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durch ein allergnädigſtes Handbrieffel Dero über ſeine erwieſene vernünftige Conduite, erzeigten Valor und unermüdete Applikation tragendes gnädigſtes Wohlgefallen zu erkennen geben, um ihn hierdurch zu fernerm Eifer und erſprießliche Dienſtleiſtung deſto mehrers anzufriſchen.“ Ueber dieſen Vortrag hielt der Kaiſer am 23. Sept. zu Ebersdorf Conferenz, deren Reſultat war, daß noch am ſelben Tage an Eugen nicht nur ſondern an jeden General und Truppenkommandanten Dankſagungsſchreiben mit kaiſ. Unterſchrift erlaſſen wurden. Am 25. Sept. reiſte Prinz Vaudemont damit zur Armee zurück. In dem Schreiben an Eugen drückte der Kaiſer ſeinen Dank alſo aus:„Gleichwie nun vor allem Gott dem Allmächtigen und ſeinem hiezu gnädiglich verliehenen Segen und göttlichen Beiſtand zu danken iſt, alſo haben wir auch mit ſonderbarer Satisfaktion Ew. Liebden hierinfalls erwieſene Valor und vernünftige Dispoſitionen Vetter⸗ und gnädiglich vernommen;— welche gleichwie ſie Ew. Liebden vor der ganzen Welt zu einem unſterblichen Ruhm gereichen, alſo verſichern wir dieſelben, daß wir dieſen uns erwieſenen, ſo vornehmen Dienſt mit Kaiſerlichen Gnaden gegen Ew. Liebden hinwiederum Vetter⸗ und gnädiglich zu erkennen und zu belohnen nicht ermangeln werden ꝛc.“ Gebrochen für immer, für alle Jahrhunderte war durch den Sieg bei Zenta des Halbmonds Kraft! Alles was ſeitdem die Türken unternahmen, war nur das letzte Aufſprühen des verlöſchenden Lichtglanzes ihres alten kriegeriſchen Geiſtes, gleichſam die letzten gewalt⸗ ſamen Zuckungen eines dem Tode Geweihten! Im Oktober zog Eugen mit einem Theil ſeiner Truppen nach Bosnien, begleitet von Guido Starhemberg, Commercy, Thomas Vaudemont und Gronsfeld. Die feſten Schlöſſer Doboy, Maglai, Schebze und Vranduk wurden erobert und zerſtört; die reiche, mit 120 Moſcheen prangende Handelsſtadt Bosna⸗Seraj geplündert und in Aſche gelegt. Nach Eſſeck zurückgekehrt, erhielt er die Nachricht, daß Rabutin Uj⸗Palanka mit Sturm genommen, die Beſatzung über die Klinge ſpringen laſſen. Er eilte nun nach Wien. Gnädig und huldvoll empfing ihn der Kaiſer, mit Jubelruf die unabſehbaren Reihen des Volkes, das ihn als ſeinen Retter, als den zweiten Retter von Wien begrüßte. An Neidern fehlte es freilich nicht; aber ohnmächtig waren ſie. Der Kaiſer ertheilte ihm ausgedehnte und unbeſchränkte Befugniß, über die Armee ganz nach ſeinem Ermeſſen zu verfügen: eine Vollmacht, wie ſie ſeit Wallenſtein kein kaiſ. ſ. Feldherr gehabt! Zu Ryßwik war unterdeß, im Okt. 1697, mit den Franzoſen Friede geſchloſſen worden. Ueber ein Jahr dauerte es noch, ehe der Friede mit den Türken zu Stande kam. Nach dem Traktat von Karlowitz(26. Jan. 1699) behielt Oeſterreich nicht blos Ungarn und Kroatien, ſondern es ward feſtgeſetzt, daß während des 25jährigen Waffen⸗ ſtillſtands der Kaiſer Siebenbürgen, Slavonien und die zwiſchen der Donau und der untern Theiß gelegene Batſcher Landſchaft, die Pforte aber Temesvar behalten ſollte. §. 5. Feldzüge in Italien 1701 und 1702. Alpenübergang. Carpi. Chiari. Cremona. Luzzara. Noch war Friede. Aber ſchon war der Horizont umdüſtert; fernes Gewittergrollen ließ ſich vernehmen. Am 1. Mai 1700 ſtarb König Karl II. von Spanien. Der Kampf um das Erbe deſſelben, der Spaniſche Succeſſionskrieg begann. Eungen, durch deſſen Sieg der Schrecken vor den Türken geſchwunden, ſollte nun auch eine andre Macht erſchüttern, die Glorie der Unbeſiegbarkeit vernichten, die faſt ein Jahrhundert ſie umſchwebt. Die Franzoſen, verbündet mit Savoyen und den Spaniern, ſtanden unter Catinat im Herzogthum Mailand, das bisher zur Spaniſchen Mo⸗ narchie gehört hatte. Kaiſer Leopold, diesmal entſchiedener, unternehmender als alle ſeine Räthe, ſandte gegen 30,000 M. ſeiner beſten Truppen nach Italien, um ſie dort anzugreifen; da ihm vorzüglich daran gelegen war, das Her⸗ zogthum in ſeine Gewalt zu bringen. Eugen ſtand an ihrer Spitze. Unter ihm befehligte Guido Starhemberg die Infanterie, die Prinzen Commercy und Vaudemont die Kavallerie. Letzterer ſtand jetzt ſeinem geliebten Vater gegenüber, der beim Feind war, die Spanier kommandirte. Am 20. Mai 1701 kam Eugen nach Roveredo, wo die Truppen ſich geſammelt hatten; 8 Regimenter Infanterie(19,200 M.), 6 Küraſſier⸗ und 4 Dragonerregimenter (10,000 M.). Die Franzoſen hielten das Etſchthal verſchloſſen; 18,000 M. waren meiſt in der Linie vom Garda⸗ ſee bis an die Chiuſa, den Hauptpaß der Etſch, aufgeſtellt. Am 23. Mai rekognoſcirte Eugen von einer Alpenhöhe das Thal bis nahe an die Chiuſa, ſah des Feindes wohlverſchanztes Lager, ſeine unangreifbare Stellung auf dem Montebaldo und bei Rivoli, die drohenden Kanonenſchlünde, die den Weg längs der Etſch beſtrichen, auf dem er vorrücken ſollte. Hier durchzukommen, war unmöglich. Aber unerſchrocken blieb das muthige Herz. Mit ſo klarem, klugem Blick in die Welt hineinſchauend, mußte er auch bei dieſer Schwierigkeit einen Ausweg finden! Auf beiden Seiten der Etſch ließ er unausgeſetzt rekognoſciren, an allen nach Vicenza, nach Verona, nach Brescia und nach Bergamo führenden Wegen arbeiten, um nöthigenfalls in verſchiedenen Richtungen vorrücken zu können, haupt⸗


