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er bei der Belagerung von Ofen mehrmals Beweiſe ſeines ungeſtümen, unerſchrockenen Muthes. Es war im J. 1686, wo dieſe Ungariſche Hauptſtadt, die beinah anderthalbhundert Jahre(ſeit 1541) in der Gewalt der Türken und des Islams Gränzbollwerk in Europa geweſen, endlich wiedererobert ward. Vom Juni bis September dauerte die Belagerung. Beim Sturm auf die Rondelle, wo heißer Kampf war und viel edles Blut fließen mußte, (27. Juli) hatten„der Kurfürſt von Baiern, der Prinz Louis von Baden und Eugenius den heldenmüthigen Schluß gefaßt, die ganze Zeit des Stürmens dabei zu verharren, und mit ihren Kameraden zu ſtreiten, zu leben und zu ſterben. Wie dann auch erfolgt, indem ſie faſt überall voran waren. Es war keine Gefahr, darein ſie ſich nicht wageten, und entrannen wohl tauſend Mal durch den Schutz des Himmels denen Feſſeln des Todes, welche ſchier allenthalben von denen Türken gelegt waren.“(Eugenii Heldenthaten 1, 152.) Beim Hauptſturm, am 2. Sept. im Angeſicht des Großveziers Suleiman⸗Paſcha unternommen, der mit einem zahlreichen Heer zum Entſatz herangerückt, war Eugen, kurz vorher verwundet, mit ſeinem Regiment bei dem Theil der Armee, der nicht am Sturm Antheil nehmen, ſondern die Linien gegen einen Angriff des Großveziers ſchützen ſollte. Aber die beobachtende Stellung, Suleiman gegenüber, der ſich unthätig verhielt, war ihm unerträglich.„Da er nicht Gelegenheit hatte, bei dieſer Ordre ſeine Tapferkeit auch zu erweiſen, und zuſehen mußte, wie Viele ſich unſterb⸗ lichen Ruhm erwürben, war er voller Ungeduld und faſt außer ſich ſelbſten; näherte ſich deswegen ſeitwärts dem Thor bei dem Kirchhof, und nachdem er ſelbiges aufgeſprengt, drang er auch mit ſeiner Reiterei durch das Thor hinein, und kam noch eben zu gewünſchter Zeit, ſein Schwert in der Feinde Blut färben zu können.“(A. a. O. 167.) Bald darauf ward die Armee getheilt. Eugen war beim Prinzen Ludwig von Baden, der mit 12 Regimentern nach dem ſüdlichen Ungarn zog, Simontornya, Fünfkirchen, Siklos erſtürmte, die ſeit Zriny's Zerſtörung wieder⸗ hergeſtellte, ihrer rieſigen Dimenſionen wegen berühmte Dammbrücke zwiſchen Darda und Eſſeck 5000 Schritte weit in Aſche legte, und zuletzt noch, bei der Rückkehr in die Winterquartiere, durch Kapitulation in den Beſitz von Kaposvar gelangte.(9. Nov.) Einen Theil des Winters(Januar bis März 1687) brachte Eugen in Venedig zu, mit dem Kurfürſt Max Emanuel und andern Waffengefährten. Die Republik ließ es nicht daran fehlen, ihnen Ehre zu erweiſen; wetteifernd veranſtalteten die Venetianiſchen Edlen glänzende Feſte, vor Allen Moroſini, der noch in dieſem Jahre Athen eroberte und die„Löwen des Arſenals“ vom Piräus heimbrachte. Im Juli 1687 ſtand die kaiſerliche Armee wieder dem Feind gegenüber. Eugen war bei der Heer⸗Abtheilung des Kurfürſten von Baiern. Wo der Feldzug des vorigen Jahres geſchloſſen worden, in den Moorgegenden der Drau, rückte Herzog Karl, der unweit Siklos über den Fluß geſetzt, auf dem rechten Ufer desſelben gegen Suleiman⸗Paſcha. Aber unbeweglich blieb dieſer in ſeiner feſten Stellung bei Eſſeck, ließ ſich durch keinerlei Angriffe aus ſeinem Lager locken. Der Rückzug aus dieſer todbringenden Wald⸗ und Sumpf⸗Gegend war unvermeidlich und ward in guter Ordnung ausgeführt, ungeſtört vom Großvezier, der ihn für eine Kriegsliſt hielt. Am 23. Juli ſtand die Armee wieder bei Siklos. Herzog Karl's Hoffnung, den Feind hinter ſich her zu ziehen und ihn auf günſtigem Terrain zur Schlacht zu bringen, ward vereitelt. Doch ſetzte Soliman, als er den Uebergang über die Drau erfuhr, ebenfalls über, bezog ein feſtes Lager bei Darda. Beinah drei Wochen ſtanden die beiden Heere einander nahe. Endlich, am 12. Auguſt,— am Berg Harſan, in derſelben gegen Mohacs ſich hinziehenden Ebene, wo im J. 1526 Sultan Soliman den großen Sieg erfocht,— kam es zur Schlacht. Das kaiſerliche Heer war in zwei Treffen aufgeſtellt; im erſten bildete die Infanterie, im zweiten die Reiterei das Centrum. Die Türken griffen an. Darauf befahl Herzog Karl, daß die geſammte Kavallerie ſich auf den Feind werfe; weshalb Prinz Ludwig von Baden mit den 10,000 Reitern des zweiten Treffens durch das Centrum des erſten durchziehen mußte. Die Kavallerie des linken Flügels ſtand unter dem Herzog ſelbſt, die des rechten(nach der Verwundung des Kurfürſten von Baiern) unter Eugen. Alle drei wurden faſt gleichzeitig mit dem Feind handgemein, warfen ihn zurück; doch gelangte Eugen zuerſt an das feindliche, zum Theil ſchon verſchanzte Lager; ſeine Dragoner ſprangen von den Pferden, ſtürzten in den Graben, erkletterten den Wall. In Verwirrung, unaufhaltſam flohen die Türken. Reiche Beute fand ſich in ihrem Lager;„ſintemal kein Einziger, vom Höchſten bis zum Geringſten, geweſen, welcher nicht ſeine ſattſame Portion bekommen hätte, daß auch die gemeinen Musketier die Dukaten in Hüten trugen.“(Heldenthaten 210.) Erbittert über die Niederlage ſetzten die Türken noch im nämlichen Jahr erſt den Großvezier dann auch den Sultan ab. Mit Recht ward Eugen die Auszeichnung zu Theil, die Nachricht des Sieges dem Kaiſer zu überbringen, der ihn dafür mit ſeinem in Diamanten gefaßten Bild beſchenkte. Unterworfen 1*


