Aufsatz 
Zur Geschichte der griechischen Staatswissenschaft : 2. Artikel. Xenophon und Isokrates. - Hippodamus und Phaleas. - Kritischer Nachtrag
Entstehung
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deſſen Bedeutung derſelbe nicht minder hervorhebt: ein ariſtokratiſches. Nicht als ob Iſokrates dem oligarchiſchen Princip der Vorrechte das Wort reden wollte: es erſcheint ihm unnatürlich die Mehrzahl den Wenigen unterzuordnen und den, welcher mit Glücksgütern in geringerem Maße geſegnet, im übrigen aber um nichts ſchlechter iſt, von den Aemtern zu verdrängen; unnatürlich, wenn trotz der Ge⸗ meinſamkeit des Vaterlandes die einen unumſchränkte Herren, die anderen Schutzgenoſſen ſein und denen, welche von Natur Bürger ſind, die ſtaatsbürgerlichen Rechte durch das Geſetz entzogen werden ſollen²²). Er hält an dem demokratiſchen Grundſatze der Gleichberechtigung feſt; aber indem er zwei Arten der Gleichheit ſtatuiert, die eine, welche allen, Guten wie Schlechten, dasſelbe, die andere, die jedem das Gebührende zutheilt; die erſte, die für die Beſetzung der Aemter das Princip des Loſes, die zweite, welche das der Wahl bedingt, erklärt er die letztere nicht nur für gerechter, ſondern auch für volksthüm⸗ licher; denn bei der Verloſung, wo der Zufall eniſcheide, erhalten die Aemter oſt oligarchiſch Geſinnte; wenn aber die Würdigkeit als Maßſtab diene, ſo hänge es vom Volke ab diejenigen zu wählen, welche der beſtehenden Verfaſſung am ergebenſten ſeien?³). Iſokrates alſo verlangt eine Demokratie, die mit Ariſtolratie gemiſcht iſt, eine Volksherrſchaft, welche nicht die erſten beſten, ſondern die Beſten und Tüchtigſten zur Herrſchaft beruſt, ſo wie ſie in der altatliſchen Verfaſſung in typiſcher Weiſe zu Recht beſtanden habe?4). Denn für die eigentliche Seele des Staates ſieht er die Staatsregierung an, die eine ebenſo große Bedeulung habe, wie die Denkkraft im Körper, weil ſie es ſei, die über alles berathſchlage, das Gute bewahre und die Unfälle vermeide?), weil die Geſetze, die Volksredner und das Volk ſich ihr nothwendig aſſimilieren?), und in allen Verfaſſungen das Wohlbefinden der Bürger durch ſie bedingt erſcheine??). Man ſieht: es rückt bei Iſokrates der Hauptaccent von der Verfaſſung auf die Verwaltung des Staates, wie er Sitte und Herkommen für wichtiger hält als die geſchriebenen Geſetze, und wenn er auch das demokratiſche Dogma der Volksſouverainetät mit Nachdruck betontss),

22) Paneg.§. 105, Areop. 60. Ffokrates erklärt die Demokratie den angeſehenſten und größten Staaten für zuträglicher als die Oligarchie, Ar. 62, und ſelbſt die ſchlecht eingerichteten Volksherrſchaften haben nach ſeiner Meinung weniger Unfälle zur Folge als die letztere, ebend. 70. Vgl. Plat. Pol. 303 5 u. Arift. Pol⸗ IV, 2, 2, Nik. Eth. VIII, 13.

23) Ar.§. 21 3, Nik. 14. So hatte ſchon Xenophon in der Cyropädie II, 2, 17 geſagt, daß er nichts für ungleicher halte, als wenn der Schlechte und der Gute der gleichen Auszeichnung ſur würdig gehalten würde. Die doppelte Art der Gleichheit, die verhältnißmäßige oder geometriſche und die numeriſche, iſt ein wiederkehrender Gegenſtand der politiſchen Erörterung bei Platon im Gorg. 508a, in den Gef. VI, 757b (St, VIII, 558c), bei Ariſtoteles in der Nif. Eth. V, 6, VIIi, 9, Pol. III, 5, 8 9, V, 1, 6, bei Plutarch Symp. VIII, 2, 2, Sol. K. 14, bei dem angeblichen Archytas, Stob. Flor. XI.III, 133 u. a.

24) Panath.§. 131. 153. Es iſt für die Geſchichtsbehandlung des Iſolrates wiederum bezeichnend, daß er dieſe Demokratie im Grunde auch bei den Spartanern eingeführt und der atheniſchen nachgebildet ſein läßt, ebend. 153 4, Ar. 61.

21 Ar. 5 14, Panath. 138. Das Wort rolerela ſteht hier im Sinne von rohl(reoa; vgl. Ariſt. Pol. IlI, 4, 1. 5, 1. 26) Ar.§. 14, ähnlich 22, an Nik. 31 und Lyſias XXX,§. 28. 27) Panath.§. 131 3. Wir laſſen die auch ſonſt charakteriſtiſche Stelle zum größeren Theile folgen. Dis Athener, heißt es,gründeten eine Demokratie, nicht eine ſolche, die den Staat ohne Beſonnenheit verwaltet und Zügelloſigkeit für Freiheit, die Macht nach Luſt und Belieben zu handeln für Glückſeligkeit hält, ſondern eine, die dergleichen mißbilligt und ſich einer Herrſchaft der Beſten bedient: eine Form der Demo⸗ kratie, welche die Meiſten, weil ſie am vortheilhafteſten iſt, ebenſo wie diejenige, welche ſich auf das Princip der Vermögensverhältniſſe gründet, zu den Verfaſſungen rechnen(Sokrates nennt rhy And riy iunedr, roktrelav Plutokratie, Xen. Mem. IV, 6, 12, Ariſtote es Timolratie, Rhet. 1, 8, Nik. Eth. VIlI, 12), nicht weil ſie aus Unwiſſenheit irren, ſondern weil ſie ſich durchaus nie um das Rechte kümmern. Ich aber behaupte, daß es nur drei Arten von Staaten giebt, Oligarchie, Demolratie und Monarchie, und daß von den Ange⸗ hörigen derſelben diejenigen, welche zu den Aemtern und anderen Obliegenheiten die Tüchtigſten unter den Bürgern zu beſtellen pflegen und ſolche, von denen die beſte und gerechteſte Leitung der Geſchäfte zu erwarten iſt, ſich in allen Verfaſſungen wohl befinden werden ſowohl unter ſich, als auch im Verhältniß zu den an⸗ deren u. ſ. w. Vgl. Roſcher Klio S. 246, der auf die Abſtumpfung der politiſchen Principien und Ge⸗ ſenſäße aufmerkſam macht und der Aeußerung des Lyſias XXV,§. 8 gedenkt(mit welcher Iſokrates überein⸗ ſtimmt, Symm. 133), von Natur ſei niemand weder Oligarch noch Demokrat; jedem ſcheine diejenige Staats⸗ form die beſte, welche ſeinem Vortheile am gemäßeſten ſei..

28) Ar.§. 26:Das Volk muß, wie ein unbeſchränkter Gebieter(LöHavvoc,von deſſen Ausſpruch es