Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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iſt daher um ſo viel glaublicher, daß dieſe Niederlag von viel Tauſend ſein müſſe, da nicht über 2000 hinüber gekommen ſind. Die Schlacht endete mit dem Tage; oder, um uns der hier bis zu dichteriſchem Ausdruck ſich erhebenden Worte des ſiegreichen Feldherrn ſelbſt noch weiter zu bedienen,dieſe viktorioſe Aktion hat ſich geendet mit Scheidung Tag und Nachts, und hat ſogar die Sonne ſelbſten von dem Tag nicht ehender weichen wollen, bis ſie mit ihrem glanzenden Auge den völligen Triumph Ew. K. M. glorwürdigſten Waffen hat vollſtändiglich mit anſchauen können. In den nun folgenden Worten ſehen wir hier, wie bei jeder Gelegenheit, Eugen immer nur den Andern allen Ruhm zuwenden, für ſich ſelbſt kaum ein Verdienſt übrig laſſend. Aber wie muß ſein Herz gejubelt haben, jetzt und beim Beginn des Angriffs des linken Flügels, als Starhemberg, vorbeiſprengend, ein paar Worte ihm zurief in Siegesfreudigkeit!Allergnädigſter Herr, ſo fährk der Schlachtbericht fort,der tapfere Heldengeiſt Dero geſammten Generale, Offiziere und gemeinen Soldaten kann meine ſchwache Feder nicht genugſam entwerfen, noch weniger ſattſam loben und preiſen; und geruhen Ew. K. M. dies mein ſchuldigſtes Zeugniß nicht für das gewöhnliche Compliment allergnädigſt aufzunehmen, welches man pflegt bei allen glücklichen Aktionen den Armeen zuzueignen, ſondern ich muß es mit wahrer Gerechtigkeit bekennen, und dies zum unſterb⸗ lichen Nachruhm Dero unvergleichlicher Armada, als ihr geringes Haupt, bezeugen. Sie verdient deshalb billig, daß Ew. K. M. Dero allergnädigſte Reflexion gegen ſie trage, und ihr ſowohl mit der ſchon ſo vorlängſt verſprochenen Geldrimeſſa beiſpringe, als auch die Generale und Offiziere Dero fernere kaiſerliche Hulden und Gnaden aller⸗ gnädigſt genießen laſſe, ſodann ſelbige mit der weitern Beförderung deſto willfähriger anjetzo conſoliren wolle, als nunmehro die Conjunktur geweſen iſt, mittels welcher ſie ſich noch mehrers verdient und mithin auch dieſer kaiſerlichen Gnade um ſo viel würdiger gemacht haben. Es ſind zwar etliche, die Gelegenheit gehabt, vor den Andern ſich zu diſtinguiren; nicht ein einziger aber iſt insgeſammt, welcher, ſo viel ich weiß, nicht mehr als ſeine Schuldigkeit gethan habe; wobei denn auch der alliirten ſowohl Königl. Pol⸗ und Kurſächſiſchen als Kur⸗ brandenburgiſchen Truppen ſämmtliche Generale, Offiziere und Gemeine ſich ebenfalls ſehr tapfer gehalten und beſonders ſignalirt haben. Gegen Mitternacht ließ Eugen die Truppen aus den Verſchanzungen ſich zurückziehen und längs der Theiß ſich lagern, ſo gut es ging;noch dieſe Nacht den Soldat bei ſeinen Standarten und Fahnen zu verſammeln, war gänzlich unmöglich. Die Brücke ward beſetzt und am andern Ufer einige Bataillone auf⸗ geſtellt. Am andern Morgen dem ſelben Tage wo vor zweimal 7 Jahren Eugen in der Schlacht vor Wien als Freiwilliger gegen die Türken mitgefochten zog das Heer über die Theiß. Erſt jetzt ließ ſich der ganze Verluſt des Feindes beurtheilen. Mehr als 20,000 Türken lagen leblos am Boden; über 10,000 waren in den Fluten der Theiß ertrunken. Die Uebrigen waren dem Sultan gegen Temesvar gefolgt. Er war der erſte geweſen, der mit einem Corps von 2000 M. die Flucht ergriffen. Unter den Todten war der Großvezier und 4 andere Veziere, 13 Beglerbege, 24 Generäle, über 30 Oberſten(Aga's). Bei den Trophäen zählte man 7 Roßſchweife, 86 Fahnen,(die dem Kaiſer geſandt wurden,) 400 kleinere Standarten, 87 Geſchütze, 25,400 Kugeln, 553 Bomben, 505 Pulverfäſſer, 48 Paar Pauken, 500 Trommeln, 62 Brückenſchiffe. Außerdem fand ſich im Lager die Kriegskaſſe mit mehr als 3 Millionen Gulden, alles Gepäck, 9000 Wagen, 60,000 Kameele, 15,000 Ochſen, 7000 Pferde; endlich des Sultans mit 18 Pferden beſpannter Wagen, 10 Frauen desſelben, und, was vor Allem wichtig, das große Reichsſiegel. Großveziere bemerkt der Geſchichtſchreiber der Osmanen waren auch in andern Schlachten gefallen, noch vor 6 Jahren Köprili Muſtapha bei Szlankamen; aber noch nie, nicht vorher nicht nachher, iſt des Sultans Siegel, das der Großvezier am Halſe trägt, erbeutet worden. Gering war der Verluſt der kaiſ. Armee. Sie verlor an Todten und Bleſſirten 1448 M. von der Infanterie und Kavallerie, 48 M. von der Artillerie. Unter den Verwundeten waren die Feldzeugmeiſter Grafen Heiſter und Reuß und die Generalwachtmeiſter v. Pfeffershoven und v. Vitry. Eugen behielt ſich vor, das Türkiſche Reichs⸗ ſiegel dem Kaiſer ſelbſt zu überreichen; die Fahnen und Roßſchweife ſandte er durch den Dragoneroberſt Graf Dietrichſtein nach Wien; mit der Nachricht des Siegs war Prinz Vaudemont letzterm vorausgeeilt. Graf Ra⸗ butin ſchrieb nach der Schlacht an den oberſten Kanzler Graf Kinsky, kurz angebunden wie er pflegte:Hätten wir nicht geſiegt, ſo würdet ihr den Winter nicht in Wien zubringen. Aber den ganzen Werth des Siegs wußte man auch in Wien wohl zu ſchätzen. Nachdem Eugen's Schlachtbericht eingetroffen, ward am 21. Sept. vom Hofkriegsrath darüber Vortrag an den Kaiſer erſtattet. Es heißt darin u. A.:Der gehorſamſte Hofkriegs⸗ rath kann in Unterthänigkeit nicht anders rathen, als daß Ew. K. M. unmaßgeblich ermeltem Prinzen zu Savoyen