirg mit Stricken hinaufgezogen, die Wagen zerlegt und getragen werden. Da der Weg für den Haupttheil des Liniengeſchützes und das ſchwere Gepäck erſt in einigen Tagen fertig werden konnte, blieb dieſer Train in Roveredo zurück. Den Zug eröffnete FMéL. Graf Palffi mit drei Reiterregimentern (Corbelli⸗Küraſſiere, Sereni⸗ und Dietrichſtein⸗Dragoner),— über Valduga am Fluß Leogra gegen Schio, dann über San Vito, Malo, Montebello nach Cologna; um von da in die Gegend von Legnago ſich hinzuziehen, der Schiffe auf der Etſch ſich zu bemächtigen, und da, wo eine Brücke am leichteſten zu ſchlagen, eine Stellung zu nehmen. Auf eben dieſem weitern Wege durch das Val Duga ſollte auch die übrige Kavallerie nachfolgen. Die 4 Jnfanterieregimenter Alt⸗ und Guido Starhemberg, Herberſtein und Bagni mit den zu ihrer Begleitung kom⸗ mandirten 400 Dragonern(die zu Fuß zu gehen, im Gebirg ihre Pferde an der Hand zu führen angewieſen waren,) und einigen Kanonen gingen über Ala und durch das Val Fredda; die Regimenter Guttenſtein, Daun und 1 Bataillon Nigrelli über Peri gleich in's Gebirge. General Guttenſtein blieb mit 4 Bataillonen und 100 Dragonern im Etſchthal zurück, mußte ſich bei Ala und Avio aufſtellen, um den Eingang nach Tyrol zu hüten und den Feind zu verhindern, von dem Marſch des kaiſerlichen Heeres Kunde zu erhalten. Nöthigenfalls ſollten die aus Tyrol nachziehenden Truppen zu ihm ſtoßen. Den Soldaten war eingeſchärft, die ſtrengſte Mannszucht zu halten. Am 27. Mai ſetzten die beiden Infanteriekolonnen ihren Marſch von Ala und Peri in das Gebirge fort. Einige Kanonen waren ſchon auf das Gebirge hinaufgeſchafft worden. Am Abend begab ſich Eugen mit ſeinem Haupt⸗ quartier nach Ala. Der Gen. d. Kav. Prinz Vaudemont blieb zurück, um die Führung der noch im Anmarſch befindlichen Reiterregimenter zu übernehmen, denen der Befehl zugeſchickt wurde, ihren Marſch zu beſchleunigen. Am 28. Mai trafen die Infanteriekolonnen im Veroneſiſchen, im Val Poliſella zuſammen, und bezogen das erſte Lager auf Italieniſchem Boden, im Gebiet der Republik Venedig, auf der Höhe bei Breonio. Die Artillerie mußte auf der Hälfte des Weges Halt machen, und auch hier trafen die Kanonen erſt in der Hälfte der Nacht ein. Freudig hatten die Soldaten die außerordentlichen Beſchwerden dieſes Marſches ertragen. Die erſten Haufen des Zugs winkten frohlockend den nachfolgenden, wenn ſie zwiſchen Klippen hervor oder von hohen Felſen herab dem Auge ſichtbar wurden; und mit neuen Anſtrengungen kletterten dieſe weiter, die Vorderſten zu erreichen. Des Feld⸗ herrn froher Muth hatte ſich allen Truppen mitgetheilt. Auch geſchah auf dieſem gefahrvollen Zug nicht das geringſte Unglück. Aber groß war das Erſtaunen der Bewohner dieſer Gegenden, die nie auch nur den kleinſten Karren über ihre Gebirge hatten kommen ſehen, über die jetzt ſogar Kanonen geſchafft wurden. Bei Breonio raſteten die Truppen bis zum 4. Juni, und erwarteten das Geſchütz. Bald traf auch ein Theil der Kavallerie hier im Lager ein. Von dem Gebirge, das zwiſchen der Etſch und Breonio liegt, rekognoſcirte Eugen das Thal, die gegenüber⸗ liegenden Ufer des Fluſſes. Am 4. Juni ward nach Stallavena im Val Pantena marſchirt und am folgenden Tage bei Sant Antonio, 5 Miglien von Verona, das Lager aufgeſchlagen;— noch ehe der Feind die ſichere Kunde vom Aufbruch des Heeres, von der Richtung ſeines Marſches erhalten. Zu Sant Antonio trafen auch nach und nach die Kavallerieregimenter ein. Catinat eilte nun, alle wichtigen Punkte an der Etſch zu beſetzen, dem Gegner den Uebergang zu wehren. In den am Fluß gelegenen Feſtungen, Verona und Legnago, hatten die Venetianer ſtarke Beſatzungen; verſchloſſen ſie beiden Heeren. Ueber ihre Brücken konnte Eugen nicht ziehen. Catinat vertheilte ſeine Truppen von Rivoli bis Carpi. Aber in einiger Entfernung unterhalb Carpi, bei Caſtelbaldo, ging Eugen am 15. Juni über die Brücke, die FMéL. Palffy hatte ſchlagen laſſen, und nahm ungehindert Beſitz von der durch den Fluß und die Kanäle Bianco und Malopera gebildeten Inſel Villabona. Auch über die beiden Kanäle wurden Brücken geſchlagen. Die Mehrzahl der Truppen ſtand noch immer im Lager zu Sant Antonio. Eugen ſelbſt begab ſich mit dem Hauptquartier nach Arcole am Alpon. Von da aus, wie von einer Warte, überſchaute er des Feindes Märſche und Stellungen, erdachte er ſeine eigenen ſtrategiſchen Bewegungen;— in demſelben Arcole, deſſen An⸗ denken noch an einen andern großen Namen ſich knüpft. Starhemberg blieb in Caſtelbaldo. Am 29. Juni gingen 6 Kavallerie⸗ und 3 Infanterie⸗Regimenter über den Kanal Bianco und bezogen ein Lager im Gebiet von Ferrara,


