Aufsatz 
Die Altertumssammlung des Friedberger Geschichtsvereins und ihre Verwertung in der Schule : 1. Teil. Die prähistorischen Altertümer / von Paul Helmke
Entstehung
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das Haus seiner Bestimmung übergeben wurde, konnte auch die Alter- tumssammlung ihre Pforten öffnen. Leider erlebte der Mann, der alle Kräfte für den Plan eingesetzt hatte, seine Verwirklichung nicht mehr ein früher Tod hatte ihn dahin gerafft, und nur die Erinnerung an ihn schwebt in diesen Räumen und eifert dazu an, es ihm gleichzutun. Welche Freude würde es ihm bereitet haben, wenn er geschen hätte, wie schnell sich die Räume füllten, so schnell, dass sich schon jetzt der Platzmangel äusserst fühlbar macht.

Aber neben dem Wunsche, der Sammlung überhaupt ein Heim zu bereiten, trieb ihn noch ein anderer Gedanke, sie gerade in die Schule aufzunehmen; vielleicht nicht zum wenigsten die Meinung, dass er sie auf diese Weise immer unter den Augen haben und ihren weiteren Ausbau fördern könne, sicher aber vor allem die Absicht, sie für die Zwecke des Unterrichts nutzbar zu machen. Es ist hier nicht der Ort, über den Wert der Anschauung für den Unterricht ein Wort zu sagen; die Fülle der Bücher, die diesen Gegenstand behandeln, spricht am besten für seine Wichtigkeit und für die Richtigkeit seiner Anwendung im Schulbetriebe. Ein Blick in die Modellsammlungen und Bilderschränke unserer höheren Schulen beweist mehr als alles andere, welcher Wert der Anschauung beigelegt wird, und das freudige Aufleuchten in den Augen der Schüler, wenn um nur einige Beispiele anzuführen ein Gedicht an der Hand eines Bildes behandelt oder Cäsars Rheinbrücke an einem Modell erläutert wird, zeigt, dass die Schule damit auf dem richtigen Wege ist. Wie viel mehr aber als bildnerische oder plastische Nachbildung muss doch ein Original auf den lebendigen Geist der Schüler wirken, da sie in ihm nicht nur das Wort des Lehrers in die Wirklich- keit übertragen finden, sondern durch die sinnliche Vertiefung in den Gegenstand auch in den Geist der Zeit versetzt werden, dem er ange- hört. Wie oft werden sie bei der Besprechung eines Gedichtes darauf hingewiesen, dass seine Worte und Ausdrücke, seine Fassung und ge- gebenenfalls auch seine Vertonung dem Geiste der Zeit entsprechen, der es entnommen ist um wie viel klarer und lebensvoller muss das Bild vor ihnen entstehen, wenn sie es mit Gegenständen erfüllen können, die dieser Zeit entstammen!

Dazu kommt noch eins: Die grossen Museen haben sich erst in den letzten Jahrzehnten mehr der Aufgabe gewidmet, die Altertümer der Heimat, in der sie liegen, zu sammeln; ihre Bedeutung beruht ja vor allem darauf, der Wissenschaft zu dienen, der es besonders auch auf die Vergleichung ankommt. Die Altertumssammlung in Friedberg ver- folgt einen anderen Zweck: Sie will ein Lokalmuseum sein; was für die Geschichte der Stadt und ihrer näheren Umgebung von Wert