Aufsatz 
Das Odenwälder Bauernhaus
Entstehung
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die bis dahin häufig ausser Acht gelassen worden waren. Zahlreiche Publikationen aus Nord und Süd beweisen dies. Aber gerade die eingehendere Forschung hat gezeigt, dass man im einzelnen noch lange nicht genug unterrichtet ist, um eine zusammenfassende Geschichte des deutschen Bauernhauses in Angriff nehmen zu können, dass zuvor der Einzelforschung noch viel zu tun bleibt. Deshalb kann auch das von dem deutschen Architekten- und Ingenieurverein herausgegebene Werk(Das Bauernhaus im deutschen Reiche und in seinen Grenagebieten. Dresden Gerh. Kühtmann) trotz aller Verdienste immer noch nicht als ein abschliessendes angesehen werden. Aus demselben Grunde hat sich auch der Verein für bayrische Volkskunde (Würzburg) veranlasst gesehen, der Sache näher zu treten und beschlossen, durch Fragebogen aus dem ganzen Reiche Material zu sammeln.

Einen kleinen Baustein zu dem grossen Werke zu liefern soll die Aufgabe dieser Ab- handlung sein.

Ausserdem aber soll sie dazu beitragen, das Verständnis und damit das Interesse für das Odenwälder Bauernhaus, das gewissermassen als Typus des mitteldeutschen überhaupt gelten kann, zu wecken und zu beleben. Denn der Vorwurf K. Simrocks:

In Rom, Athen und bei den Lappen

Da spähn wir jeden Winkel aus,

Indessen wir wie Blinde tappen

Umher im eignen Vaterhaus. hat immer noch eine gewisse Berechtigung. Und ebenso enthalten die Worte Meitzens:In der Tat wandeln wir in jedem Dorfe gewissermassen in den Ruinen der Vorzeit und zwar in Ruinen, die an Alter die romantischen Trümmer der mittelalterlichen Burgen und Städtemauern weit hinter sich lassen eine unumstössliche Wahrheit, die sich jedem um so überzeugender auf- drängt, je eingehender er sich auf diesem Gebiete beschäftigt.

Mit der Ermöglichung des Verständnisses und dem Erwecken des Interesses für das Odenwälder Bauernhaus Hand in Hand gehen wird eine Belebung und Vertiefung der Liebe zur engeren Heimat. Der Odenwälder hat an sich schon ein ausgeprägtes Heimatsgefühl. Die bekannten Worte des Volksliedes:

Der Baum der steht im Odenwald,

Und ich bin in der Schweiz.

Da liegt der Schnee so kalt, so kalt,

Das Herz es mir zerreisst. geben nicht nur dem Schmerz um den Verlust der Geliebten, sondern auch dem Heimweh beredten Ausdruck. Kaum ein anderes Wort gibt mit solcher Kürze alles das wieder, was das Heim, die Heimat im weiteren und das Haus im engeren Sinne dem Menschen ist und sein soll, als das Wort:daheim ist daheim oder, wie der Odenwälder sagt,:dehaam is dehaam.

Daheim ist eben nur Daheim; einen Ersatz gibt es dafür nicht in der Welt. Wenn der müde Wanderbursche, nachdem er vieler Menschen Städte gesehen und Sitten gelernt hat, wieder unter heimatlichem Dache ruht, und wenn auch nur auf hartem Strohsack, so streckt er doch die Glieder in dem wohligen Bewusstsein: daheim ist daheim. Wenn der Soldat, der treu gedient hat seine Zeit, als Reservemann wieder den elterlichen Hof, das väterliche Haus betritt, um den bunten Rock abzulegen und wieder zum Pflug zu greifen, so müssen Freud und Leid der Garnison- und Kasernenzeit zurückweichen vor dem beglückenden Gefühl: dehaam is dehaam. Und wenn der Gelehrte, Beamte oder Künstler, der aus dem Bauernstande hervorgegangen,