Aufsatz 
Die Altertumssammlung des Friedberger Geschichtsvereins und ihre Verwertung in der Schule : 1. Teil. Die prähistorischen Altertümer / von Paul Helmke
Entstehung
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Dieselbe Einfachheit wie die Wohnungen zeigen jetzt aber auch die Waffen und Schmuckgegenstände. Das Eisen ist zur Herrschaft gelangt, es dient vor allem als Waffe; aber es ist ein Metall, das sich nicht so wie die Bronze verzieren lässt. Ahnlich ist es mit den Ge- fässen; glatte oder mit ganz einfachen Ziermustern versehene Töpfe sind die Regel, sie verraten nichts mehr von der Zierlichkeit der Bronze- gefässe, ja sie machen oft einen unschönen Eindruck. Die Einfachheit der Form erstreckt sich aber auch auf den Schmuck; die Bronzearm- ringe im Museum sind(Schliz a. a. O. X S. 30)»massive Knotenringe mit rosenkranzähnlich an einander gereihten Kugeln« oder wellenförmig gebogene Bronzedrähte. Auch die Form der Fibeln ist kunstlos; der Bügel läuft oft in einen Knopf aus.

Es ist nicht von ungefähr, dass gerade die ausgedehnte La Tène- Wohnstätte bei Bad Nauheim angeführt wurde; denn Jahr für Jahr mehren sich dort die Funde, aus denen hervorgeht, dass schon in dieser Periode in Nauheim Salz gewonnen worden ist Unter der ganzen Alt- stadt und unter den alten Salinen bis in die Gegend des Karlsbrunnens und an die Allee erstreckt sich eine nach der Usa hin gleichmässig ab- fallende künstliche Steinlage, die stellenweise durch Quer- und Längs- bohlen in Bassins eingeteilt ist und offenbar zur Salzgewinnung diente. Darüber ist im Laufe der Jahrhunderte eine von La Tène-Scherben durchsetzte Aschenschicht von 4 5 m Höõhe emporgewachsen, die aus den UÜberresten beim Salzsieden entstanden ist. Aus dieser Schicht stammen ein grosses, über ½ m hohes Gefäss(im Friedberger Museum) und ein langer eiserner Schürbhaken, ebenso ein solches im Darmstädter Museum, das an der Gasanstalt gefunden wurde, sowie ein drittes, das im November 1903 aus der Fürstenstrasse in den Besitz der Stadt Nau- heim kam. Kleine Gefässe derselben Zeit wurden bei den Fundamen- tierungsarbeiten für die neue evangelische Kirche im Dezember 1903 uud Januar 1904 gefunden. Das zeigt uns, dass ein arbeitsames, rüh- riges Volk hier gesessen hat, das sicherlich nicht nur für sich allein, sondern zum Zwecke des Handels Salz gesotten hat. Dass diese Tätig- keit besonders bei den Galliern in Blüte gestanden hat, ergiebt sich aus den Untersuchungen, die Museumsdirektor Keune(Metz) im Seilletal (Lothringen) angestellt hat, also an einer Stelle, wo unzweifelhaft Kelten wohnten.(Bericht über den 2. Verbandstag der west- und süddeutschen Vereine für röm.-germ. Forschung 1901.) Die dabei gemachten Funde, die den unsrigen vielfach gleichen, beweisen, dass sogar schon in der Hallstattzeit dort Salz gewonnen wurde. Es scheint auch angebracht, darauf hinzuweisen, dass die grossen Salzlager in Vorder-Osterreich und am Neckar in gleicher Weise Anziehungspunkte für die Kelten bildeten.