Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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ihm, den Anträgen des Cabinets von Wien bei ihm Eingang zu verſchaffen, über die Hauptpunkte einer Allianz ſich vorläufig zu einigen. Zum definitiven Abſchluß derſelben kam es noch nicht. Der Herzog glaubte, ſeine Annäherung an die Verbündeten vor Ludwig XIV. noch geheim halten zu müſſen. Eugen kehrte nach Wien zurück. Mit der Ueberzeugung ſchied er vom Herzog, daß auf die Dauer nie auf ihn zu rechnen, daß Intereſſe und Eitelkeit immer die Motive ſeiner Handlungen ſein würden. Obwohl Eugen's Anweſenheit in Turin als der Beſuch eines Verwandten dargeſtellt wurde, war Ludwig XIV. doch argwöhniſch; und drängte den Herzog, dadurch daß er die Hauptfeſtungen ſeines Landes, ja die Citadelle von Turin zu beſetzen verlangte, zum Entſchluß. Am 4. Juni 1690 unterzeichnete er einen Allianztraktat, worin ihm der Kaiſer namentlich verſprach, unverzüglich ein Corps von 6000 M. ſeiner beſten Truppen zu Hülfe zu ſchicken. Eugen erhielt das Kommando derſelben und eilte ihnen voraus. Die Franzoſen waren unter Catinat in Piemont eingerückt. Einem mit Spanien ge⸗ ſchloſſenen Traktat zufolge ſandte der Statthalter von Mailand eine Armee von mehr als 12,000 M., die indeß großentheils neuangeworben waren. Kaum waren dieſe angekommen, als der Herzog, voll Begierde Siegsruhm zu erwerben, eine Schlacht liefern wollte. Eugen war kurz vorher eingetroffen. Vergebens rieth er, die Ankunft ſeiner Truppen, die noch auf dem Marſch in der Lombardei waren, abzuwarten, nicht übereilt in ein Treffen ſich einzulaſſen, Catinat's alten, kampfgewohnten Soldaten gegenüber. Am 18. Auguſt kam es zur Schlacht, nahe bei der Abtei Staffarda, am linken Ufer des Po. Schon nach zweiſtündigem Kampf war der rechte Flügel der Savoyarden geworfen; länger widerſtand der linke, wo Eugen die Kavallerie kommandirte, bis endlich der Feind nicht blos in der Flanke, ſondern ſelbſt im Rücken angriff. Daß der Rückzug ſich nicht in Flucht auflöſte, war nur Eugen's umſichtigen Anordnungen zu danken. Die Savoyarden verloren beinah 4000 Todte und über 2000 Gefangene. Eugen ward durch eine matte Kugel leicht verwundet. Am Tage nach der Schlacht ward Saluzzo von den Franzoſen genommen. Der Herzog ging bei Carignano über den Po, zog nach Moncaglieri, wo er ein verſchanztes Lager aufſchlug. Catinat unterwarf einen großen Theil des weſtlichen Piemonts. Ende Auguſt trafen die kaiſerlichen Hülfstruppen ein. Sie ließen nicht lange darauf warten, ſich wenigſtens in Streifzügen bei den Franzoſen anzumelden, da der Herzog die Luſt verloren hatte, eine Schlacht zu liefern. 400 Franzöſiſche Reiter, jeder mit einem Infanteriſten auf dem Pferde, kamen von Pignerol nach Rivoli, das ſie plünderten und in Brand ſteckten. Eugen rückte gegen ſie ausmit etlich hundert Deutſchen zu Pferd, nebſt einiger Savoyiſcher Infanterie, überfiel ſie auf dem Rückweg, als ſie ebenauf Unkoſten des Bauersmanns ſich luſtig zu machen im Begriff waren. Anfangs hielten ſie Stand;als aber nach ausgehaltener erſter Salve die Deutſchen ſtracks mit dem Säbel in der Fauſt auf ſie losgingen, kam ihnen ſolches ſo ungewohnt vor, daß ſie alsbald das Reißaus nahmen und über Hals und Kopf nach Pignerol ſich retirirten. Die Deutſchen ſetzten ihnen nach bis unter die Stucke von Pignerol, und waren der Ungariſchen Kriegsmanier wider die Türken noch ſo ſtark gewohnt, daß ſie niemand Quartier gaben, auch ſogar 3 Offiziere, welchen Eugenius das Leben verſprochen hatte, nicht verſchonten. Es verloren die Franzoſen in dieſer Aktion 200 Mann, und würden ſie wohl mehr gefangen zurück⸗ gelaſſen haben, wenn nicht die Verzweiflung ſie auf alle Weiſe zu entfliehen gelehrt hätte; und zeugte der ganze Weg, welcher mit Beute, die ſie zurücklaſſen mußten, und mit Köpfen, Füß und Händen untermengt, angefüllt war, gnug von ihrer Eilfertigkeit. Catinat beſchwerte ſich wegen dieſes Verfahrens bei dem Herzog durch einen Trompeter, mit Vermelden, daß wenn man diejenigen, die ſich als Kriegsgefangene ergeben, alſo traktiren wollte, er auch niemand Quartier geben würde. Er bekam aber zur Antwort, daß man in dieſer Aktion ſeine Soldaten nicht als Soldaten ſondern als öffentliche Mordbrenner angeſehen hätte; wenn er demnach auch dergleichen von dem Herzog bekommen ſollte, ſtünde es ihm frei, mit ihnen zu machen, wie es ihm gefiel.(Heldenthaten 1, 327). Aber nur auf ſolche Streifzüge konnten ſich die Unternehmungen der Truppen Eugen's beſchränken. Catinat, mit ſeiner größern Heeresmacht, blieb im Vortheil; eroberte vor dem Schluß des Feldzugs Suſa. Im Winter ward Eugen nach Wien berufen, um an den Berathungen über die Kriegsoperationen Theil zu nehmen. Er ſtellte vor, daß Piemont unfehlbar ganz in die Hände der Franzoſen fallen müſſe, wenn man dem Herzog nicht eine ſtarke Armee zu Hülfe ſende. Der Kaiſer gabſieben am Rhein ſtehenden Regimentern Ordre, in Piemont zu gehen; und wurden auch 4 Regimenter von Kurbaiern übernommen. Es ging aber, theils wegen Entlegenheit des Wegs theils wegen andrer Verhinderniſſe, ſo langſam damit ber, daß ſolche wohl erſt nach Ruinirung des Lands würden angekommen ſein, wenn ſolches nicht der Herzog theils durch ſorgfältige Anſtalten theils durch Verſchlagenheit in