sondern auch zur Fischerei; dazu kommt noch, dass in der Nähe von Wasser auch die Fruchtbarkeit des Bodens am grössten ist. Wir er-— kennen also, dass die neolithische Bevölkerung Fischfang getrieben und die Erzeugnisse des Bodens verwendet hat. Dafür sprechen aber auch noch andere Funde; in den neolithischen Wohnstätten finden sich zahl- reiche Stücke von Muschelschalen(nio batavus), deren Inhalt wohl nur als Speise gedient haben kann, zumal da sie bei anderen Speiseresten liegen; ferner aber besitzt die neolithische Abteilung der Sammlung auch einige aus NVogelknochen hergestellte Nadeln mit Ohr und Ahlen (Pfrieme), die nicht unr zum Nähen der Fellkleidung, sondern auch zum Netzestricken gedient haben.
Den Reichtum des Bodens haben die Steinzeitmenschen in der Weise benutzt, dass sie vor allem Viehzucht trieben; das beweisen die zahlreichen Reste von Tierknochen(Schwein, Rind, Pferd, Schaf). (Nach den Bestimmungen von Dr. Wittich[Darmst. Mus.]: HBos, Ovis, Sus, Capreolus). Dahin müssen wir ferner die grossen Hürden rechnen, die sich immer in der Nähe der Wohnplätze ſinden; dies sind lange, überdacht gewesene Anlagen, angefüllt mit fetter, aus dem verge- henden Mist entstandener, schwarzer Erde, in der aber Spuren von Speiseresten und anderen Anzeichen menschlichen Bewohntseins gänzlich fehlen. Eine solche Hürde liegt z. B. an der jetzt verschleiften Hieronimusschen Sandkaute an der Pfingstweide, etwa so m östlich der Oberwöllstädter Chaussee.— Aber auch Ackerbau haben die Stein- zeitbewohner schon getrieben; denn man benutzte zur Bearbeitung des Bodens Steinwerkzeuge(sogenannte Meissel und Schuhleistenkeile, die aber auch als eine Art Hobel benutzt sein können, s. Koehl»Neue prä- historische Funde aus Worms und Umgebung 1896 S. 32; Schliz, Korrespondenzblatt der deutsch. anthropol. Gesellschaft 1902„No. 6; Kocehl, Quartalbl. des histor. Ver. N. F. II, 3, 1896; Mehlis,»Das-Grab- fund aus der Steinzeit von Kirchheim a. d. Eck in der Rheinpfalz« u. a.). Daneben haben natürlich auch gekrümmte Baumäste und Geweihstücke zur Bodenbearbeitung gedient; freilich viel mag damit kaum erreicht worden sein, aber immerhin lässt sich aus dem in der Sammlung be- findlichen Mühlstein(nach der Form»Napoleonshut« genannt) und den mannigfaltigen abgeriebenen Steinen der berechtigte Schluss ziehen, dass man damals auch das Getreide schon gekannt und durch Zerquetschen und Zerreiben für den menschlichen Genuss zu verwerten gewusst hat. Die Ziegelei von Hoddes an der Ockstädter Strasse bietet eine besonders reiche Fundgrube für Reste aus der neolithischen Zeit. Dieffenbach fand hier verkohlte Erbsen, G. Falck verkohltes Korn in neolitschen Gefässen.


