Aufsatz 
Das Odenwälder Bauernhaus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

hause und zumteil auch im Schweizerhause, Häusern in rein alamannischem Volksgebiet, wiederfinden.

Was Henning(das deutsche Haus S. 21) vom Schwarzwaldhause sagt:Der Aufbau des Schwarzwaldhauses ist von unten nach oben dreifach gegliedert. Im ummauerten Erdge- schoss befinden sich die Viehställe, darüber erhebt sich als bunter Fachwerkbau der niedrige Wohnraum mit den Kammern und Ställen, und zuoberst im Holzwerk des mächtigen Dachstuhles befinden sich die Korn- und Speicherräume trifft auch ganz genau zu für das alamannische Haus des Odenwaldes. Und wenn als besondere Eigentümlichkeit alamannischer Bauweise hervorgehoben wird, dass im südlichen Alamannien und in der Schweiz das im Grundriss zwei- geteilte Wohnhaus die allgemeine Regel wird, während weiter nördlich im Unterelsass und einem grossen Teil Badens die fränkische Bauweise ihren Einfluss ausübt, so steht dies im völligen Ein- klang mit der Bauart des Odenwaldes. Auch hier finden wir bei den Häusern, die wir als alaman- nisch bezeichnen, häufig noch die Zweiteilung, d. h. der Wohnraum zerfällt nur in Flur mit Küche und Wohnstube mit Kammer, während sich auf der anderen Seite des Flurs keine Wohnräume mehr befinden und sofort die Stallungen anschliessen.

Aus allen diesen Gründen scheint es völlig gerechtfertigt, im Odenwald ein fränkisches und ein alamannisches Bauernhaus zu unterscheiden. Die wesentlichen Merkmale seien noch- mals hervorgehoben:

Fränkisch ist der niedere gemauerte Sockel, auf dem sich der mehrstöckige, sStets dreigeteilte Fachwerkbau erhebt.

Alam annisch ist das hohe ummauerte Erdgeschoss für Viehställe und Wirtschaftsräume, über welches eine hohe Treppe zu dem einstöckigen, meist zweigeteilten Wohnraum aus Fachwerk führt.

Dieser Unterschied geht in letzter Linie wieder auf die Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse zurück.

Der fränkische Bauer ist vorzugsweise der Bewohner fruchtbarer Täler und Ebenen, der Alamanne, besonders in seiner südlichen Heimat, ist Gebirgsbewohner und Viehzüchter: Dem- entsprechend ist sein Haus schon frühe ein Gebirgshaus im Gegensatz zu dem fränkischen, das in der Ebene entstanden ist. Bei der Okkupation des alamannischen Gebietes südlich des Mains brachte der Franke sein Wohnhaus als integrierenden Bestandteil seiner Stammesart mit und fand dort das alamannische Haus bereits vor. Beide Typen haben nebeneinander fortbe- standen und bestehen noch; teilweise haben sie sich aber auch vermischt, sodass wir unter einem Dache fränkische und alamannische Eigenart vermengt sehen, während die Stammesunter- schiede in der Bevölkerung längst verschwunden sind.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen alamannischer und fränkischer Bau- weise besteht in der Anlage der Wirtschaftsgebäude und ihrem Verhältnis zu den Wohnräumen.

Das rein fränkische Wohnhaus ist ein Bau für sich und hat keinen Raum für Scheune oder Ställe, es bildet einen Teil der Hofanlage oder Hofreite. Diese hat in der Regel die Gestalt eines länglichen oder annähernd quadratischen Vierecks. In der einen Ecke steht, mit dem Giebel der Strasse zugekehrt, das Wohnhaus.. 7

An es schliesst sich der Torbau an mit der breiten Einfahrt für Wagen und der niederen, schmäleren Tür für den Personenverkehr. Diese ist nicht selten auch in dem grossen, die Einfahrt schliessenden Tor angebracht.

Ferner wird die Vorderseite der Hofreite noch von der Schmalseite der Stallgebäude ein-