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Cäsar hochmütig(I, 44): se prius in Galliam renisse quam populum Romanum. prorinciam snam esse Galliam,»er sei eher als die Römer nach Gallien gekommen, Gallien sei seine Provinz«. So ziehen auch die ger- manischen Usipeter und Tenkterer von Ruhr und Lippe über den Rhein und drängen die Menapier zurück(IV, 4); ebenso hatten die keltischen Boier, qui trans Rhenum incoluerant(I, 5), Böhmen wieder verlassen.
Die Bauart dieser Zeitstufe ist dieselbe wie in neolithischer Zeit: Trichtergruben und grössere rechteckige Wohnungen;»der da- durch entstandene Raum war den Beobachtungen und Fundstücken nach zu urteilen zeltartig mit Stangen und Reisig umstellt, das man durch UÜberstreichen mit Ton und Lehm gegen Wind und Regen ge- schützt hatte«(Koffer, a. a. O. III S. 99). Allerdings scheinen in unsrer Gegend die Trichtergruben zu überwiegen; wir sehen daraus, dass die Bauart der Hallstattzeit verlassen und auf das alte System zurückge- griffen worden ist. Das scheint aber, abgesehen von anderen Gründen, auf ein Herabsteigen von der früheren Hõhe der Kultur zu deuten. Die leicht gebauten Hütten, die ebenso schnell wieder zerstört werden konnten, sprechen nicht für grosse Sesshaftigkeit der Bewohner, die von Viehzucht und Ackerbau lebten; aber letzteren trieben sie nur solange an einem Platze, wie das Land freiwillig Frucht gab: arcea per annos mutant et superest agoer; noc enim cum ubertate et amplitudine soli labore contendunt, ut pomaria consorant et prata separent et hortos rigent: sola kerrae soges imperatur(Tac. Germ. 26);»mit den Saatfeldern wechselt man alljährlich, und es ist dazu UÜberfluss an Acker vorhanden. Denn man ringt nicht mit der Fruchtbarkeit des Bodens und seiner Ausdehnung, sodass man etwa Obstpflanzungen anlegte, Wiesen absonderte und Gärten bewässerte; nichts als die Saat wird der Erde anbefohlen«.
Aber eine grosse Anderung ist gegenüber der früheren Zeit bei den Kelten in der Wohnanlage zu finden: Ihre Ansiedlungen liegen bei einander. Einen deutlichen Beweis dafúr findet man an der Kreisstrasse Bad Nauheim— Ockstadt, auf der westlichen Böschung zwischen dem neuen und dem israelitischen Friedhof; dort liegen gegen 15 Trichter- gruben der La Tène-Zeit, deren sich noch mehr nach Osten und Westen anschliessen; sind doch bei der Anlage des Friedhofs auf dem»Bieler Schloss« neben römischen auch viele Scherben der La Tène-Kulturstufe gefunden worden. Natürlich kommen auch zahlreiche Einzelwohnungen vor, und es ist bezüglich der Fundstücke genau darauf zu achten, ob man solche aus der frühen La Tène-Zeit vor sich hat, wo der keltische Einfluss stärker war, oder aus dem Ende dieser Kulturperiode, in dem das Germanische, das abgeschlossene Fürsichwohnen der Familien, ge- bräuchlich war..


