„ 89. 2 1.— oberhalb des kaiſerlichen Lagers über die Raab; drang vorwärts bis in die Gegend von Neuſiedel, Alles mit Feuer und Schwert verheerend, die Einwohner Amordend oder wie das Vieh vor ſich her in die Sklaverei treibend. Darauf ſandte Herzog Karl die Infanterie unter dem F. Z. M. Grafen Leslie über die Inſel Schütt, um auf dem linken Donauufer über Presburg nach Wien zu marſchiren; zog mit der Reiterei eiligſt die Donau hinauf, um dem Feind zuvorzukommen, und zu verhindern, daß die Hauptſtadt, die auf eine Belagerung weder gefaßt noch vorbereitet war, eine Beute der erſten ankommenden Tataren werde. Die Türken ſetzten ihm auf dem Fuße nach. Als er diesſeits der Leytha war, ſandte er das Gepäck im Trabe nach Petronel voraus, und folgte in großer Eile nach. Aber Nureddin Chan war ihm mit 15,000 Reitern zuvorgekommen, griff bei Petronel den Vortrab an. Schrecken und Verwirrung war allgemein, die Marſcheolonne gerieth in Unordnung, ganze Schwa⸗ dronen jagten davon, während die Tataren von allen Seiten herbeiſprengten und in die ungeordnete Maſſe ein⸗ hieben. Prinz Ludwig von Baden eilte vom linken Flügel, wo er kommandirte, herbei; war der erſte, der einige Schwadronen ſammelte und mit ſeinem unerſchrocknen Muth dem Feind ſo lange die Stirne bot, bis es dem Herzog gelang, die Ordnung herzuſtellen, die Türken zurückzuſchlagen. Dies Treffen, das erſte, dem Prinz Eugen beiwohnte, koſtete ſeinem Bruder, dem 24jährigen Dragoneroberſt Ludwig Julius von Savoyen, das Leben. Als er an der Spitze ſeines Regiments muthig focht, erhielt ſein Pferd eine Wunde; im heftigen Schmerz bäumte es ſich wild in die Höhe, verletzte ihn dadurch mit dem Sattelknopf ſo ſtark, daß er bewußtlos ſtürzte; er ward von ſeinen Dragonern überritten, zertreten, gab nach einigen Tagen in Wien den Geiſt auf. Unverlöſchlich blieb für Eugen die Erinnerung an Petronel. Einzelne verſprengte Reiter eilten voraus nach Wien, ſchauerliche Berichte verbreitend. Noch am ſelben Tage(7. Juli) um acht Uhr Abends verließ der Kaiſer ſeine Hauptſtadt, nachdem er den Oberbefehl in derſelben dem F. Z. M. Grafen Ernſt Rüdiger von Starhemberg übergeben. Herzog Karl von Lothringen ſetzte mit den Reiterregimentern über die Donau, vereinigte ſich mit der vom Marchfeld heranziehenden Infanterie. Am Biſamberg bei Korn⸗Neuburg nahm er eine feſte Stellung, um die aus Deutſch⸗ land und Polen heranrückenden Verſtärkungen zu erwarten. Am Abend des 12. Juli ſah man von Wien aus rings umher die Dörfer in Flammen aufleuchten. Kara Muſtapha, mit 200,000 Türken, war im Anzug. Es begann die denkwürdigſte, die folgenreichſte Belagerung der neuern Zeit. Volle zwei Monate dauerte ſie, vom 13. Juli bis 12. September. Beiſpiellos wie die Noth der Hauptſtadt war der Heldenmuth ihrer Vertheidiger. Endlich kam der glorreiche Tag der Befreiung. Langſam waren die Truppen aus dem Reich herangezogen; noch ſpäter kam der Polenkönig Johann Sobieski. Aber als nun die Deutſchen und Polniſchen Hülfsvölker mit dem Heer Herzog Karl's vereinigt waren, zogen ſie insgeſammt muthig und hochherzig, und Alle brüderlich verbunden, von Tulln her zur Rettung der geängſtigten Hauptſtadt, der am Abend des 11. September vom Kahlenberg aufſteigende Raketen die Nähe des Entſatzes verkündigten. Am andern Morgen ſtand das Heer in Schlacht⸗ ordnung. Die Polen unter Sobieski, 20,000 M. ſtark, bildeten den rechten Flügel; das Centrum die Baiern, 10,000 M., unter Kurfürſt Max Emanuel, die Sachſen, 11,000 M., unter Kurf. Joh. Georg III. und die Würtemberger und fränkiſchen Kreistruppen, 9000 M., unter dem Reichsfeldmarſchall Prinz Georg von Waldeck; auf dem linken Flügel, der gegen Nußdorf heruntermarſchirte, ſtand Herzog Karl mit der kaiſerlichen Armee, die durch erhaltene Verſtärkungen auf etwa 20,000 M. herangewachſen war; am äußerſten Ende desſelben, wo Prinz Ludwig von Baden kommandirte, das Regiment, bei dem Eugen eingetreten war, nebſt einem andern Dragoner⸗ regiment und den Dünewald'ſchen Küraſſieren. Dieſer linke Flügel begann den Angriff; rückte langſam, in ge⸗ ſchloſſenen Gliedern, voran; brachte nach hartnäckigem Widerſtand die Janitſcharen zum Weichen. Ihrem Beiſpiel folgte das Centrum; und nun ſtürmten auch die Anfangs zurückgedrängten Polen von neuem auf den Feind. Nach ſieben Stunden eines heißen, mühevollen Kampfes war die Schlacht entſchieden. Die Türken, ſo tapfer ſie das Gefecht begonnen, warfen ſich in eilige, unaufhaltſame Flucht. Unermeßlich war die Beute in ihrem aus 15,000 Zelten beſtehenden Lager. 300 Kanonen ließen ſie zurück. Ueber 10,000 Türken deckten das Schlachtfeld. Sechs Tage ſpäter zog die ſiegende Armee nach Ungarn. Am Schluß des ruhmvollen Feldzugs ward Eugen vom Kaiſer zum Oberſt ernannt(12. December 1683), und erhielt das durch den Tod des In⸗ habers erledigte Kufſtein'ſche Reiterregiment(jetzt Dragonerregiment Nr. 5), noch bis auf dieſen Tag Prinz von Savoyen⸗Dragoner genannt, zum immerwährenden Andenken ſeiner Thaten und ſeines Ruhmes. In den Ungariſchen Feldzügen der drei folgenden Jahre wird wiederholt des Prinzen rühmlich gedacht; namentlich gab
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


