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Klaſſen die volle politiſche Berechtigung zuerkennt und das Waffenhandwerk einem ſelbſtändigen natio⸗ nalen Wehrſtand überträgt, der ohne Privateigenthum zu beſitzen aus dem Gemeinlande ſeinen Unter⸗ halt finden ſoll. 1
Beſtimmter noch tritt das ſociale Moment bei dem Chalcedonier Phaleas hervor, den Roſcher wegen der Stellung, die er bei Ariſtoteles einnimmt, für jünger als Hippodamus, aber für älter als Platon hälts). Im Mittelpuncte ſeines politiſchen Entwurfes ſteht die Ausgleichung des Eigenthums, in deſſen Mißverhältniß der Keim aller revolutionären Bewegungen liege, und die Aechtung des Hand⸗ werkes, deſſen Betrieb er Staatsknechten überlaſſen wiſſen will. Es iſt eine althelleniſche, vorzugsweiſe doriſch⸗ariſtokratiſche Auffaſſung in der Gleichheit des Beſitzes eine Gewähr für den unerſchütterten Be⸗ ſtand des Staates“¹) und den Gewerbfleiß mit der Ausübung der politiſchen Rechte in Widerſpruch zu finden0). Nun hatte unter dem Einfluß der wiedererſtarkenden atheniſchen Demokratie zuerſt in By⸗ zanz(im Jahre 390) ¹1¹), und von da aus in der Vaterſtadt des Phaleas die Volksherrſchaft Eingang gefunden und die alte Zucht und Sitte gelockert¹2). So ſcheint denn in dem Reformprojecte des ge⸗ nannten Schriftſtellers der doriſche Ariſtokratismus gegen die auflöſende Macht der Demokratie zu rea⸗ gieren, obleich der kriegeriſchen Richtung desſelben allerdings darin keine Rechnung getragen iſt.
Die wenigen Beſtimmungen der Politie des Phaleas, welche wir kennen, ſind folgende.„Er verlangte zuerſt unter den politiſchen Schriftſtellern“, ſagt Ariſtoteles,„daß der Beſitz, oder genauer geſprochen der Grundbeſitz der Bürger gleich ſein müſſe. Dies, meinte er, ſei zwar gleich bei der Gründung der Staaten nicht ſchwer in das Werk zu ſetzen, bei den gegründeten dagegen freilich ſchwie⸗ riger; doch würde ſich wohl dadurch am ſchnellſten die Gleichheit herſtellen laſſen, wenn die Reichen Mitgiften zu geben, aber nicht zu nehmen, die Armen dagegen keine zu geben, wohl aber zu empfangen hätten.— Außerdem aber müſſe in den Staaten auch in der Erziehung Gleichheit ſtattfinden; welcher Art dieſelbe jedoch ſein ſolle, giebt er nicht an.— Die meiſten ſeiner Einrichtungen ferner bezwecken nur die inneren Verhältniſſe der Bürger unter ſich in guter Ordnung zu erhalten, während er über die Kriegsmacht und über die Mittel, deren ein Land zu ſeiner Vertheidigung bedarf, nichts geſagt hat. — Es erhellt übrigens aus ſeiner Geſetzgebung, daß er den Staat nur als klein darſtellt, da ſämmt⸗ liche Handwerker öffentliche Sclaven ſein und nicht eine Art Complement des Staates bilden ſollen.“
Wir haben die Geſchichte der griechiſchen Lehre vom Staate bis zu dem Syſteme geführt, das derſelben zuerſt eine tiefere, wiſſenſchaftliche Begründung gegeben, und bezeichnen in der Kürze die cha⸗ rakteriſtiſchen Momente der dargeſtellten Theorieen, an welche Platon widerlegend oder fortbildend an⸗ zuknüpfen ſich berufen ſieht.
In zwei Hauptrichtungen bewegen ſich die Anfänge der politiſchen Doctrin, in einer revolutionären und einer reſtauratoriſchen.
Der erſteren gehören die Sophiſten und in gewiſſer Weiſe auch die ſophiſtiſchen Sokratiker an. Die Selbſtſucht und Willkür des Stärkeren, die jene auf den Thron erheben, zerſtört das Weſen des Staates, wie die Selbſtgenugſamkeit des Weiſen, welche dieſe predigen, den Staatsſinn untergräbt. Die unwiſſenſchaftliche und unhelleniſche Auffaſſung dieſer Schulen fordert den Widerſpruch heraus. Platon ſtellt den Herrſchaftsanſprüchen der ſinnlichen Natur des Menſchen die Berechtigung der idealen, der Phyſiokratie die Ideokratie gegenüber. Und wenn die Cyniker die Weltordnung, in deren Geſetzen der Weiſe die einzige Richtſchnur ſeines Handelns findet, der bürgerlichen Ordnung entgegengeſetzt hatten, ſo weist Platon den Einklang beider nach, indem er den Staat als ein Bild der Welt im Kleinen und zugleich als den ethiſchen Menſchen im Großen darſtellt, indem er Tugend und Wiſſen dem poli⸗ tiſchen Gemeinleben dienſtbar macht und ihnen die Leitung desſelben überweist, wie er die Begierden ——᷑—ꝛBx—y.
83) Klio S. 247 Anm. 1.
9) Ariſt. Pol. II, 4, 4, VI, 2, 5, Plat. Geſ. IlI, 684 d, Polyb. VI, 45.
10) Ariſt. Pol. UI, 3, 2. 2, 8.
11) Ken. Hell. IV, 8, 27.
12) Theopomp bei Athen. XII, 526 d fgg.


