— 11—
Landesmuseums in Darmstadt in Aussicht gestellt hat, dem Museum eine grössere Zahl von charakteristischen Typen der einzelnen Perioden als ständige Leihgabe zu überlassen.
l. Die neolithische oder jüngere Steinzett.
Was zunächst das Verbreitungsgebiet dieser Periode anbelangt, 8o finden wir eine ausserordentlich reiche Besiedlung unserer Gegend in dieser Zeit. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, dass der frucht- bare Boden bei uns eine besonders starke Anziehung für den neolithischen Menschen bildete. Der fette Lehm(Letten) der Wetterau erzeugte zu jeder Zeit ein Wachstum von Pflanzen, das nicht nur einen grossen Tier- reichtum hervorrufen, sondern auch den Menschen zur Ansiedlung förm- lich einladen musste; es ist nun eine Eigentümlichkeit der neolithischen Bevölkerung, dass sie nicht wie die Höhlenbewohner im Gebirge haust, sondern die niederen Höhenzüge der Ebene aufsucht. Die Leute wohnen an sanft abfallenden Hügeln und bevorzugen dabei solche Plätze, die der warmen Sonne zugewandt sind; die Spuren ihrer Hütten finden wir also am meisten auf der Süd-, Ost- und Westscite langgestreckter Höhen. Ausser einem kleineren, aus vier Hütten bestehenden Wohnplatze unter dem neuen Hochbauamte(gegenüber der Turnhalle der Augustinerschule) und einigen Einzelwohnungen innerhalb und in nächster Nähe der Stadt sind es besonders drei Orte, welche eine ganze neolithische Dorfanlage bildeten: 1I. An der Pfingstweide der von Westen nach Osten ziehende Abhang nördlich vom Strassbach, 2. jenseits des Strassbachs die Ostseite der Oberwöllstädter Höhe und 3. der Höhenzug zwischen Usa und Wetter»an der Schwalheimer Hohl.- Aus der weiteren Umgebung Friedbergs mögen die grosse neolithische Ansiedlung auf der Gemar- kungsgrenze Wölfersheim-Wohnbach(an der beide Orte verbindenden neuen Kreisstrasse), sowie diejenigen bei Bruchenbrücken genannt werden.
Daraus ergiebt sich aber gleich ein anderer Anhaltspunkt für die Bestimmung der Lage von neolithischen Siedlungen: Sie liegen stets in der Nähe von Wasser, eine Tatsache, die auch in anderen Gegenden beobachtet worden ist(Schliz»Das steinzeitliche Dorf Gross Gartach«, 1901). Die zwei charakteristischen Eigentümlichkeiten neolithischer An- siedlungsweise, Höhenlage und Wassernähe, lassen aber alsbald einige Rückschlüsse auf das Leben dieser Menschen zu: Die Höhe suchen sie, um freie Aussicht über das Gelände zu haben, sowohl im Interesse ihres Land- und Herdenbesitzes als auch im Falle eines feindlichen Angriffs; das Wasser bietet ihnen nicht nur Gelegenheit zum Trinken und Kochen,


