obige Kabinetsordre und jene ſtändiſche Gliederung;
wieder zurückwünſchen, ſondern den erlangten Fortſchritt freudig anerkennen, indem nunmehr allen Befähigten ohne Unterſchied der Herkunft nicht nur die Hallen der Univerſität, ſondern auch die verſchiedenen Stellen im Staatsdienſte und im wirtſchaftlichen Leben ſowohl zum Wohle des Einzelnen als auch der Geſamtheit zugänglich geworden ſind, und der Zutritt nur von dem Nachweis der erlangten Schulbildung und der vorgeſchriebenen Qualifikation für das betreffende Amt abhängig gemacht iſt.
Die von Profeſſor Conrad auch in dieſer Richtung angeſtellten, jedoch auf die Univerſität Halle beſchränkten Unterſuchungen, welche die Zeiträume 1768— 71, 1820— 22, 1832—36, 1850— 54, 1872— 75 und 1877—81 umfaſſen und bezüglich der Herkunft der Studierenden 16 verſchiedene Berufsklaſſen der Väter derſelben unterſcheiden, ergeben, daß ein mit der Zeit wachſender Prozentſatz der Studierenden ſich aus Geſellſchaftskreiſen rekrutiert, deren jugendliche Mitglieder früher nur ſelten zum akademiſchen Studium„übergingen.„Im verfloſſenen Jahr⸗ hundert war die Hochſchule in viel höherem Maße eine Domäne der Beamten als jetzt; ein⸗ ſchließlich der Geiſtlichen ſtammten damals über die Hälfte, gegenwärtig noch nicht ½ der Studierenden aus dieſen Kreiſen, und ausſchließlich der Geiſtlichen, damals ¼, jetzt faſt nur noch 1½.(Univerſitätsſtudium von Prof. Conrad S. 54).
Zur Vergrößerung der Zahl der Studieren⸗ den, ſowie der Zahl der Abiturienten der höheren Lehranſtalten überhaupt, hat dann ferner weſentlich die Vermehrung der letzteren beigetragen. Denn in den beiden letzten Jahrzehnten ſind in Preußen 49 neunklaſſige hoͤhere Schulen neu errichtet und 23 ſiebenklaſſige zu Vollanſtalten erweitert worden, ſo daß im Jahre 1884 Preußen 476 höhere Schulen, nämlich 257 Gymnaſ., 90 Realgymnaſ., 52 Progymn. und 77 Realprogymnaſ. beſaß, und in den übrigen deutſchen Staaten ſich 224 höhere Schulen, nämlich 143 Gymnaſ., 47 Realgymn., 11 Pro⸗ gymn. und 23 Realprogymn. befanden, in denen das Lateiniſche als obligatoriſcher Unterrichts⸗ gegenſtand von Sexta an durch alle Klaſſen gelehrt wurde.
Es befinden ſich in faſt allen Städten mit mehreren tauſend Einwohnern höhere Schulen, wodurch es ſelbſt unbemittelten Eltern möglich wird, ihre Söhne einen neunjährigen, bezw. ſiebenjährigen Schulkurſus abſolvieren zu laſſen. Für nicht an ſolchen Orten wohnende Eltern iſt aber durch die für Schüler beſtehenden er⸗
mäßigten Fahrpreiſe gleichfalls der Beſuch einer höheren Lehranſtalt für ihre Söhne ſehr er⸗ leichtert. So bietet gerade unſere Gegend, ob⸗ gleich dieſelbe nicht zu den bevölkerteren zu zählen iſt, einen auffallenden Beweis für die große Anzahl höherer Lehranſtalten verſchiedener Art. Denn es beſtehen bekanntlich in einem Umkreiſe von 6 Meilen Halbmeſſer 8(zum Teil ſtark beſuchte) Gymnaſien und 3 Progymnaſien, 1 Realgymnaſium und 5 Realprogymnaſien neben 4 Realſchulen; außerdem liegen Frankfurt und Hanau mit vielen höheren Schulen dieſem Um⸗ kreiſe ſehr nahe.
In dieſer bedeutenden Vermehrung der höheren Lehranſtalten, welche zu einem guten Teil von den Kommunen unterhalten werden müſſen, ſpricht ſich aber unzweideutig der hohe Wert aus, welchen die königlichen und ſtädtiſchen Behörden auf die Erlangung einer höheren Schulbildung für die heranwachſende Jugend legen; auch iſt, um unbemittelten Eltern den Beſuch einer höheren Schule für ihre Söhne zu ermöglichen, angeordnet, daß 10 Prozent der Soll⸗Einnahme an Schulgeld zu Freiſtellen für beanlagte, fleißige und brave Schuͤler verwandt werden dürfen. Außerdem beſtehen auch noch Benefizien zu gleichem Zwecke an mehreren Anſtalten.
Von ganz beſonderem Einfluß auf die Ver⸗ mehrung der Studenten aber iſt der Umſtand, daß in 130 preuß. Städten das Gymnaſium die einzige höhere Lebranſtalt iſt. Mit Recht ſagt daher Prof. Conrad:„Durch die einſeitige Be⸗ vorzugung der Gymnaſien ſeitens der Staats⸗ regierung ſind alle Eltern gezwungen, ihre Soͤhne, welche eine weitergehende Schulbildung als die Volksſchule ſie zu gewähren vermag, ge⸗ nießen ſollen, das Gymnaſium beſuchen zu laſſen. Unter dieſen Schülern befinden ſich viele, deren anfängliches Ziel nicht der Beſuch der Univerſität iſt“. Wegen der in den meiſten Fällen ſchwierigen und öfteres verſchobenen Berufswahl kommt es nun gar zu häufig vor, daß der Schüler in die obere Klaſſe rückt und„nun ſich ihm die Freuden des geprieſenen Studentenlebens in ſolcher Nähe zeigen, daß er, um dieſelben zu genießen, zur Hochſchule übergeht, nicht ſelten ohne ſchon ein beſtimmtes Studium erwählt zu haben“. Der zuletzt angegebene Umſtand iſt aber auch in größeren Städten mit höheren Schulen ver⸗ ſchiedener Art die Urſache, warum eine große Anzahl Schüler, denen das Studium, als ſie die mittleren Klaſſen frequentierten, noch fern lag, nun doch am Schluſſe des Schulkurſus zu demſelben übergeht.
„Bei dieſen Schülern wirkt aber ferner zum Übertritt zur Univerſität noch mit, daß die in


