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etwas verhütet hätte; wozu Eugenius, welcher indeſſen aus Deutſchland zurückgekommen, und mit ſeinen Truppen aus denen Quartieren aufgebrochen war, unſtrittlich durch ſeine Klug⸗ und Tapferkeit ſehr viel beigetragen hat.“ (A. a. O. 344.) Catinat war unterdeß nicht unthätig; eroberte Avigliano, Carmagnola, Savigliano, Foſſano; machte Anſtalt, Turin ſelbſt zu belagern. Der Herzog eilte, den größern Theil ſeines Heeres nach der Hauptſtadt zurückzuziehen, ernannte Eugen zum Kommandant derſelben, ließ an der Wiederherſtellung der Feſtungswerke arbeiten und ſeine Familie nach Verrua in Sicherheit bringen. Aber am meiſten glaubte er in Unterhandlungen mit Catinat und dem Franzöſiſchen Hofe ſein Heil zu finden. Eugen erfuhr dies.„Als er einsmals, wegen gewiſſer Geſchäfte, zu dem Herzog gehen wollte, die Wacht aber vorwendete, daß ſie ausdrücklichen Befehl hätte, keinen Menſchen hinein zu laſſen, glaubte er, daß die nahe Anverwandtſchaft und Vertraulichkeit mit dem Herzog, wie auch die Wichtigkeit des Geſchäfts, bei ihm eine Ausnahme machte, und ließ ſich dannenhero nicht abweiſen, mit der Wacht gethanem Verſprechen, alle vor ſie beſorgende Gefahr auf ſich zu nehmen. Es befremdete ihn aber nicht wenig, daß er wider Vermuthen bei dem Herzog einen unbekannten Freund antraf, deſſen Nation das Geſicht, und beederſeits Beſtürzung die gepflogenen Unterredungen verriethen. Dahero er leicht Argwohn bekam, und ſolchen dem Herzog entdeckte. Wie aber dieſer die Sache nicht mehr verbergen kunnte, anbei ihm äußerſt daran gelegen war, ſich nicht verdächtig zu machen, als geſtande er die Correſpondenz leichtlich, wendete aber dabei vor, daß ſolches gar nicht das Anſehen gehabt, ſich mit Frankreich einzulaſſen, ſondern nur die Belagerung Turin's dadurch zu hintertreiben, und verſprach zur Verſicherung ſeiner Aufrichtigkeit, künftighin Eugenio von Allem, was ferner paſſiren würde, Nachricht zu geben, und die Sache mit geſambter Hand mit ihm zu handeln.“ (A. a. O. 348.) Der Herzog hinterging nun die Franzoſen; rettete Turin vor einem Angriff derſelben. Ende Juli waren endlich„vor Turin von allen Orten die verlangten Hülfsvölker zuſammengefloſſen. Von Seiten Spanien ſtellte ſich der neue Statthalter zu Mailand Marquis de Leganez mit ſeinem Corpo ein; und aus Engelland kam der Herzog von Schomberg an, welcher die Waldenſer kommandiren, anbei noch etliche Negimenter refugirte Franzoſen, die in der Schweiz mit Engliſchem Geld geworben wurden, unter ſich haben ſollte. Die kräftigſte Hülfe aber gab Deutſchland, welches 12,000 Kaiſerliche und Kurbaieriſche nebſt einigen Bataillons Brandenburger ſchickte, ſo daß nunmehr die alliirte Armee ſich auf 47 bis 48,000 M. belief.“(S. 353.) Im Auguſt kam der Kurfürſt von Baiern an, dem das Kommando der vereinigten Armee übertragen worden. Aber trotz der Ueberlegenheit der Verbündeten kam es zu keinem entſcheidenden Unternehmen. Im Winter ging Eugen wieder nach Wien, ward jedoch vor Ende desſelben nach Turin zurückgeſchickt, um dem Herzog, deſſen Abfall man befürchtete, die Ernennung zum Feldmarſchall und Oberbefehlshaber aller kaiſerlichen Truppen in Italien zu überbringen. Die Franzöſiſche Armee in Savoyen zählte kaum 16,000 M.; Ludwig XIV. hatte einen großen Theil der Truppen Catinat's nach den Niederlanden geſchickt. Dagegen belief ſich das unter des Herzogs Kom⸗ mando ſtehende Heer auf beiläufig 50,000 M. Catinat ſtand in einem verſchanzten Lager bei Pignerol. Es ward beſchloſſen, in Feindes Land einzufallen, die Franzöſiſche Gränze zu überſchreiten. Demnach ging die Armee an drei Punkten über die Alpen. Eugen kommandirte die Vorhut. Nur 18,000 M. blieben unter F. M. L. Palffy zurück. Dieſer mußte gegen Pignerol marſchiren, wie wenn er entweder dieſe Feſtung oder Suſa belagern wollte, was Catinat nöthigte, dieſe beiden Plätze im Auge zu halten und ſeine Armee ſo aufzuſtellen, daß er jeder von beiden im Fall eines Angriffs zu Hülfe kommen konnte. Ende Juni ſtand der Herzog in der Dauphiné; ein Theil ſeiner Truppen drang in die Provence. Guilleſtre, Embrun, Gap wurden genommen. Schwer war es, die Soldaten in Zucht zu halten. Eingedenk der ſchauerlichen Verwüſtung der Pfalz, glaubten namentlich die Deutſchen, Vergeltung üben zu müſſen an den Franzoſen. Gap ward geplündert und in Brand geſteckt; und in einem„Strich Lands von 7 bis 8 Meilen Wegs an die 80 Städte, Schlöſſer, Flecken und Dörfer in die Aſche gelegt, und allenthalben ruinirt und verwüſtet. Es war keine Ehrerbietung noch Verſchonen gegen Kirchen, Klöſter, Erz⸗ und Biſchöfliche Reſidenzien und Palläſte gebraucht; und ließen vornämlich die Deutſchen Regimenter aller Orten die entſetzlichen Fußſtapfen des Brennens und Verwüſtens hinter ſich, weil ſie der Franzöſiſchen grau⸗ ſamen Proceduren in der Pfalz und anderen Orten eingedenk waren, und ſich erfreueten, Gelegenheit zu haben, ſich revangiren zu können. Die Soldaten hatten auch den Schatz von denen Kirchen zu Gap, welchen die Ein⸗ wohner wegen Uebereilung in's Feld begraben, gefunden und unter ſich getheilet; unter andern war hiebei ein ſilbernes Käſtlein, 5 bis 6000 Livres werth, worinnen die Reliquien von einem ſichern Heiligen gelegen, welche


