Aufsatz 
Das Odenwälder Bauernhaus
Entstehung
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Ein steiles Dach schliesst die Giebelwände und ansehnliche Dachräume, meist Speicher, bisweilen auch noch Kammern ein.

Der Eingang ist stets in der Mitte der einen Langseite.

Durch die oft noch quergeteilte Tür tritt man in den Flur ein, der ursprünglich zugleich Herdraum und Küche war, wie es sich in älteren Häusern, aber nur noch selten findet.

Jetzt ist von dem Flur meist durch eine leichte Querwand mit Tür und kleinem Fenster ein Vorplatz und häufig hinter der Küche eine kleine Kammer, Speisekammer, abgetrennt. Aus dem Flur führt eine Tür in den stets nach der Strasse zu liegenden Hauptraum, das Wohnzimmer, an dessen Hinterwand gewöhnlich das Ehebett steht. Jetzt ist dieses meistens durch eine leichte Wand, bisweilen auch nur durch einen Vorhang, von der eigentlichen Wohn- stube geschieden. Zwei Fenster gehen nach dem Hofe, eins nach der Strasse hin,weil der Bauer mehr nach seinem Hof, als nach der Strasse blicken soll; doch findet man meistens auch nach der Strasse hin mehrere Fenster.

In der nach Strasse und Hof hin liegenden Ecke des Wohnzimmers führt an den Wänden entlang eine festgefügte Bank, vor der der Tisch steht.

Der dem Wohnzimmer gegenüber auf der anderen Seite des Flurs gelegene Raum ent- hält 1 2 Kammern oder Stuben.

Die Einteilung des oberen Stockwerkes entspricht der des unteren, nur dass der Flur nicht Herdraum und Küche enthält, dennda jede Familie in einem rechtschaffenen Dorf ihr Haus allein bewohnt, und wäre es auch nur eine Hütte, und zur Miete wohnen durchaus nicht bäuerlich ist,(Riehl, Land u. Leute S. 83) hätte ein doppelter Herdraum keinen Sinn. Aller- dings hat sich auch in dieser Beziehung vieles geändert, und man findet jetzt gar nicht selten, besonders in ärmeren Gegenden, ein Haus von zwei Familien bewohnt. In diesem Falle ist natürlich der obere Flur ebenso eingerichtet wie der untere, d. h. mit Küche, Kammer oder auch mit Vorplatz versehen.

Wesentlich verschieden von diesem, in seinen Grundzügen dargestellten fränkischen Bauernhause ist das, allerdings mit ihm verwandte, alamannische Haus. Es unterscheidet sich sofort augenfällig von jenem durch den hohen ummauerten Unterstock, der für Viehställe und Wirtschaftsräume Verwendung findet, und durch die hohe Treppe, die zum bewohnten Stock hinaufführt. Mag man auch annehmen, dass diese Bauweise ein Ergebnis der örtlichen Ver- hältnisse sei, da durch die Lage an einem mehr oder minder steilen Bergabhang ein hoher Sockel von selbst erforderlich wurde, so sprechen doch verschiedene Gründe dafür, einen besonderen Typus des alamannischen Hauses anzunehmen.

Rein äusserlich betrachtet finden sich Häuser des fränkischen Typus, d. h. solche mit niederem Sockel, auf dem sich sofort der Fachwerkbau der Wohnräume erhebt, und Häuser des alamannischen Typus mit hohem ummauerten Erdgeschoss für Viehställe und Wirtschafts- räume und hoher Treppe häufig genug, ohne dass die Lage des Hauses einen zwingenden Grund für die Bauart darstellte, d. h. es finden sich rein fränkische Häuser auch an Berg- abhängen und auf Anhöhen, während alamannische auch in ebenem Gelände nicht selten sind, wo ein hoher Unterbau durchaus nicht notwendig gewesen wäre.

Ferner aber scheint auch die Annahme völlig gerechtfertigt, dass bei den Alamannen ebenso wie bei den Franken am Ende des 5. Jahrhunderts sich bereits ein ganz bestimmter Haustypus ausgebildet hatte, das alamannische Haus, dessen Grundzüge wir im Schwarzwald-