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den Hiſtorikern⁰*) und gedenken zum Schluſſe nur des Satzes nach einmal, mit dem wir unſere Darſtellung eröffnet. Iſokrates beſaß das Vollbürgerrecht weder auf dem philoſophiſchen, noch auf dem politiſchen Gebiete; er ſtand der realen Welt ebenſo fremd gegenüber, wie der idealen, und an dem Maße eines Demoſthenes nicht minder als eines Platon gemeſſen, wie klein erſcheint der Mann, der ſich der wahre Philoſoph und Staatskundige zu ſein dünkte! Aber ein Verdienſt wird ihm— von der formellen Bedeutung ſeiner Schriften abgeſehen— wie auch dem Xenophon, ohne Zweifel zugeſtanden werden müſſen: daß er die Wichtigkeit des ethiſchen Momentes für das Staatsleben erkannt und mit redlichem Eifer verfochten hat. Und ſo mögen wir ihn denn, der Aufforderung Platons 0) entſprechend, gelten laſſen, wie„man fürlieb nehmen muß mit einem jeden, der nur irgend etwas Vernünftiges behandelt und mit wackerem Ernſte durcharbeitet.“
Hippodamus und Phaleas.
In der Ariſtokratie und gemäßigten Demokratie hatten Xenophon und Iſokrates die Muſter einer Staatsordnung erblickt; dieſelben Verfaſſungsnormen ſtellen zwei politiſche Theoretiker auf, über deren Entwürfe jedoch nur ſpärliche Andeutungen bei Ariſtoteles vorliegen, Hippodamus aus dem ioniſchen Milet¹) und Phaleas aus dem doriſchen Chalcedon2). Aber wenn durch die politiſche Lehre der er⸗ ſteren ein ethiſcher Grundzug geht, ſo rücken bei den letzteren ſ ociale Tendenzen, die Geſichtspuncte des Berufes und Beſitzes, in den Vordergrund, und während die beiden Athener, indem ſie eine ſitt⸗ liche Regeneration des Volkes durch Hülfe des Staates in Ausſicht nehmen, mit Sokrates und ſeiner Schule in einer gewiſſen Verbindung ſtehen, zeigen die Reformpläne des Hippodamus und Phaleas durchaus keine Berührungspuncte mit der Philoſophies).
Hippodamus, ein Zeitgenoſſe des Sokrates, Architect von Fach und als ſolcher Begründer einer kunſtmäßigen Behandlung des Städtebaus, zugleich Dilettant auf dem Gebiete der Naturwiſſenſchaft, „war der erſte Privatmann, der es unternahm etwas über die beſte Staatsverfaſſung zu ſagen.“ Die⸗
69) Niebuhr Vorträge über alte Geſch. II, S. 300, Arn. Schäfer Dem. 1, 168, II, 223— 4 u. a.
70) Euthyd. 306 c.
1) Ariſt. Pol. II, 5. Bgl. K. Fr. Hermann de Hipp. Mil. Marb. 1841, L. Stein in Mohls Zeitſchr. f. Staatswiſſenſch. 1853 S. 161 fgg. Hildenbrand Geſch. u. Syſt. d. Rechts⸗ und Staatspbil. 1, S. 59 fgg., Curtius, gr. Geſch. II, S. 166. Dem auf geiſtigem Gebiete ſo rührigen Milet gehört noch ein anderer po⸗ litiſcher Schriftſteller(der demokratiſchen Richtung) an, Telekles, über deſſen„Staat“ 84 allerdings nur eine gelegentliche Rotfdr bei Ariſt. Pol. IV, 11, 3 findet. Vgl. Schneder zu dieſer Stelle, K. Fr. Hermann„Ueber Geſet“ u. ſ. w. Anm. 105 und C. Müller fr. hist. gr. II, Ariſt. Fr. 201. 1
2) Ariſt. Pol. II, 4. Chalcedon iſt die Vaterſtadt noch zweier auf dem Gebiete der politiſchen Litteratur namhafter Männer, des Sophiſten Thraſymachus und des Akademikers Xenokrates. 3
3) Hermann im angef. Progr. S. 18 will Hippodamus den Sophiſten beigezählt wiſſen; aber Zeller Phil d. Gr. 1, S. 746 bemerkt dagegen mit Recht, daß die Eigenthümlichkeit der ſophiſtiſchen Anſicht von Recht und Staat in ſeinen Vorſchlägen nicht zu finden ſei, wenn anch die ſchriftſtelleriſche Vielgeſchäftigkeit des Mannes an die Art der Sophiſten erinnere. Hildenbrand a. a. O. rechnet ihn zu den Pyihagoreern (wenn er ihm auch die zweifellos unechten Fragmente bei Stob. Flor. XLIlI, 92— 4 u. XCVIII, 71 mit Her⸗ mann und anderen abſpricht), weil er ſeine ethiſchen und politiſchen Organiſationen auf das Pythagoreiſche Princip des Maßes und der Harmonie gegründet babe. Aber das eine Moment der wiederkehrenden Drei⸗ theilung kann uns unmbolih berechtigen dün der genannten Schule zuzuweiſen. Was den Phaleas betrifft, ſo bemerkt Zeller i. a. B. S. 747, daß man eher geneigt ſein möchte ſeine geſellſchaftlichen Reorganiſations⸗ ideen mit der Sophiſtik in Verbindung zu bringen; indeſſen erſcheinen dieſe offenbar nicht als ein Erzeugniß ſophiſtiſchen Radicalismus, ſondern wie Roſcher Klio S. 247 und Böckh Staatsh. 1, S. 65 urtheilen, als
ein Product ariſtokratiſcher Reaction..—


