12
Gefangenen einbrachten. Dieſer, während des Marſches ſcharf ausgefragt und mit dem Tode bedroht, wenn er die Wahrheit nicht geſtehe, ſagte aus:„der Sultan habe den von Tökely angerathenen Marſch nach Szegedin aufgegeben und den Entſchluß gefaßt, bei Zenta eine Brücke über die Theiß ſchlagen zu laſſen, um nach Ober⸗ ungarn und Siebenbürgen zu marſchiren; er ſelbſt mit einem Theil der Kavallerie ſei ſchon geſtern über den Fluß gegangen; in der Nacht habe auch die ſchwere Artillerie und die Armeebagage zu defiliren angefangen; der größere Theil der Armee mit mehr als 100 Stück Geſchütz ſtände noch diesſeits, habe ſich gut verſchanzt, auch bei der Brücke noch eine kleinere Verſchanzung anzulegen angefangen.“ Ununterbrochen ward weiter marſchirt. Es kam noch die Meldung, daß der Uebergang des Feindes über die Brücke unabläſſig fortdauere und den Huſaren keine Kavallerie aus den Verſchanzungen entgegen komme. Einige Stunden ſpäter hörte Eugen von Gefangenen, daß der größte Theil der Türkiſchen Reiterei ſchon jenſeits des Fluſſes ſei. Er eilte mit der Kavallerie und einigen Kanonen voraus, bis eine Stunde vor Zenta. Als auch die Infanterie eintraf, ſtellte er das Heer in Schlacht⸗ ordnung. Der rechte Flügel, unter Heiſter, lehnte ſich an das ſteile Ufer der Theiß. Der linke, unter Starhem⸗ berg, ward ſo weit als möglich in's flache Feld hinausgedehnt, und hier ließ Eugen„eine doppelte Linie aufſtellen.“ Das Centrum kommandirte FM. Commercy; bei dieſem befanden ſich der General der Kavallerie Graf Rabutin und der Oberbefehlshaber der Artillerie FZM. v. Börner; hier war auch Eugen ſelbſt. Es war jetzt ungefähr 3 ½ Stunde vor Nacht. Keinen Augenblick durfte man zögern. In Schlachtordnung ward vorgerückt. Als man ſich Zenta näherte, ſah man einige tauſend feindliche Reiter; und es kam die Meldung, daß der Flußüber⸗ gang fortdauere und auf der Brücke große Verwirrung zu bemerken ſei. Darauf nahm Eugen ſelbſt aus dem zweiten Treffen jedes Flügels 3 Regimenter Dragoner und etwas Artillerie, und eilte voran; ließ den Befehl zurück, fortwährend in Schlachtordnung ihm zu folgen. Die Türkiſchen Reiter zogen ſich zurück, ohne ſeine Ankunft abzuwarten. Als er auf Kanonenſchußweite vor der Verſchanzung angelangt, ward er vom feindlichen Geſchützfeuer begrüßt. Die 6 Dragonerregimenter ließ er ſogleich auf ihre frühere Stelle in der Schlachtlinie ſich zurückziehen, die Armee bis auf halbe Kanonenſchußweite vorrücken, und das Geſchützfeuer erwiedern. In ſehr kurzer Zeit ging das Alles vor ſich; vom Tag waren noch„ein paar Stunden übrig.“ Die Verſchanzung ging halbkreisförmig von einem Stromufer zum andern, war durch 70 Kanonen geſchützt. Eiligſt ließ Eugen den linken Flügel durch einige Regimenter verſtärken und bis an die Theiß ſich ausdehnen. Wegen des niedriger gewordenen Waſſerſtandes war hier zwiſchen dem Ufer derſelben und der Verſchanzung ein Zwiſchenraum von etwa 40 bis 50 Schritten. Die feindliche Kavallerie machte Miene, ſich bei dieſer Lücke auf den linken Flügel werfen zu wollen. Eugen ließ„ſo geſchwind als es immer möglich war“ hier Geſchütz aufſtellen, das zugleich die Brücke beſtreichen konnte, auch die Infanterie des linken Flügels etwas vorrücken, ehe er dem Centrum und dem rechten Flügel den Befehl zum Angriff gab. Und es„reüſſirte dieſes; ungeachtet der Feind mit Stucken, Kartätſchen und kleinem Gewehr ein erſchröckliches Feuer machte, iſt gleichwohl gedachte Infanterie vom linken Flügel durchgebrochen.“ Gleich darauf griff die geſammte Armed an, Infanterie und Kavallerie, als der Feind ſchon, im Rücken bedroht, in einige Verwirrung gerathen war. Die beiden hinter einander aufgeführten Ver⸗ ſchanzungen, bei denen noch eine Wagenburg, waren, wie Eugen in ſeinem Schlachtbericht ſich ausdrückt,„ſo feſt und hoch, daß ich es nicht begreife, wie die Infanterie hat paſſiren können. Auch die Kavallerie iſt mit der Infanterie zugleich bis an den Graben der Verſchanzung vorgerückt und hat dort des Feindes Feuer ausgehalten, hat auch mit chargirt[gefeuert] wie die Infanterie; was ich Zeit meines Lebens noch nie geſehen. Hernach, und wie man erwähntermaßen durch den linken Flügel Luft bekommen, ſo iſt mit geſammter Hand Alles hinein⸗ gedrungen; und da war es nicht mehr möglich, den Soldat zu halten; die Kavallerie mußte abſteigen und ſich mit der Hand eine Paſſage machen; worauf ſie an einigen Stellen den Graben über die Todten, die vom Feind ſchon geblieben, paſſirte. Die Bataillone vom linken Flügel hatten dem Feind die Paſſage über die Brücke abgeſchnitten, und daher kam es zu einem gräulichen Blutbad, ſowohl in der Verſchanzung als auf der Brücke und in dem Waſſer, wohinein der Feind ſich geworfen und geglaubt hat durchzukommen. Der Soldat war ſo ergrimmt, daß er faſt Keinem Quartier gegeben, obſchon Paſcha's und Offiziere ſich gefunden, welche viel Geld verſprochen haben; und es gab daher gar wenig Gefangene, welche auch erſt nach und nach unter denen Todten und Bruckenſchiffen herausgezogen wurden; und durch dieſe hat man erfahren, daß gewiß die ganze feindliche Infanterie herüben geweſen ſei, darüben aber nichts mehrers als ein paar tauſend Mann für des Sultans Wacht;


