Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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hand behielten, ſo erſtreckte ſich ihr Vortheil doch nicht weiter, als daß ſie etwas von der Artillerie und das Feld behauptet. Außerdem war der Verluſt gleich, und auf der Ueberwinder Seite mehr als auf der Ueberwundenen; dann ſie geſtehen ſelbſt, daß ſie 7000 M. verloren, daß hingegen die Alliirten, die Bleſſirten miteingerechnet, nicht ſoviel Verluſt gehabt. Dann von denen kaiſerlichen Truppen blieben 1500, von denen Spaniern, ſo am erſten gewichen und die Kaiſerlichen in Confuſion gebracht, 2500, und von denen Engliſchen und Savoyſchen auch 1500; in Allem alſo 5500.(Heldenthaten 441.) Eine beträchtliche Anzahl Gefangene führten die Alliirten mit ſich fort, nebſt mehrern Fahnen, Standarten und Pauken. Von ihren Kanonen ließen ſie nur 10 bis 12 zurück; die andern wurden gerettet. Catinat hatte in der That keinen andern Vortheil, als daß er zweimal 24 Stunden auf dem Schlachtfeld ſtehen blieb. Große Erwartungen hatte man vom Feldzug des folgenden Jahrs. Eugen hatte während ſeines Winteraufenthalts in Wien eine Verſtärkung der kaiſerl. Truppen erlangt; auch ließ der König von England es an Hülfe nicht fehlen, ſandte Lord Galloway an die Stelle des Herzogs von Schom⸗ burg. Die Armee der Alliirten war ſtärker als im vorigen Jahr und der Franzöſiſchen ſehr überlegen; weil Ludwig XIV., der den Hauptſchlag in Katalonien führen wollte, es für nöthig hielt, in Piemont ſich in der Defenſive zu halten. Aber der Herzog von Savoyen ließ ſich von neuem in Unterhandlungen mit den Franzoſen ein; und wie er früher dieſe hintergangen, ſo täuſchte er jetzt, in immer neuen Liſten und Künſten unerſchöpflich, die Verbündeten; verabredete mit Ludwig XIV., zum Schein den Krieg fortzuführen, aber durch ſeine Maßregeln alle Unternehmungen der Gegner zu vereiteln. Im J. 1696 rückten die Alliirten in Italien zum letzten Mal in's Feld. Ludwig XIV., der die Ueberzeugung hatte, daß er den Krieg nicht beendigen könne, ohne einen oder den andern von den Verbündeten ganz zu gewinnen, und nur beim Herzog für ſeine Anerbietungen Gehör fand, gewährte dieſem Alles was er verlangte, ſo daß er nicht allein den erſt jüngſt erneuerten Bundestraktat zu brechen und die Alliirten zu verlaſſen entſchloſſen war, ſondern ſich ſogar verpflichtete, ſie dahin zu bringen, auf die Neutralität für Italien einzugehen, nöthigenfalls ſeine Truppen mit den Franzöſiſchen zu vereinigen, um ſie dazu zu zwingen. Der Traktat war geſchloſſen, aber blieb geheim. Catinat erſchien bei Zeiten im Felde, mit der ſchönſten Armee die Frankreich noch in Italien gehabt hatte, und bedrohte Turin mit einer Belagerung. Weiter kann man die Verſtellung nicht treiben, als der Herzog es that. Kaum war die Franzöſiſche Armee im Anzug, als er die größte Beſtürzung zeigte. Von den Generälen der Alliirten verlangte er, ihre Meinung zu hören in Betreff der zu treffenden Dispoſitionen; bei ſeinen Truppen erſchien er nie anders als in Begleitung Eugen's oder des Marquis de Leganez. Eugen ſelbſt, obwohl ſo lange ſchon am Herzog zweifelnd, ließ ſich täuſchen durch dieſe tiefe Verſtellung, die auf ihn einen Eindruck machte, den keine ſpätere Zeit verwiſchen konnte; und traf alle Anſtalten zur Vertheidigung Turin's. Lange dauerte dies Spiel nicht. Am 12. Juli 1696 ward ein Waffenſtillſtand auf einen Monat verkündigt. Eugen war jetzt ganz enttäuſcht. Einige Generale und Geſandten der Alliirten machten dem Herzog Vorſtellungen; aber weiter ging man nicht; man war in einer mißlichen Lage. Der Herzog ſetzte alle Mittel in Bewegung, die Alliirten dahin zu bringen, den Waffenſtillſtand anzunehmen. Sie weigerten ſich entſchieden, obwohl ſie in der That genöthigt waren, unthätig zu bleiben, als ob man mitten im Frieden lebte. Der Herzog ließ ihn verlängern bis zum 15. Oktober. Da die Alliirten bei ihrer Weigerung verharrten, einer nachtheiligen Neutralität beizutreten, ſo ließ er ſeine Truppen ſich mit den Franzoſen vereinigen; er ſelbſt erſchien an der Spitze derſelben als Generaliſſimus der Armee des Königs von Frankreichs in Italien; und Eugen war nahe daran, den Degen ziehen zu müſſen gegen ſeinen Verwandten, für den er nur wenige Monate vorher gekämpft hatte. Endlich beſchloſſen der Kaiſer und der König von Spanien, die Neutralität für Italien anzunehmen. Der betreffende Traktat ward am 8. Oktober unterzeichnet. So endigte dieſer Krieg in Italien. Eugen eilte nach Wien. Kurz vorher, ſo wird erzählt, verſuchte Ludwig XIV. auch bei ihm, was ihm beim Herzog geglückt, machte ihm glänzende Verſprechungen, wenn er den Dienſt des Kaiſers verlaſſen wolle; bot ihm den Marſchallſtab an und die Stelle als Gouverneur der Champagne, die ſein Vater gehabt hatte, nebſt einer Jahresrente von 20,000 Piſtolen. Zu Wien ward Eugen, den das Benehmen des Herzogs um ſd mehr kränkte, da er ſein Verwandter war, auf's herzlichſte empfangen, und der Kaiſer gab ihm bald einen Beweis ſeines großen Zutrauens.

§. 4. Sieg bei Zenta. Friede von Karlowitz(1697 bis 1699.) Ununterbrochen war der Krieg gegen die Türken fortgeſetzt worden. Nach einander hatten der Prinz von Baden, die Kurfürſten von Baiern

Hennes, Prinz Eugen. 2