Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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Peterwardein anzugreifen. Da ſie aber einſahen, daß ſie, um dieſe Feſtung zu belagern, erſt Titel zerſtören mußten, das ihre Kommunikationen mit Temesvar hindern und den Kaiſerlichen zum Magazin dienen konnte, ſo wandten ſie ſich plötzlich rechts, gingen über die Donau, marſchirten nach Panczova.(19. Aug.) Ihre Flotte ſegelte am 20. die Donau hinauf. Titel war nicht im Vertheidigungsſtand; und die kaiſ. Armee, beinah um drei Viertel ſchwächer als die Türkiſche, konnte nichts thun es zu retten. Graf Rabutin ward mit beträchtlicher Verſtärkung aus Siebenbürgen erwartet; aber dieſe Hülfe war fern und die Gefahr dringend. Auch war zu befürchten, die Türken möchten, ohne ſich bei Titel aufzuhalten, gerade nach Siebenbürgen marſchiren und Rabutin mit ſeinen Truppen vernichten. Ruhigen und ſichern Blickes überſchaute Eugen die Lage der Dinge. Die Be⸗ wegung der Türken erſchreckte ihn nicht. Am 22. Aug. brach er auf aus ſeiner feſten Stellung bei Cobila, um Rabutin entgegen zu gehen. Abends kam die Armee bis zur Moraſtbrücke bei Syrek. Eugen beſichtigte an dieſem Tage Titel, in Begleitung des Prinzen Commercy und des Grafen Guido Starhemberg; ließ den FML. Nehem mit einigen Regimentern zum Schutz dieſes Platzes zurück, und ſtellte noch 2 Regimenter längs der Theiß auf, um die Bewegungen des Feindes zu beobachten und ſich nöthigenfalls mit Nehem zu vereinigen. Am 23. Abends lagerte die Armee bei St. Thomas, 1 ½ Stunde diesſeits O Becze; am 25. kam ſie bis an den Czitskaer Moraſt; am 26. war ſie nur noch eine Stunde von ZJenta entfernt; vereinigte ſich hier mit dem Corps des Prinzen Vaudemont. Am 27. ließ FML. Nehem melden, daß die Türkiſche Flotte bis Szlankamen und Titel vorgerückt, die feindliche Avantgarde über die Temes gegangen, der ohne Zweifel die Hauptarmee folgen werde. Tags darauf Beſtätigung dieſer Nachricht mit dem Zuſatz, daß ein Theil der Flotte und 4000 Spahis gegen Peterwardein vorgegangen; zugleich die Meldung, daß Rabutin's Corps am 27. Abends in Arad eingetroffen. Es ward Kriegsrath gehalten und beſchloſſen: 1) Rabutin's Corps in größter Eile vorrücken und für deſſen Uebergang bei Klein⸗Kaniſcha eine Brücke ſchlagen zu laſſen; 2) unverzüglich Titel zu Hülfe zu eilen. Noch denſelben Abend brach Commercy mit 7 Reiterregimentern und 30 Kanonen auf; am andern Morgen folgte Eugen mit 15 Bataillonen und Tags darauf der Reſt der Armee. Aber es war ſchon zu ſpät. FML. Nehem hatte ſeinen Poſten nicht behaupten können und ſich zurückgezogen. Die Türken nahmen und verbrannten Titel. Eugen gab Nehem den Befehl, eiligſt nach Peterwardein zu marſchiren. Er ſelbſt kehrte nach ſeinem Lager bei Zenta zurück, wo Rabutin am 31. ſich mit ihm vereinigte. Sein Heer belief ſich jetzt auf 40,000 M. Nachdem er Szegedin, ſo gut er konnte, in Vertheidigungsſtand hatte ſetzen laſſen, brach die Armee nach Peterwardein auf, und kam am 6. Sept. Abends dort an, ungehindert, faſt unbemerkt. Erſt am 6. Nachmittags bemerkten die Türken die kaiſ. Armee. Ueberraſcht, ungewiß griffen ſie nicht an, zogen ſich nicht zurück. Vielleicht glaubten ſie, man komme, ſie anzu⸗ greifen. Aber das war nicht Eugen's Abſicht, der nur Peterwardein ſchützen und deshalb die Stellung zwiſchen ihnen und der Feſtungsbrücke einnehmen wollte. Dieſer Flankenmarſch am Feind vorüber dauerte 5 Stunden, immer faſt in Flintenſchußweite, immer ihm die Flanke bietend, aber eine Flanke, die jeden Augenblick als Front ſich bilden konnte. Daß der Sultan, um beinah zwei Drittel an Zahl überlegen, den Angriff nicht wagte, ſieht man als Beweis an, daß es ihm an Energie oder an Vertrauen zu ſeinen Truppen fehlte. Dieſen Abend gab er den Plan auf, Peterwardein zu belagern, ließ am andern Morgen ſeine Flotte die Theiß hinauf fahren, mar⸗ ſchirte auf Tökely's Rath am rechten Ufer auf demſelben Wege, den Eugen gekommen, gegen Szegedin, um ſich von da nach Siebenbürgen zu wenden und den dort kaum unterdrückten Aufſtand auf's neue zu beleben. Eugen erfuhr durch ſeine Kundſchafter den Zweck des Abmarſches. Die mögliche Einnahme des ſchlecht befeſtigten Sze⸗ gedin bot die größte Gefahr, weil dadurch dem Feind der Weg nach Ofen eben ſo wie nach Siebenbürgen offen ſtand. Eugen ſandte ſogleich den Oberſt Graf Schlick mit 1700 M. z. F. und 200 Reitern auf Umwegen nach Szegedin. Er ſelbſt folgte dem Sultan unverzüglich,(9. Sept.) entſchloſſen, ihn anzugreifen, ſobald er eine Blöße darbiete. In Peterwardein waren die Truppen auf 11 Tage mit Lebensmitteln verſehen worden. Eugen eilte mit der Kavallerie voraus, erreichte am 10. Sept. O Beeſe. Hier ward im Kriegsrath beſchloſſen, unverweilt weiter zu marſchiren und den Feind zu verfolgen, da nicht zu zweifeln, daß er gerade auf Szegedin zu marſchiren Willens ſei, das nicht im Stande, ſich länger als einen Tag zu vertheidigen. Es war keine Zeit zu verlieren. Am 11. brach Eugen vor Tages Anbruch auf. Gegen 9 Uhr kamen Berichte von den Streifpatrouillen, die die feindlichen Vorpoſten bei Zenta angetroffen, die Lagerfeuer geſehen, auch ſchon hin und wieder mit den Türken ſich gemeſſen hatten. Eugen ſchickte ſogleich Huſaren zur Unterſtützung nach, die bald darauf einen Paſcha als 2