Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

und von Sachſen die kaiſerlichen Heere geführt. Seit Sultan Muſtapha II. den Thron beſtiegen(1695) und unterſtützt vom Großvezier Elsmas Mahomed den kriegeriſchen Geiſt der Osmanen von neuem zu beleben geſucht, ſchien wieder das Glück ſich an ihre Fahnen heften zu wollen. Mit größern Hoffnungen als lange vorher begannen die Türken den Feldzug des J. 1697. Noch dauerte der Krieg in Deutſchland und Italien, und nahm einen großen Theil der Streitkräfte des Kaiſers in Anſpruch. Graf Tökely, der flüchtige Rebell, hatte während des Winters gefährliche Verbindungen in Oberungarn angeknüpft. Der Ueberfall auf Tokay, Calo und Potak gaben dafür Beweis genug. So ſtand es im Juni und Juli 1697. Der Sultan, genau unterrichtet, wollte nicht verſäumen, von der Lage der Dinge in Ungarn Vortheil zu ziehen. Nur von Siegslorbeeren träumend, die er perſönlich erwerben wollte, war er im Juli zur Armee nach Sophia geeilt und mit ihr am 6. Auguſt in Belgrad eingetroffen, das ſeit 1690 wieder den Türken gehörte. Zwar ſein Großvezier theilte nicht ſeine Zuver⸗ ſicht, ſah ahnungsvoll in die Zukunft. Zu Sophia hatte ihm geträumt, er habe mit Köprili Muſtapha, dem unerſetzlichen, bei Szlankamen gefallenen Vezier, Scherbet getrunken, Köprili habe die Taſſe angeſetzt und ihm den Reſt gegeben.Was anders, ſagte er,bedeutet dies als den Trunk des Martyrthums, der mir in dieſem Feldzug zu trinken beſtimmt iſt! Aber allgemein war an den deutſchen Gränzen banges Zagen. Schon fürchtete man, die Türken könnten in dieſem Feldzug wieder, wie unter Kara Muſtapha, vor den Mauern von Wien erſcheinen. Wenig Troſt gab der Zuſtand der kaiſerl. Armee in Ungarn. Aber ein Stern leuchtete auf in dieſer Nacht des Bangens: Eugen ward an die Spitze der Armee geſtellt! Der bisherige Oberbefehlshaber Kurfürſt Friedrich Auguſt von Sachſen war von den Polen zum König gewählt worden. Der Kaiſer ernannte Eugen an ſeine Stelle, auf den Vorſchlag Rüdiger Starhembergs des Hofkriegsrathspräſidenten. In der am 5. Juli für ihn ausgefertigten Inſtruktion heißt es u. A.:Da es ſchon ſpät an der Zeit iſt, an vielen unentbehrlichen Be⸗ dürfniſſen Mangel herrſcht, ſo kann für dieſes Jahr keine offenſive Operation oder Belagerung mehr angefangen werden. Es wird nöthig ſein, ſich nach des Feindes Bewegungen zu richten ꝛc. Sollte die feindliche Armee ſo⸗ ſchwach in's Feld rücken, daß Ew. Liebden ihr hinlänglich gewachſen ſein glauben, um eine offenſive Operation auszuführen, ſo werden Sie ſolches Vornehmen mit der Generalität, exkluſive der Feldmarſchall⸗Lieutenants, vorher wohl überlegen. Da nach der jetzigen Lage der Dinge von einem glücklichen oder unglücklichen Ausgang eines Treffens Alles abhängt, ſo iſt nichts zu wagen, ſondern nur mit einem großen Vortheil und beinah ſicherer Hoffnung des Gelingens ein Treffen zu liefern. Anſonſten aber ſind ſolche Poſitionen zu wählen, wo Rücken und Flanken gut gedeckt ſind, und man dem feindlichen Angriff, ohne etwas zu beſorgen, den gehörigen Widerſtand leiſten könne. Wenn die Kürze der Zeit es nicht verbietet, werden Ew. Liebden Uns und Unſerm Hofkriegsrath Ihr und der Generalität Gutachten berichten, um dasſelbe von hier aus nach Möglichkeit zu befördern. Indem wir zu Ew. Liebden das feſte, vetterliche und gnädige Vertrauen hegen, daß Sie ſich Unſer und der ganzen Chriſtenheit Wohl eifrigſt angelegen ſein laſſen werden, ſo wollen Sie nichts verſäumen, was Sie in dieſer Campagne Nützliches auszuführen für gut erachten werden ꝛc. Zum erſten Mal erſcheint Eugen jetzt als Ober⸗ befehlshaber. Es iſt die große Epoche ſeines Lebens, das ſeitdem an glänzenden Unternehmungen und Siegen ſo reich! Zu gleicher Zeit kamen Eugen und der Sultan bei ihren Truppen an. Der Hauptſammelplatz der kaiſ. Armee war Vörösmarton. Sie war kaum 50,000 M. ſtark, in mehrere von einander weit entfernte Corps ver⸗ theilt. Wie ſchlecht ſie mit Geld, Proviant und Vorräthen überhaupt verſehen war, ergibt ſich ſchon aus den Anfangsworten der oben mitgetheilten Inſtruktion. Aber mit Jubel ward Eugen von den Soldaten empfangen, die unter ſeiner Führung ſich für unüberwindlich hielten, deren Anhänglichkeit, deren Zutrauen zu ihm gränzenlos war. Zur Unterdrückung des Aufruhrs der Ungarn wurden einige Reiterregimenter unter dem Kommando des jungen Prinzen Vaudemont abgeſandt. Eugen ertheilte ihm ſo angemeſſene Befehle und ſie wurden ſo pünktlich und glücklich ausgeführt, daß die Rebellen, in weniger als 5 Wochen dreimal geſchlagen und gänzlich aus ihren Stellungen vertrieben, die Waffen niederlegten und ihre Anführer auslieferten. Am 14. Juli kam Eugen mit der Armee nach Illok, am 15. nach Futak, am linken Ufer der Drau, weſtlich von Peterwardein. Hier ward Kriegsrath gehalten und beſchloſſen, nach Cobila, 2 Meilen von Titel, wo Fourage in Ueberfluß war, zu marſchiren. Die Türken ſetzten ihre Rüſtungen fort, trafen zu Belgrad Vorkehrungen, die auf die Abſicht ſchließen ließen, eine Belagerung vorzunehmen. Ihre Donauflotte beſtand aus 16 Galeeren, 30 Fregatten und 60 Tſchaiken; die kleinſte ihrer Galeeren hatte 150 M. und 10 Stück Geſchütz. Sie brachen auf, ſetzten über die Save, um