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war nun Ungarn. Durch die ſiegreichen Waffen Oeſterreichs geſchreckt, verzichtete der Adel auf dem Reichstag zu Preßburg auf ſein Recht, die Könige zu wählen; erklärte die Ungariſche Königswürde für erblich im Habs⸗ burgiſchen Mannsſtamm.(31. Okt. 1687.) Das Hauptziel des Feldzugs des Jahrs 1688 war die Eroberung von Belgrad. Kurz vor Eröffnung desſelben war Eugen, erſt 24 Jahre alt, vom Kaiſer zum Feldmarſchall⸗ Lieutenant ernannt worden. Nicht der Feldherr, der ſeit fünf Jahren das Heer zum Sieg geführt, hatte diesmal das Kommando desſelben, ſondern der Kurfürſt Max Emanuel von Baiern, der ſo eifrig darnach geſtrebt, der ſeine Truppen von der Armee zurückzuziehen gedroht hatte. Herzog Karl, das edle ritterliche Herz, das dem Kaiſer ſo ergeben war, brachte ihm willig dieſes Opfer. Daß er einige Zeit am Fieber erkrankt darniederlag, mußte der Vorwand ſein, ihn vom Heer entfernt zu halten. In der Nacht vor dem 8. Auguſt begann von Semlin aus der Uebergang über die Save. Der auf dem rechten Ufer ſtehende Seraskier Jegen Osman⸗Paſcha, der die Abſicht ausgeſprochen hatte, eine Schlacht zu liefern, und von denen, die andrer Meinung waren, dem vorigen Paſcha von Erlau, Huſein, mit eigner Hand den Kopf abgehauen, den Paſcha von Belgrad niederſäbeln laſſen,— verließ plötzlich ſein wohlverſchanztes Lager und floh nach Semendria, nachdem er vorher die reiche, dichtbevölkerte Vorſtadt von Belgrad angezündet. Die Türkiſchen Einwohner waren auf mehr als 100 Schiffen die Donau hinunter entflohen; die vom Kurfürſt nachgeſandten Regimenter kamen zu ſpät; nur 4 Schiffe wurden angehalten, deren Beute meiſt Eugen's Dragonern zu Theil ward. Es wurden nun Anſtalten zur Belagerung getroffen. Schon am 15. fing man an, Bomben in die Stadt zu werfen. Aus 4 Hauptbatterien, jede zu 26 Stücken, ſpielten die Geſchütze. Aber noch fehlte die ſchwere Artillerie, die, von Ofen kommend, erſt am 23. eintraf. Am 26. begann das Feuer derſelben. Als hinlänglich Breſche geſchoſſen worden, ließ man die Feſtung auffordern, ſich zu ergeben. Der Paſcha gab zur Antwort:„Es wird geſchehen, was Gott gefällt! Wir ſind unterdeß entſchloſſen, unſer Heil noch ferner zu verſuchen.“ Am 4. Sept. traf der Herzog von Lothringen bei der Be⸗ lagerungsarmee ein. Um ſo mehr war der Kurfürſt darauf bedacht, um jeden Preis die Stadt zu nehmen, das Stürmen nicht weiter zu verſchieben. Am 6., Morgens zwiſchen 5 und 6 Uhr, war Alles zum allgemeinen Sturm bereit. An 5 Stellen zugleich erfolgte nach 10 Uhr der Angriff, auf zwei Breſchen und gegen drei Thore. Gleich Anfangs fiel der F. M. L. Graf Scherffenberg, der bei der erſten Breſche kommandirte; raſch folgte ihm, im Kommando und im Tode, der Oberſt Graf Emanuel von Fürſtenberg. Glücklicher war General Steinau, dem die zweite Breſche anvertraut war. Den Angriff beim Donau⸗Thor leitete Prinz Commercy, den beim Save⸗ Thor General Heißler. Unter Oberſtwachtmeiſter Pinni ward gegen das kleine Thor am Waſſer geſtürmt. Mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel rückten die Bataillone heran, um da, wo es nöthig, zu Hülfe zu kommen. „Eugenius war zwar nicht zu dem Stürmen expreſſe kommandirt, ſondern der Kurfürſt hatte ihn bei ſich und in ſeiner Geſellſchaft behalten. Doch fand er hier eben ſo viel Gelegenheit, ſeine Tapferkeit auszuüben, als wenn er unter die Stürmenden abſonderlich wäre ausgeleſen worden, welches ſeine Wunden, die er nebſt dem Kurfürſten empfangen, genugſam an den Tag gaben. Dann der Kurfürſt war allenthalben, wo die größte Noth und Gefahr; und wo der Kurfürſt war, war auch Eugenius.“(Heldenthaten 1, 275.) Mit größter Tapferkeit erſtiegen, behaupteten ſie die Breſchen. Aber unerwartet ſahen ſie einen Graben vor ſich, hinter dem der Feind ſich wohl verſchanzt hatte. Rechts und links auf den Wällen ſich ausbreitend, ſuchen ſie ſich einen Weg zu bahnen. Mit dem Säbel in der Fauſt ſtürzen hier die Türken den enge zuſammengedrängten Deutſchen entgegen, die ohne Schutzwehr dem von der andern Seite des Grabens auf ſie gerichteten feindlichen Feuer ausgeſetzt und ſelbſt durch das Gedränge gehindert ſind, ſich ihres Gewehrs zu bedienen. Zwei Stunden lang ſuchen ſie vergebens, ſich Bahn zu brechen. Schon verzweifelte man am Gelingen des Sturms; und„unterſchiedliche Generale waren der Meinung, daß man ſich auf der Breſche eingraben, Poſto faſſen und es dabei bewenden laſſen ſollte.“(S. 277.) Da eilte der Kur⸗ fürſt, den Degen in der Hand, herbei, mitten unter die Truppen; rief ihnen zu:„Liebe Brüder, ſeht mich an; gebt Acht, was ich thue; folgt mir nach!“ Worauf dann viele von den Soldaten mit ihm in den 3 bis 4 Fuß tiefen Graben ſprangen;„und weilen ſowohl die auf der Breſche als andere mit fliegenden Fahnen nachruckende Regimenter herzhaft nachſetzten, ſo wurde der Feind gezwungen, ſich zurück zu ziehen; zumalen da auch der Obriſt⸗ wachtmeiſter Pinni mit ſeiner zum Angriff der Waſſerſeiten kommandirten Mannſchaft ohne Verluſt des kleinen Thors ſich bemächtiget. Worauf der ſtürmende Soldat mit hellem Haufen in die Stadt drang, und Alles darin niedermachte.“(S. 278.) Auch die Beſatzung des Kaſtells war genöthigt, die weiße Fahne aufzuziehen, ſich auf


