Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 2. Teil
Entstehung
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werden, die sich einstellt, wenn der Gegenstand der Arbeit für den Zögling Wert und Bedeutung hat.(Willmann.)

Für die Erweckung des Interesses, das allein nur bereitwillige Tätigkeit bei den Schülern versichert und verbürgt, ist die Herodotlektüre in hohem Grade geeignet. Schon deswegen ist Herodot ein didaktisch äusserst wert- voller Schriftsteller. Und zwar haben unsere Betrachtungen wohl davon überzeugt, dass die Herodotlektüre reichen Stoff bietet zur Pflege des Interesses in den verschiedenartigsten Formen, mag auch Stärke und Umfang im einzelnen ungleich sein.

Vor allem steht Herodot da als der ehrfurchtgebietende Typus d. h. als das mit allen eigentümlichen Merkmalen ausgeprägte Bild einer bestimmten Gattung der Weltliteratur. In diesem Sinne hat ihm die gesamte Nachwelt den Ehrennamen Vater der Geschichte gegeben, und er trägt ihn mit vollem Recht. Für den reiferen Schüler wird es eine besondere Lust sein, den liebenswürdigen, mit sittlicher Reinheit und Vornehmheit alles und jedes auffassenden Erzähler mit anderen Geschichtschreibern und Geschichtsforschern, die er in dem Schulunterricht oder in der Privatlektüre kennen lernen wird, zu vergleichen und den Unterschied festzustellen.

Mag er auch früher oder später herausfinden, dass Herodot, besonders als Forscher und Kritiker mit unseren modernen den Vergleich nicht aushält, so wird die Erinnerung an ihn doch stets von dem Gefühl weihevoller Pietät getragen sein, und dies um so mehr, als er gerade das, was ihm bei Herodot einen so köstlichen und unauslöschlichen Eindruck gemacht hat, bei den anderen gar nicht, oder nicht in dem Masse findet. Dahin gehört die plastische Anschaulichkeit der Darstellung, ferner die aus einer abgeklärten und leidenschafts- losen Gesinnung hervorgehende Gemessenheit und Gehaltenheit im Urteil, sein merkwürdiges Interesse für alles und jedes im Bereiche der Natur, der Kunst und des menschlichen Lebens im besonderen, sein frommer und gottesfürchtiger Sinn, die behagliche und fröhliche Redelust eines Weitgereisten, die Fülle und Mannigfaltigkeit des Gebotenen und die dadurch bedingte reiche Abwechselung, ein uns angenehm berührender Anschlag von Wärme und Anmut, die den Autor liebenswürdig erscheinen lässt und uns den Wunsch nahelegt, diesen Mann persönlich gekannt zu haben.

Also schon nach der ganz allgemeinen Forderung hin, dass der Schulschriftsteller einen echten Typus seiner literarischen Gattung darstelle, gebührt unserem Herodot seine Stellung im Unterricht. Wie nimmt aber erst