Aufsatz 
Die Altertumssammlung des Friedberger Geschichtsvereins und ihre Verwertung in der Schule : 1. Teil. Die prähistorischen Altertümer / von Paul Helmke
Entstehung
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bietet, das Bild unserer Heimat in der vorrömischen Zeit zu beleuchten. Auf diese Weise wird die später folgende Behandlung der römischen Altertümer einen wohl vorbereiteten Boden finden, zumal da dann mehr wie hier auf die Schulschriftsteller Rücksicht genommen werden kann.

Die vorrömische oder prähistorische Zeit.

Was die römischen Schriftsteller, die den Verhältnissen des dama- ligen Zustandes zwischen Deutschland und ltalien entsprechend zum grossen Teil Militärschriftsteller sind, über Germanien und seine Be- wohner berichten, beruht hauptsächlich auf dem, was ihnen sei es durch Augenschein, sei es durch Berichte anderer von dem Germanien ihrer Zeit bekannt geworden war; nur wenige karge Mitteilungen bietet die Geschichtsschreibung über die Kriegs- und Wanderzüge einzelner Germanen in vorcäsarischer Zeit, und auch dann nur insoweit, als sie mit Rom in Berührung gekommen sind. Nur Cäsar und Tacitus suchen etwas den dunklen Schleier zu lüften, der über der fernen Vergangenheit der Germanen ruht. Da aber auch diese Versuche nur auf Hörensagen beruhen und in ihrer Kürze des Unklaren genug bieten, so können sie ein deutliches Bild von den Bewohnern Deutschlands vor der römischen Invasion um so weniger geben, als sie sich nur auf Einzelheiten(den sagenhaften Ursprung, den Namen, Gebräuche u. s. w.) beziehen. Um so verständlicher spricht dafür zu uns der Erdboden und dasjenige, was seine Bewohner als untrügliche Spuren ihres Lebens in ihm zurückge- lassen haben. Wie wichtig diese Art, die Vorzeit zu erhellen, ist, mag durch den Hinweis auf die wunderbaren Erfolge der Ausgrabungen in Griechenland, Kleinasien, Agypten und Persien und durch die Tatsache gezeigt werden, dass trotz der Uberlieferung römischer Schriftsteller erst die Arbeiten und Bodenuntersuchungen der Reichslimeskommission einen helleren Lichtstrahl auf die Zeit der Besetzung Deutschlands durch die Römer geworfen haben.

Es liegt in der Natur der Sache selbst begründet, dass unsere höheren Schulen in den Schülern nicht die rechte Vorstellung von den vorzeitlichen Verhältnissen sowohl in Deutschland als in anderen Ländern überhaupt geben können; die Geschichte setzt mit den Uberlieferungen ein, die Asien und Südeuropa hinterlassen haben, und wendet sich erst da unserer Heimat zu, wo Rom und Deutschland in Berührung mit ein- ander kommen. Nicht anders stellt uns die Bibel vor ein in sich fertiges, auf hoher Kulturstufe stehendes Volk(man denke z. B. an den