6
Ausbildung wird weiter geführt; der Staat legt ihnen die Pflicht auf der Jagd, als der beſten Vor⸗ ſchule des Krieges??), obzuliegen und die im Knabenalter begonnenen Uebungen im Gebrauch der leich⸗ ten Waffen fortzuſetzen. Daneben gehen die erſten politiſchen Verrichtungen, indem ihnen insbeſondere die Ausführung der polizeilichen Maßregeln für die innere Sicherheit überwieſen wird. Es folgt die Abtheilung der volljährigen Männer, die ſich zu Hauſe, wie die Jünglinge, den Behörden, und zwar den höchſten?s) für entſprechende Dienſte zur Verfügung ſtellt und im Felde das Corps der Schwer⸗ bewaffneten bildet. Endlich die Klaſſe der Volksälteſten, welche, von der Theilnahme an den Kriegs⸗ zügen außer Landes frei, mit beſchließender?4) und richterlicher?¹) Gewalt und mit der Machtvollkom⸗ menheit betraut ſind, die Behörden einzuſetzen?e) und diejenigen Jünglinge und Männer auszuſtoßen, die ihren Pflichten nicht genügen; denn an die vollſtändige Erfüllung aller Obliegenheiten iſt der Beſitz der Vollbürgerrechte geknüpft, während Vernachläſſigung derſelben Atimie zur Folge hat).
Die Erziehung iſt das conſtitutive Princip der Staatsordnung. Auf der breiten Grundlage einer über das Land zerſtreuten, Ackerbau und Gewerbe treibenden Menge erhebt ſich in eine Stadt con⸗ centriert die kleine gebietende Zahl der in der Zucht des Staates gebildeten Homotimen²s); der herr⸗ ſchende Adel aber gliedert ſich in den waffenführenden Theil, die obrigkeitlichen Behörden?⁰) und den Rath der Aelteren, der die höchſten Befugniſſe in ſich vereinigt,— ein ariſtokratiſcher Verfaſſungsor⸗ ganismus, der durch das erbliche Königthum, welches neben jenen Gewalten beſteht, in ſeinem Grund⸗ charakter nicht alteriert wird, da der König, nur der erſte Staatsdiener, im Geſetze, nicht im Belieben die Norm ſeines Handelns³⁰) und ſeine Hauptfunctionen als Prieſter und Heerführer im Kriege hatsl),
22) Cyr. 1, 2, 10, VIII, 1, 34— 36, Jagd XII, 1—8; vgl. Ariſt. Pol. 1, 3, 8. In gleicher Weiſe war in Sparta die Pflege der weidmänniſchen Kunſt durch das Geſetz geboten, St. d. L. IV, 7.— Pleniſenunrehin dieſelbe, Geſ. VII, 822 d. fgg.
23) Cyr. 1, 2, 5. 13(VIl—, 5, 22).
24) Cyr. 1, 5, 5: oi Hee,ee Tepatrepot.
25) Cyr. 1, 2, 14:„Sie ſprechen in allen öffentlichen und privaten Sachen Recht; auch haben ſie die Entſcheidung über Leben und Tod.“ Ebenſo in Sparta die Geronten, St. d. L. X, 2.
26) Cyr. ebend.; ſie wählen z. B. den Feldherrn 1, 5. 5.
27) Wie in Lacedämon, St. d. L. III, 3, X, 7. Durch die Geſetze alſo iſt bei den Perſern, wie bei den Spartiaten, den Tüchtigen ein ehrenvolles und freies Leben, den Schlechten ein niederes und ele ndes, das kein wahres Leben iſt, bereitet, Cyr. III, 3, 52 und St. d. L. IX, 3, im charakteriſtiſchen Unterſch iede von den demokratiſchen Rechtsnormen, die ſich auf Strafbeſtimmungen beſchränken, Oek. XIV, 7.—
28) Dem dnpos gegenüber ſtehen die ö5 Griot, Cyr. 1, 5, 5, oder nenaldep évot, II, 3, 15, 1, 2, 3. Obſchon wenige an Zahl beherrſchen ſie die(von der Gleichberechtigung ausgeſchloſſenen, II, 1, 15) übrigen Perſer, deren Zahl(wegen der Armuth des Landes, ebend. u. VII, 5, 67) bedeutend iſt, mit Leichtigkeit, II, 1, 3. Die Homotimen entſprechen den ſpartaniſchen 6 b10, St. d. L. X, 7, XIII, 1. 7. Der Mittelpunct des politiſchen Lebens iſt der ſogenannte freie Markt, von welchem die Marktleute mit ihren Waren, ihrem Geſchrei und den Aeußerungen der Roheit fern gehalten werden, Cyr. 1, 2, 3, VII, 5, 85, gerade ſo wie der Verſammlungsraum der Spartiaten von Anfang an ganz verſchieden von dem des Marktverkehres war, Curtius griech. Geſch. 1, S. 164. Auch Ariſtoteles verlangt für ſeinen Idealſtaat, Pol. VII, 11, 2, daß„der freie Markt“ von allem Handelsbetrieb rein, der Handelsmarkt von dieſem getrennt ſein müſſe.
29) Außer den 48 Phylarchen, deren je zwölf an der Spitze der vier Altersabtheilungen ſtehen, werden noch önchpes erwähnt, Cyr. IV, 5, 17, welche eine ähnliche Stellung zum Heerführer haben, wie die Epho⸗ ren in Sparta, St. d. L. XllI, 5, und æανrpes, ebend,, die ſich den ſpartaniſchen 85½ 60b0t, Thuc. V, 63, 3, vergleichen laſſen.
30) Cyr. 1, 3, 18. Das geſetzlich beſchränkte Königthum der Perſer, das dem herrſchenden Ghrineip des 10 /ety entſprechend conſtituiert iſt, wird der tyranniſchen Herrſchaft der Meder gegenübergeſtellt, die auf dem Grundſatz des keovexcet“ beruht. Seine Aehnlichkeit mit dem ſpartaniſchen Königthum, das Ariſtoteles Pol. II, 10, 3. 11, 1 als keine beſondere Art der Staatsverfaſſung anerkennt, liegt auf der Hand. Der Vertrag, durch welchen Cyrus den Perſern die Aufrechterhaltung ihrer politiſchen Selbſtändigkeit und Ver⸗ faſſung, und die Perſer dem Cyrus die Aufrechterhaltung ſeines Thrones garantieren, iſt gleichfalls lako⸗ niſchen Verhältniſſen nachgebildet, Cyr. VIII, 5, 24— 25, St. d. L. XV, 7
31) Cyr. IV, 5, 17, VIII, 5, 26 und 1, 2, 20. Auf den nemlichen Wirkungskreis ſind die Könige in Sparta beſchränkt, St. d. L. XIII, 11.


