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ſie nach Gap in die Kirche gebracht, das Käſtlein aber davon behalten und gleicher Geſtalt unter ſich vertheilet.“ (Heldenthaten 1, 405.) Mit Schmerz ſah Eugen, daß das ſchöne, mit ſo großen Hoffnungen begonnene Unter⸗ nehmen in einen gemeinen Raubzug ausgeartet. Indeß dachten„die Alliirten auf nichts mehrers, als ihre ſieg⸗ reichen Waffen weiter auszubreiten, und hofften ſogar, noch Lyon wegzunehmen, daß man alſo den Krieg in das Herz von Frankreich gepflanzet hätte. Ganz Frankreich war deswegen beſtürzt, und meinte, Dauphiné würde fortgehen; dann die Hauptſtadt war ohne Munition, daß man auch ſogar das zinnerne Geſchirr in Kugeln gießen mußte.“(S. 406.) Aber plötzlich ſchwanden alle Hoffnungen der Verbündeten. Der Herzog bekam die Kinder⸗ blattern; zu Embrun lag er ſchwer erkrankt darnieder; ſein Leben war in Gefahr. Als er anfing, ſich zu erholen, ließ er ſogleich Befehl zum Rückmarſch ertheilen. Im September kehrte die Armee zurück, auf demſelben Wege wie ſie eingerückt war. Vor dem Winter ging Eugen nach Wien. Vom König von Spanien hatte er kurz vorher für ſich und für den Prinzen Ludwig von Baden den Vließorden erhalten; letztern ſollte er dem Prinzen in Wien überreichen, wo dieſer, von ſeinem Feldzug gegen die Türken zurückgekehrt, der Kriegskonferenzen wegen ſich aufhielt, da ihm für's nächſte Jahr das Kommando der Reichstruppen am Rhein übertragen war. Im März 1693 war er wieder in Turin; mit ihm ſein Freund, der von ihm unzertrennlich, Commercy. Am 25. Mai ward er vom Kaiſer zum Feldmarſchall ernannt, zugleich mit Palffy und Veterani; war aber darum nicht weniger, auch in den folgenden Feldzügen, dem Herzog von Savoyen untergeordnet. Letzterer ließ Pignerol belagern. Doch der Sommer ging vorüber, ohne daß es genommen wurde. Unterdeß hatte Catinat Zeit gehabt, die ihm aus Frankreich geſandten Verſtärkungen an ſich zu ziehen. Am 4. Okt. kam es zwiſchen Marſaglia und Orbaſſano zur Schlacht. Auf dem linken Flügel, unter dem Statthalter von Mailand, Marquis de Leganez, ſtand die Spaniſche Kavallerie und Infanterie nebſt dem kaiſ. Regiment Commercy und einigen andern Küraſſier⸗ und Dragoner⸗Schwadronen, auf dem rechten die Savoyarden und kaiſerliche Kavallerie unter dem Herzog und dem kaiſ. F. M. Grafen Ca⸗ prara, im Centrum, unter Eugen, die kaiſerliche Infanterie und die Engliſchen Truppen des Herzogs von Schomburg. Kaum hatte das Geſchütz zu ſpielen angefangen, als der Franzöſiſche rechte Flügel, wo Catinat ſelbſt kommandirte, mit etwa 20,000 M. die ihm gegenüberſtehenden Spanier angriff,— ohne einen Schuß zu thun, nur mit dem Bajonett und dem Säbel; zurückgetrieben, griffen ſie von neuem an, faßten die Neapolitaniſche und Maliländiſche Kavallerie in der Fronte und in der Flanke, warfen ſie zurück; dieſe ſtürzte ſich auf die deutſche Kavallerie, die, dadurch in Verwirrung gebracht und zugleich vom Feind angegriffen, auf die Infanterie drängte, die gleichfalls in Unordnung gerieth und ſich zurückzog. Dagegen war das Centrum der Alliirten im Vortheil; der Feind ward dreimal mit ſehr großem Verluſt zurückgetrieben. Auch der rechte Flügel hielt ſich ſehr gut. Aber der ſiegende rechte Flügel der Franzoſen griff die im Centrum ſtehende Infanterie der Alliirten in der Flanke und im Rücken an. Gleichwohl hielten dieſe Stand, mit unglaublichem Muth; trieben durch ihr Geſchütz, das vortrefflich bedient war, die Kavallerie zurück, die großen Verluſt erlitt. Da aber der Feind um wenigſtens 10,000 M. ſtärker, waren ſie endlich, umringt von ſeiner Kavallerie, ganz ermüdet und ohne Hoffnung auf Sukkurs, zum Rückzug genöthigt, der unter Eugen’“s Leitung in ſo guter Ordnung ausgeführt ward, daß die Franzoſen, weit entfernt ſie zu verfolgen, nicht einmal die Nachhut anzugreifen unternahmen. Bei Moncaglieri ſammelte und ordnete ſich wieder das Heer der Verbündeten. Unter denen, die an ihren in dieſer Schlacht erhaltenen Wunden den Tod fanden, war Herzog Meinhard von Schomburg, der letzte des berühmten Geſchlechts, das von der Rheiniſchen, bei Oberweſel gelegenen Burg abſtammte und den Namen führte, allgemein betrauert wegen ſeiner liebenswürdigen und großen Eigenſchaften.„Der Herzog von Schomberg war bei denen Alliirten ein Muſter der Tapferkeit; er ſtund vor ſeinem Regiment, und wollte kein anders Kommando, denn als Obriſter, annehmen. Er fochte bis zu Ende der Bataille; und da er in das dicke Bein bleſſirt ward und fiel, warf ſich ſein Kammerdiener Laſale auf ihn und ſchrie: Quartier! Aber dieſer getreue Menſch bekam ſogleich einen Schuß, daß er todt liegen blieb. Der Herzog ſelbſt ward hierauf von einem Irländiſchen Fähndrich erkannt und gefangen zu Catinat geführt, der ihn aber auf ſeine Parole nach Turin gelaſſen, wo er den 17. Okt. den Geiſt aufgab. Vor Andern aber iſt unſers Prinzen Eugenii ungemeine Tapferkeit, ſo er bei dieſer Action be⸗ wieſen, nicht genugſam auszuſprechen, indem er nicht allein mit größtem Vigueur die Feinde zum öftern abtrieb, ſondern da er ſich von allen Andern verlaſſen, vom Feind hingegen an Macht weit überlegen ſahe, ſeinen Poſten nicht eher als nach unglaublicher Gegenwehr verließ. Dann obſchon die Franzoſen in dieſer Schlacht die Ober⸗


