nach Jahren wieder einmal in sein liebes altes Heimatdorf, ins traute Vaterhaus zurückkehrt, wie muss auch da bei ihm,— mag ihm die Welt auch noch so viel an Ehren und Auszeich- nungen geboten haben—, alles zurücktreten vor dem beseligenden Gedanken: daheim ist daheim.
Draussen in der Welt gibt es kein Heim.„Soviel Zauber in dem kleinen Wort Daheim liegen“, sagt A. Freybe,„so viel Schrecken und Grauen liegt in der Unheimlichkeit, d. h. in der Abwesenheit alles dessen, was sonst auch den verborgenen Ort vertraulich macht, jener Heimlichkeit, die sonst auch in der kleinsten umfriedeten Hütte wohnen kann, der echten Heimatlichkeit, wo alles anheimelt, d. h. heimatliche, vertraute Gefühle erregt’. Unheimlichkeit in diesem Sinne herrscht besonders in den Städten, in den Mietskasernen und Arbeiterwohnungen- Ein wonniges Heim in des Wortes ursprünglicher Bedeutung kennt der Städter überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Wohnung im Wiesen- und Weideland, wie ja auch unter Karl d. Gr. der Mai Wonnemonat, d. h. Weidemonat genannt wurde, eine Bezeichnung, die heute oft missverstanden wird. 2
Und ein wonniges Heim ist es, das uns heute im Odenwald überall entgegenlacht. Da rieseln und rauschen unzählige silberhelle Gewässer und Bächlein in Zickzack- und Bogen- windungen über lachende grüne Berghalden und durch saftige Wiesen, und fruchtbares Acker- land zieht sich empor bis zu den bewaldeten Bergeshöhen. Den Mittelpunkt des wonnigen Heims bildet das Haus, der Grundsitz der Sitte, zunächst der Familiensitte, die die Glieder der Familie, Eltern, Kinder und Gesinde, im vertrauten Verkehr durch ihre ungeschriebenen Gesetze seit Väterzeiten zu einem festgeschlossenen Kreise eint. In ihr erwachsen die Tugenden, die sich später im weiteren Lebenskreise bewähren sollen: Pietät, Treue, Gewissenhaftigkeit, Wahrheitsliebe, Pflicht- und Ordnungsgefühl, Heimat- und Vaterlandsliebe. Gerade der Oden- wälder hat immer mit grosser Zähigkeit an Familiensitte und Familienrecht festgehalten. Aber auch der gute deutsche, einfache, herzliche, nie versiegende Humor hat seine Pflanzstätte in der Familie und in hervorragendem Masse in der des Odenwälders. Mit ihm Hand in Hand geht ein lebhafter Sinn für die Natur und eine dichterische Veranlagung, die uns neben herrlichen, naturfrischen Volksliedern schon manche köstliche Perle echter Volkskunst in Poesie und Prosa geschenkt hat. Kein Wunder, denn schon bei der Jugend wird die Phantasie mächtig angeregt, wenn, zwar nicht mehr am traulichen Herdfeuer, wie ehedem, oder beim matten Schein des knisternden Buchen- oder Kienspahns, sondern bei der Lampe geselliger Flamme die heimatlichen Sagen erzählt werden von den Auszügen des Rodensteiners, von den Riesen auf dem Felsberg, dem Ritter von Frankenstein u. a.
Je weiter wir zeitlich zurückgehen, eine um so wichtigere Rolle spielte im Hause der Herd. Von ihm, als dem ursprünglichen Mittelpunkt des Hauses und des ganzen Familienlebens, gingen alle Wohltaten für die Hausgenossen aus: Licht, Wärme, Speise, Trank, Geselligkeit.
Jetzt ist der Herd freilich aus der Mitte des Hauses zur Seite gerückt und hat von seiner alten Bedevtung viel verloren; aber ein stattlicher Herd ist im Bauernhause immer noch ein wichtiges Stück.
Durch alles das, was Haus und Herd dem Menschen an geistigen und materiellen Gütern bieten, wird er mit unzerreissbaren Banden der Dankbarkeit und Liebe an die Heimat und das väterliche Haus gekettet und in ihm das Heimatgefühl ausgebildet, aus dem sich die Vaterlands- liebe entwickelt.
Dies Heimatgefühl und die Liebe zur Heimat muss aber gehoben und gestärkt werden, wenn das Verständnis für das heimatliche Haus, seine Geschichte und charakteristischen Formen,


